Volle Konzentration: Lang Lang in der Laeiszhalle

Stand: 14.11.2021 07:25 Uhr

Eigentlich sollte Lang Lang bereits vor einem Jahr in Hamburg auftreten. Corona-bedingt wurde das Konzert verschoben. Nun ist der Pianist mit den Goldberg-Variationen in der Laeiszhalle aufgetreten.

Lang Lang auf der Bühne der Laeiszhalle © Sebastian Madej/Goette Konzertveranstaltung Foto: Sebastian Madej
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von Charlotte Oelschlegel

Der chinesische Pianist Lang Lang ist mit nur 39 Jahren der Weltstar unter den Pianisten. Die Aufregung ist groß, wenn er in die Stadt kommt, um den Höhepunkt barocker Variationskunst - Bachs Goldberg-Variationen - auf die Bühne zu bringen. Wie auch nun in Hamburg - in der Laeiszhalle unter 2G-Bedingungen und mit voller Auslastung.

Wenn Lang lang kommt, dann ist der Saal ausverkauft. Das bedeutet erst mal lange Schlangen fürs Publikum. Die Vorfreude ist allerdings ungebremst. Mit 20 Minuten Verspätung hat sich das Publikum langsam im Saal eingefunden. Ungewohnt ist es, plötzlich wieder den Hals recken zu müssen, um vorbei an der Vorderfrau einen Blick auf die Bühne zu erhaschen. Auch der Geräuschpegel ist anders, wenn der große Saal der Laeiszhalle nach Monaten wieder voll besetzt ist.

Lang Langs Sound nimmt einen vollkommen ein

Lang Lang auf der Bühne der Laeiszhalle © Sebastian Madej/Goette Konzertveranstaltung Foto: Sebastian Madej
Standing Ovations vor und nach dem Konzert für Lang Lang

Die Bühne ist in goldenes, atmosphärisches Licht getaucht und dann kommt Lang Lang. Standing Ovations in den ersten Reihen, schon bevor ein Ton gespielt wurde. Die ersten Takte sind jedoch nicht die der angekündigten Goldberg-Variationen. Aus unerklärlichen Gründen spielt Lang Lang zum "eingrooven" erst die Arabeske op. 18 von Robert Schumann. Fokussiert beginnt der Pianist die Wanderung auf den Achttausender der Barockmusik. 90 Minuten volle Konzentration liegen vor ihm.

Es ist gut, dass dieses Programm nicht im großen Saal der Elbphilharmonie gespielt wird. Lang Lang hat sich explizit einen traditionsreichen Raum gewünscht, einen der mehr Nähe zulässt. Die Laeiszhalle ist für den chinesischen Pianisten Lang Lang ein emotional behafteter Ort, erzählt er: "Ich habe mein deutsches Orchester-Debüt mit dem NDR Sinfonieorchester unter Christoph Eschenbach hier erlebt, damals 2001 oder 2002." An diesem Abend bespielt er die Bühne allein und trotzdem kommt aus dem Flügel ein Sound, der einen vollkommen einnimmt. Wenn man sich Bachs Goldberg-Variationen wie eine lange Perlenkette vorstellt, die übrigens im Publikum um einige Hälse hängt, dann platziert Lang Lang jede Note, jede einzelne Perle an genau der richtigen Stelle. Nichts ist dem Zufall überlassen.

Schlichte Passagen von betörender Schönheit

Kontrastreichreich ist Lang Langs Spiel. Gerade die andächtigen Passagen, die schlichten, sind von betörender Schönheit. Ein Piano, dass extrem leise ist und trotzdem in jeden Winkel des Saals vordringt. Manchmal etwas viel Pathos. Die Triller sind beeindruckend, aber auch oft theatralisch. Die lauten Phrasen kommen dagegen hämmernd daher. Bewusst dramaturgisch geschickt eingesetzt, platziert der Pianist diese Ausbrüche. Sie scheinen auch ihn kurzfristig aus seiner versunkenen Stimmung zu reißen.

Das Experiment ist geglückt. Nach 90 Minuten springt das Publikum auf, natürlich gibt es Standing Ovations und die Zugabe - Beethovens "Für Elise" - ruft auch Begeisterung hervor.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 13.11.2021 | 07:20 Uhr

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