Stand: 08.03.2018 19:03 Uhr

Airbus: 3.700 Stellen bedroht - IG Metall warnt

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Bei Airbus stehen Stellenstreichungen und -verlagerungen bevor.

Beim europäischen Flugzeugbauer Airbus stehen bis zu 3.700 Stellen auf dem Prüfstand. Grund dafür sind Kürzungen bei der Produktion des Großraumflugzeugs A380 und des Militärtransporters A400M. Betroffen seien Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien, teilte Airbus am Mittwoch im französischen Toulouse nach einem Treffen mit dem Betriebsrat mit. Nach Gewerkschaftsangaben geht es allein in Deutschland um 1.900 Jobs.

"Airbus ist zuversichtlich, den meisten der betroffenen Mitarbeitern in Programmen, die sich derzeit im Hochlauf befinden, neue Stellen innerhalb des Unternehmens anbieten zu können", hieß es in einer Erklärung. Weitere Details nannte Airbus nicht. So ist unklar, ob die Jobs gestrichen oder verlagert werden und welche Werke im Einzelnen betroffen sind. In Deutschland gebe es allerdings "besondere Herausforderungen" für die Werke in Bremen und Augsburg.

300 Arbeitsplätze in Bremen betroffen

Im zweitgrößten deutschen Airbus-Werk in Bremen stehen 300 Arbeitsplätze zur Disposition. Diese Zahl sei aber die Annahme im schlimmsten Fall, sagte Betriebsratsvorsitzender Jens Brüggemann am Donnerstag nach einer Betriebsversammlung. Die Geschäftsführung habe zugesichert, betriebsbedingte Kündigungen möglichst zu vermeiden. "Wir tun alles, dass niemand seinen Job verliert", sagte Brüggemann. Bei einer Sitzung des Konzernbetriebsrats am 27. März sollen detaillierte Zahlen für ganz Deutschland bekannt gegeben werden.

Mitarbeiter in Hamburg verunsichert

Für die Standorte Stade und Hamburg etwa gibt es noch keine Angaben zur Anzahl betroffener Stellen. Doch auch wenn in Hamburg voraussichtlich genug Ersatzjobs bereit stünden, seien die Mitarbeiter jetzt verunsichert, sagte Emanuel Glass, Geschäftsführer der IG Metall in der Hansestadt. Der Schock sitze tief. Viele Beschäftigte am Standort Finkenwerder würden sich fragen, ob sie in ein paar Monaten noch Arbeit haben. Wie Airbus mit den Beschäftigten umgeht sei intransparent, sagte Glass. Die Unternehmensführung habe es komplett versäumt, den verunsicherten Mitarbeitern eine Perspektive aufzuzeigen. Dabei gebe es gerade in Hamburg gute Chancen, besonders, weil die Produktion der Maschinen aus der A320-Familie noch einmal deutlich gesteigert werden soll. Sowohl die Jobs von Festangestellten als auch von Leiharbeitern müssen deshalb erhalten bleiben, fordert Glass.

IG Metall Küste warnt vor Stellenabbau

Auch die IG Metall Küste warnte am Donnerstag vor einem "überzogenen Stellenabbau". Die Gewerkschaft werde alles dafür tun, "damit die Anpassung der Produktionsraten möglichst wenig Auswirkungen auf die Beschäftigten hat", kündigte Bezirksleiter Meinhard Geiken an. Bundesvorstand Jürgen Kerner hatte bereits am Mittwoch gesagt, die Ankündigung von Airbus verunsichere die Belegschaft: "Die Auftragslage des Unternehmens ist gut genug, dass es für die betroffenen Beschäftigten alternative Arbeitsplatzangebote geben muss." Die IG Metall sei offen für Gespräche.

Kein Anlass zu Sorge in Mecklenburg

Entgegen der Bremer und Hamburger Standorte rechnen die Airbus-Zulieferfirmen Flammaerotec in Schwerin und Aero Coating in Wismar nicht mit Einbußen. Der Geschäftsführer von Flammaerotec kündigte laut NDR 1 Radio MV sogar an, in diesem Jahr 20 zusätzliche Mitarbeiter einzustellen - die Firma fertigt Teile für die Flugzeugtypen, bei denen die Produktion gesteigert wird, darunter der A320. Auch der Geschäftsführer von Aero Coating Wismar rechnet nicht mit weniger Aufträgen. Ihm zufolge wird Airbus im kommenden Jahr monatlich fast doppelt so viele A320 fertigen - die speziell beschichteten Nieten, Schrauben und Bolzen aus Wismar seien also weiter sehr gefragt.

