Stand: 07.03.2019 19:00 Uhr

GdP: Gewerkschafter erster und zweiter Klasse?

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Die suspendierte GdP-Betriebsratsvorsitzende arbeitete in der Bundesgeschäftsstelle in Berlin.

Weil sie Bahntickets für eine Vorstandsklausur nur in der zweiten statt auch in der ersten Klasse bereitstellen wollte, ist die Betriebsratsvorsitzende der Bundesgeschäftsstelle der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin vor die Tür gesetzt worden.

Die Suspendierung erfolgte nach Informationen von NDR Info am vergangenen Dienstag durch den GdP-Bundesvorsitzenden Oliver Malchow. Der ganze Vorfall und seine Einzelheiten gehen aus einem Brief hervor, den der Betriebsrat an den GdP-Bundesvorstand als höchstes Kontrollgremium der Polizeigewerkschaft gerichtet hat. In dem Schreiben, das NDR Info vorliegt, bittet der Betriebsrat den Bundesvorstand um Unterstützung.

Grundsätzlich sind auch Buchungen erster Klasse möglich

Zur Begründung des Rauswurfs habe der Bundesvorsitzende gesagt, dass nach diesem Vorfall "eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr möglich" sei. Der Grund: Die Betriebsratsvorsitzende ist als Mitarbeiterin der Geschäftsstelle auch für die Organisation von GdP-Vorstandssitzungen zuständig. Sie habe in der Einladung zu einer Vorstandsklausur in der kommenden Woche in Würzburg lediglich auf die Möglichkeit hingewiesen, Bahntickets der zweiten Klasse zu lösen, obwohl die Regularien der GdP bei solchen Reisen grundsätzlich auch die erste Wagenklasse als Buchungsoption vorsehen.

Mitarbeiterin wurde "unwiderruflich" freigestellt

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GdP-Chef Malchow wird vorgeworfen, Mitarbeiterinnen der Bundesgeschäftsstelle unter Druck gesetzt zu haben.

Der aus Schleswig-Holstein stammende Malchow vermutet hinter diesem Vorgang offenbar Abgründe. Er äußerte demnach die Vermutung, die Mitarbeiterin habe durch den Hinweis auf die zweite Bahnklasse für Verärgerung beim Bundesvorstand sorgen wollen. Dabei habe sie offenbar das Ziel verfolgt, diese Verärgerung auf den Bundesvorsitzenden, also Malchow selbst zu lenken. 

Die Folge: Die Frau wurde "unwiderruflich" von der Arbeit freigestellt. Ihre Büroschlüssel, ihr Diensthandy und ihr Laptop musste sie abgeben.

Große Verunsicherung im Betriebsrat

In seinem Schreiben an den Bundesvorstand beklagt der Betriebsrat, dass der Rauswurf bei vielen der rund 25 Mitarbeiter in der Bundesgeschäftsstelle für erhebliche Verunsicherung gesorgt habe. Die Sorge gehe um, dass "auch andere Kolleginnen und Kollegen bei nichtigen Fehlern mit Suspendierungen und dem Verlust des Arbeitsplatzes überzogen werden könnten".

Die GdP-Führung war nicht zu einer Stellungnahme bereit. Zu innerbetrieblichen und arbeitsrechtlichen Konflikten äußere man sich nicht in der Öffentlichkeit, hieß es auf Nachfrage von NDR Info.

Interner Konflikt schwelt schon seit Monaten

Die jüngste Entwicklung ist der bisherige Höhepunkt eines seit Monaten andauernden Konflikts zwischen dem Betriebsrat der Bundesgeschäftsstelle in Berlin und der GdP-Spitze. Der Konflikt hat hinter den Kulissen mittlerweile zu lebhaften Auseinandersetzungen innerhalb dieser Polizeigewerkschaft geführt. Hintergrund sind Vorwürfe des Betriebsrats an die Adresse des Bundesvorsitzenden Malchow: Er habe Mitarbeiterinnen durch autoritären Führungsstil unter Druck gesetzt.

Nachdem diese Vorwürfe in der Gewerkschafts-Öffentlichkeit bekannt geworden waren, leitete die Gewerkschaftsspitze ein Kündigungsverfahren gegen Mitglieder des Betriebsrats ein. Verhandelt wird darüber nach Informationen von NDR Info Anfang April vor dem Arbeitsgericht in Berlin.

Weitere Informationen
NDR Info

GdP-Krisensitzung: Gewerkschaft gegen Betriebsrat

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Innerhalb der Gewerkschaft der Polizei gibt es nach Informationen von NDR Info zurzeit einen heftigen Streit. Im Mittelpunkt stehen die GdP-Spitze und der Betriebsrat. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 07.03.2019 | 19:00 Uhr

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