Stand: 27.12.2018 16:45 Uhr

AKW Brokdorf und Grohnde melden meiste Störfälle

Eine derartig hohe Anzahl von sogenannten meldepflichtigen Ereignissen in deutschen Atomanlagen gab es laut der Anti-Atomkraft-Organisation "ausgestrahlt" seit sieben Jahren nicht: Insgesamt 79 Vorfälle mussten die Betreiber demnach im Jahr 2018 an die zuständigen Landesaufsichtsbehörden melden. An der traurigen Spitze steht laut "ausgestrahlt" das Atomkraftwerk (AKW) Brokdorf in Schleswig-Holstein mit zehn Meldungen - es folgen das AKW Grohnde (Niedersachsen) und das AKW Brunsbüttel (ebenfalls Schleswig-Holstein) mit jeweils acht Meldungen. Das Kernkraftwerk Emsland (Niedersachsen) musste in sechs Fällen die Behörden informieren.

"Häufige Ursache: menschliches Versagen"

Bei "meldepflichtigen Ereignissen" handelt es sich laut Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit um Unfälle, Störfälle oder sonstige für die Sicherheit bedeutsame Ereignisse. "Häufige Ursache ist menschliches Versagen. Immer wieder sind Notkühlsysteme betroffen, die bei einem schweren Störfall die Kernschmelze verhindern sollen", hieß es in einer Mitteilung der Atomkraftgegner.

"Je älter die Anlagen, desto anfälliger die Technik"

Auch altersbedingte Mängel seien oft Ursache für Störfälle. Teilweise würden Reparaturen oder Ursachenklärung erst Monate später stattfinden, um den betroffenen Reaktor nicht herunterfahren zu müssen. "Nur weil der Ausstieg für 2022 beschlossen ist, bedeutet dies nicht, dass Atomkraftwerke weniger gefährlich werden. Ganz im Gegenteil: je älter die Anlagen werden, um so anfälliger wird die Technik", so Jochen Stay, Sprecher von "ausgestrahlt".

Weitere Informationen

Der Streit über die Atomkraft

Störfälle, Pannen, Demonstrationen - im Norden sorgt die Nutzung der Kernenergie seit mehr als 30 Jahren für Schlagzeilen. NDR.de informiert über eine umstrittene Technologie. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.12.2018 | 18:00 Uhr