Keine betriebsbedingten Kündigungen geplant

Generell seien die deutschen Standorte von allen europäischen jedoch am stärksten betroffen, erklärte ein Sprecher der französischen Gewerkschaft Force Ouvrière (FO) am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. In Spanien sollen demnach 850 Arbeitsplätze wegfallen. Die Gewerkschaft sprach zudem von rund 470 Jobs, die in Frankreich auf der Kippe stehen - und von 450 in Großbritannien. Betriebsbedingte Kündigungen solle es nicht geben. Betroffen sind den Angaben zufolge auch Zeitarbeiter und Zuliefererbetriebe.

Bei der Airbus-Tochter Premium Aerotec wird sich der Stellenabbau voraussichtlich auf den Standort Augsburg beschränken. "Unsere Standorte in Norddeutschland sind nicht betroffen", sagte Premium-Aerotec-Sprecher Markus Wölfle.

"Veränderungsoffenheit" der Mitarbeiter gefragt

Nach Angaben des Airbus-Managements soll versucht werden, die betroffenen Stellen durch Umgruppierungen zu erhalten. Die Mitteilung klang zumindest beruhigender als die jüngsten Schlagzeilen des französischen Magazins "Challenges", das Stellenstreichungen in großem Stil vermuten ließ. Die Aufregung an den Airbus-Standorten war deshalb groß. Wie groß die Einschnitte wirklich werden, wird nun verhandelt. Die endgültigen Zahlen hingen von der "Veränderungsoffenheit" der Mitarbeiter ab, so Airbus. Der Zeithorizont sei das Jahr 2020, es gebe also noch zeitlichen Spielraum. "Heute war der Startschuss für die Diskussionen mit den Betriebsräten an den einzelnen Standorten", sagte Airbus-Sprecher Floran Taitsch.

Probleme mit A380 und A400M

Hintergrund für den Sparkurs bei Airbus ist die schlechte Auftragslage beim weltweit größten Passagierflugzeug A380. Außerdem gibt es beim A400M weiter technische Probleme. Ansonsten laufen die Geschäfte des europäischen Luftfahrtriesen gut. Airbus konnte 2017 den Jahresgewinn fast verdreifachen und eilt von einem Auslieferungsrekord zum nächsten.

Auswirkungen auf Norddeutschland noch unklar

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Entlassungen bei der Stammbelegschaft in Deutschland sind aufgrund des sogenannten Zukunftstarifvertrags, der bis 2020 gilt und die deutschen Airbus-Standorte sichert, derzeit ausgeschlossen. Ob die knapp 1.000 Beschäftigten in Hamburg-Finkenwerder, die am A380 beteiligt sind, tatsächlich aufatmen können, ist noch offen. Nach Angaben der Airbus-Zentrale sollen die nicht mehr ausgelasteten Beschäftigten aber womöglich beim Bau anderer Flugzeugmodelle eingesetzt werden. Hamburg ist der wichtigste Standort für das Erfolgsmodell von Airbus - die A320-Familie. Um die Nachfrage bedienen zu können, soll die Produktion dieser Modelle nach oben geschraubt werden. Ähnlich beim A350, dem jüngsten Modell aus der Airbus-Familie.

A380- und A400M-Produktion wird weiter gedrosselt

Die Produktion des A380 soll ab 2020 noch stärker gedrosselt werden als ohnehin erwartet, weil bislang größere Bestellungen ausbleiben. Nur noch sechs statt bislang geplanten acht Riesenfliegern sollen pro Jahr vom Band rollen. Am Mittwoch wurde ein weiterer Rückschlag für Airbus bekannt: Die Fluggesellschaft Virgin Atlantic strich ihre vor Jahren vereinbarte Kaufoption für sechs A380.

Stärker als Hamburg wird wohl das Werk in Bremen betroffen sein, wo unter anderem der Rumpf des Militärtransporters A400M gebaut wird. Weil auch für dieses Modell die Nachfrage ausbleibt, sollen künftig nur noch acht Maschinen pro Jahr gebaut werden. In diesem Jahr sind noch 15 Flugzeuge geplant, die Produktion wird also beinahe halbiert. Zugleich wird die Produktion allerdings bis zum Jahr 2030 verlängert. "Das gibt uns Zeit, Exportkunden zu finden", sagte Airbus-Sprecher Taitsch, der für den A400M zuständig ist.

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NDR Info | Aktuell | 07.03.2018 | 17:00 Uhr

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