Stand: 07.11.2018 16:07 Uhr

Der Norden fährt beim Verkehr weit hinterher

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Die Verkehrspolitik der Landesregierungen wirkt sich auch auf die Lebensqualität in den Städten aus.

Die norddeutschen Bundesländer sind in puncto nachhaltiger Verkehrspolitik noch nicht auf dem richtigen Weg. Zu diesem Schluss kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie - im Auftrag von Allianz pro Schiene, dem Umweltverband BUND und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat. Diese Organisationen setzen sich für ein Umdenken in der Verkehrspolitik ein. Niedersachsen landet auf dem vorletzten Platz, nur Bayern wird schlechter bewertet. Am besten schneidet im Norden noch Mecklenburg-Vorpommern auf Platz 7 ab. Schleswig-Holstein schafft es auf Rang 12, Hamburg nur auf Position 14.

Das Länder-Ranking widmet sich den fünf Themen Verkehrssicherheit, Lärmschutz, Luftqualität, Klimaschutz und Flächenverbrauch. In die Bewertung flossen - neben den statistischen Daten - auch die politischen Ziele der jeweiligen Landesregierung ein.

Mecklenburg-Vorpommern: Top beim Lärmschutz

Mit seinem siebten Rang liegt Mecklenburg-Vorpommern im Mittelfeld aller Bundesländer. Am besten schneidet das Land beim Lärmschutz ab. Denn in keinem anderen Land sind so wenig Menschen von Verkehrslärm betroffen - nur 1,6 Prozent der Bevölkerung. Und Mecklenburg-Vorpommern kann bundesweit die niedrigste Stickstoffdioxid-Konzentration in Städten vorweisen. Zudem habe das Land mit zuletzt 79 Getöteten im Straßenverkehr deutliche Fortschritte erzielt, lobt die Studie. Allerdings liege die Zahl der Schwerletzten über dem Länder-Durchschnitt. Kritisiert wird auch, dass es kein konkretes Ziel gebe, um den Flächenverbrauch für den Verkehr zu begrenzen.

Die komplette Studie
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Das Länder-Ranking zu nachhaltiger Mobilität

Hier können Sie mehr erfahren über die Studie, die die Verkehrspolitik der einzelnen Bundesländer unter die Lupe genommen hat. extern

Schleswig-Holstein: Viele Schwerverletzte

Schleswig-Holstein kommt nicht über Platz 12 im Länder-Ranking hinaus. In der Kategorie Verkehrssicherheit ist es sogar der letzte Platz. Die Zahl der Schwerverletzten liege deutlich höher als vor sechs Jahren. Zudem sei der Kohlendioxid-Ausstoß im Verkehr zuletzt gestiegen. Immerhin: Bis 2020 wolle die Landesregierung erreichen, dass insgesamt 40 Prozent Kohlendioxid gegenüber 1990 eingespart werden. Die beste Platzierung schafft Schleswig-Holstein beim Lärmschutz - mit Rang 6. Nach Mecklenburg-Vorpommern sei es das Land mit dem geringsten Anteil Verkehrslärm-Betroffener.

Hamburg: Schlechte Luft, viel Lärm

Nur Niedersachsen und Bayern schneiden noch schlechter ab als Hamburg. Vor allem der Verkehrslärm und die Luftqualität in der Hansestadt verhindern eine bessere Platzierung. Beim Stickoxid gebe es weiterhin Grenzwertüberschreitungen, auch die Feinstaub-Belastung sei hoch. Ein Lichtblick ist laut Studie die Verkehrssicherheit: Hamburg hat die zweitniedrigste Zahl an Verkehrstoten pro Million Einwohner und die wenigsten Schwerverletzten. Allerdings gab es 2017 mehr Schwerverletzte als noch 2012. Besser kommt Hamburg beim Flächenverbrauch weg: Nur Berlin sei effizienter. Und gelobt wird in der Studie das Ziel des Senats, künftig weniger Flächen für den Verkehr zu opfern.

Niedersachsen: Zahl der Verkehrstoten ist hoch

Platz 15 von 16 ist sicher kein Ruhmesblatt für die niedersächsische Verkehrspolitik. Nur 38 von 100 möglichen Punkte werden erreicht. Die Studie kritisiert, dass Niedersachsen das einzige Bundesland ohne konkretes Klimaschutz-Ziel sei. Die verkehrsbedingten Kohlendioxid-Emissionen seien zudem im Zeitraum von 2009 bis 2014 gestiegen. Niedersachsen weise darüber hinaus - nach Sachsen-Anhalt und Brandenburg - die meisten Getöteten im Straßenverkehr auf. Und in der Kategorie Flächenverbrauch springt nur der letzte Platz heraus. Mit neun Hektar täglichem Flächenverbrauch (2015) sei das Land noch weit entfernt von der Empfehlung des Umweltbundesamtes für 2020 (drei Hektar).

Positiv bewertet wird, dass die Landesregierung bis 2020 ein Drittel weniger Verkehrstote erreichen will - ausgehend vom Jahr 2011.

BUND: Keine Verkehrswende erkennbar

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger wirft den Ländern vor, nicht genug für eine klimaschonende und nachhaltige Verkehrspolitik zu tun. "Wir müssen ernüchternd festhalten, dass eine Verkehrswende in keinem der Bundesländer erkennbar ist." Insgesamt werde auf Bundes- und Landesebene viel zu wenig getan, um die Klima- und Umweltziele zu erreichen.

Kritisch sieht der BUND die infolge des Abgas-Skandals immer noch zu hohen Stickstoffdioxid-Werte: In zehn von 16 Bundesländern habe es 2017 Grenzwertüberschreitungen gegeben. "Die Länder müssen den Gesundheitsschutz ernst nehmen und endlich ausreichende Maßnahmen für die Luftqualität in unseren Städten umsetzen", forderte Weiger.

"Verkehr ist Hamburgs großes Sorgenkind"

Hamburgs BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch sieht die Hansestadt ebenfalls in der Pflicht: "Das Länder-Ranking zeigt deutlich, dass die Verkehrspolitik noch immer das große Sorgenkind Hamburgs ist." Kritik am rot-grünen Senat kommt auch vom verkehrspolitischen Sprecher der CDU-Fraktion, Dennis Thering: "Platz 14 von 16 ist viel zu wenig. Hamburg steckt weiterhin in der Stau-Falle fest." Der Senat habe mit seiner Verkehrspolitik auf ganzer Linie versagt, meinte Therig.

Hamburger Senat kontert Kritik

Die Hamburger Verkehrsbehörde hingegen sieht sich auf einem guten Weg. "Die Stadt hat ein umfassendes Mobilitätskonzept, das die Umwelt fest im Blick hat", teilte die Behörde als Reaktion auf die aktuelle Studie mit. Emissionsfreie Busse, der Ausbau von S- und U-Bahn und die Stärkung des Fahrradverkehrs seien nur einige Beispiele.

 

Dichter Verkehr auf einer Brücke über Eisenbahnschienen © NDR

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