Stand: 28.06.2019 13:04 Uhr

Schweriner Domkantorei

von Karin Erichsen

Die Schweriner Domkantorei ist mit rund 100 Sängerinnen und Sängern einer der größten Chöre in Norddeutschland. Und das hohe musikalische Niveau des Chores lockt nicht nur Christen beider Konfessionen an, sondern auch viele Menschen, die ansonsten nicht religiös sind. Dessen ungeachtet müssen alle Chormitglieder regelmäßig am Sonntagmorgen im Dom erscheinen, denn das Singen im Gottesdienst hält Chorleiter Jan Ernst für die "vornehmste Aufgabe" seines Kirchenchores - und kein Mitglied kann sich davor dauerhaft "drücken".

Die Schweriner Domkantorei macht ihre Chorproben in der Aula der Schelfschule. Hier ist die Volkshochschule Schwerin beheimatet. Die Aula ist außerdem auch eine der Spielstätten der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.

An allen hohen Feiertagen schallt es vielstimmig von der Orgelempore im Schweriner Dom, aber auch an gewöhnlichen Sonntagen geben Sänger der Kantorei den Gottesdiensten oft einen festlichen musikalischen Rahmen.

Das Repertoire des Chores ist groß. Die Notenblätter werden erst kurz vor dem Gottesdienst ausgegeben und nur einmal angesungen, erzählt Chorsänger Konrad Stender: "Wir können das eigentlich ganz gut. Ich bin erstaunt, wie viele in unserem Chor doch tatsächlich Blattsänger sind. Also ich will es nicht übertreiben, aber ich bin doch sehr froh, dass das so läuft bei uns."

Das Singen im Gottesdienst ist die "vornehmste Aufgabe"

Der Tenor ist bei fast jedem Auftritt dabei: "Also ich singe auch sehr gerne im Gottesdienst. Und das auch schon sehr lange und je länger, desto lieber. Aber die tollen Oratorien, Kantaten, Messen und so stehen natürlich auch ganz oben."

Und das ist die zweite Säule des großen Chores, der im Advent beim Weihnachts-Oratorium auf bis zu 130 Mitglieder anwachsen kann. Während der Sommerzeit proben immerhin noch rund achtzig Laiensänger jeden Dienstagabend Händels Oratorium "Saul".

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Kirchenmusikdirektor Jan Ernst ist mit seinem Chor und den Erwartungen, die er an ihn richten kann, nach 25 Jahren gut vertraut.

"Es ist ein relativ buntes, gemischtes Publikum. Natürlich mehr Frauen als Männer, natürlich mehr mittleren Alters als ganz junge - so wie Schwerin eben auch strukturiert ist", sagt Kirchenmusikdirektor Jan Ernst, der die Schweriner Domkantorei seit mehr als 25 Jahren leitet.

"Es sind Leute, die wirklich mit sehr vielen musikalischen Talenten kommen, es sind Leute dabei, die einfach gern einmal in der Woche singen", erzählt der Kirchenmusikdirektor. "Das tolle beim Chorgesang, finde ich, ist, dass die Masse wirklich so viel mehr ist als das, was der Einzelne kann. So als große Gruppe schaffen wir es, ganz große Stücke der musikalischen Literatur zu singen. Und auch ich würde nie eine Arie von Bach singen können, aber gemeinsam können wir das Weihnachts-Oratorium aufführen oder die Matthäus-Passion."

Große chorsinfonische Werke im Schweriner Dom

Jan Ernst weiß, was er von seinem Chor erwarten kann, welche Werke gut ankommen: "Ich kenne den Chor inzwischen so gut, dass mir Missgriffe, dass etwas gar nicht funktioniert, meistens nicht unterlaufen. Aber es ist natürlich immer so ein Ausgleich zwischen den Klassikern, die alle immer gern singen, und dann wirklich dem Anspruch, etwas Neues kennen zu lernen."

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Jeden Sonntag gibt die Schweriner Domkantorei den Gottediensten einen feierlichen musikalischen Rahmen. Und an den hohen Feiertagen werden die großen chorsinfonischen Werke gesungen.

So hat die Kantorei in den vergangenen Jahren neben den großen chorsinfonischen Werken von Mozart, Mendelssohn, Bach oder Monteverdi auch die Tangomesse von Palmeri, das Magnifikat von Rutter oder eine Uraufführung des mecklenburgischen Komponisten Michael Baumgartl gesungen. Und viele Sänger, die einmal dabei gewesen sind, bleiben dem Chor über Jahrzehnte verbunden.

Das Konzert mit Händels Oratorium "Saul" führt die Schweriner Domkantorei am 14. September 2019 mit dem Hamburger Barockorchester und Solisten im Schweriner Dom auf.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 01.07.2019 | 10:20 Uhr

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