Stand: 23.09.2019 10:03 Uhr

Hamburger Symphoniker: Mit Ravel ins Glück

von Daniel Kaiser

Mit einem umjubelten Konzert sind die Symphoniker Hamburg in die neue Saison in der Laeiszhalle gestartet. Der Auftakt begann für besonders Musikhungrige schon am Nachmittag mit der neuen Reihe "Pro-Log". Am Abend standen dann drei Werke von Maurice Ravel auf dem Programm, unter anderem das selten gespielte Klavierkonzert für die linke Hand.

Der Chefdirigent der Hamburger Symphoniker vor seinem Orchester

Hamburger Symphoniker starten Saison mit Ravel

Hamburg Journal -

Mit Musik des französischen Komponisten Maurice Ravel haben die Hamburger Symphoniker und Chefdirigent Sylvain Cambreling die neue Spielzeit eingeläutet - und das Publikum begeistert.

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Wie macht er das? Virtuos, kraftvoll, leidenschaftlich - Roger Muraro am Klavier spielt den komplexen, schwierigen Ravel mit links. Buchstäblich. Alles mit nur einer Hand. Konzentriert blickt er auf die Tasten, bewegt den Mund, als würde er zum Instrument sprechen oder eine geheime Melodie mitsingen. Seine rechte Hand liegt währenddessen ruhig auf dem Klavierhocker. Der Pianist Paul Wittgenstein hatte im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verloren und Komponisten beauftragt, ihm Klavierstücke für die linke Hand zu schreiben und begründet so ein sehr spezielles Genre. Muraro - mit zwei gesunden Händen - brilliert mit diesem selten gespielten, fast schon artistischen Werk und begeistert das Publikum in der Laeiszhalle.

Vitaminspritze für Hamburg

Die Hamburger Symphoniker bei ihrem Eröffnungskonzert 2019.  Foto: Claudia Höhne

Mit Ravel ins Glück

NDR 90,3 - Kulturjournal -

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Wunderschöner Gesang ohne Worte, erklingt bei der in Gänze eher selten gespielten Ballettmusik "Daphnis et Chloé" - als würden Sonnenstrahlen dunkle Wolken durchbrechen. Nur mit "Ah" und "Oh" schwelgt die junge "Europa Chor Akademie" aus Görlitz in den weichen Ravel-Klängen und meistert dabei auch schwierige chromatische Passagen. Dirigent Sylvain Cambreling, Orchester und Chor lassen manch magische Momente entstehen. Ein wunderschönes Bild ist es, wenn der Dirigent die Hand mit dem Taktstock ekstatisch in die Höhe reißt, sekundenlang dasteht wie die Freiheitsstatue und warme Geigenklänge ihn umrauschen. Die Ravel-Walzer der Symphoniker im ersten Teil des Abends haben noch ein bisschen gewackelt. Lässt man sie als Aufwärmphase gelten, erlebt man danach einen mitreißenden Saisonauftakt. Dieser Ravel-Abend macht so richtig glücklich. Das Publikum klatscht, stampft und jubelt den Musikern zu. Man spürt: Sylvain Cambreling ist für Hamburg eine echte Vitaminspritze.

Anatomie eines Klangs

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Auch Sylvain Cambrelings Vortrag zur Anatomie des Klangs kommt beim Publikum gut an.

Der Konzertmarathon hatte schon am Nachmittag begonnen. Draußen scheint die Sonne und trotzdem kommen 300 Menschen in die dunkle Laeiszhalle, um sich in der neuen Reihe "Pro-Log" von Sylvain Cambreling die Obertonreihe und ein Stück seines alten Freundes Gérard Grisey von 1975 aus der sogenannten Spektralmusik erklären zu lassen. "Wir hätten nicht mit so vielen Besuchern gerechnet", räumt Symphoniker-Intendant Daniel Kühnel ein. Tatsächlich klingt eine Einführung in die Anatomie des Klanges, die erläutert, dass jeder Ton aus vielen einzelnen Tönen besteht, erst mal nicht vergnügungssteuerpflichtig. Doch Cambreling doziert nicht, er schüttet vielmehr sein Herz aus und läuft für Klangbeispiele zwischen Orchester und Klavier hin und her. Und das alles mit diesem unwiderstehlichen, charmanten französischen Akzent. Man möchte sofort mit einem Taxi nach Paris und sich dort mit Rotwein, Baguette und jeder Spektralmusik, der man habhaft werden kann, eindecken. Der Effekt ist enorm. Nach der Einführung lauscht das Publikum dem Stück besonders konzentriert und jubelt am Ende begeistert einer Musik zu, die wirklich nicht oft bei den Symphonikern zu hören ist.

Lust auf mehr

Mit dem hinreißenden Ravel-Abend und dem geglückten "Pro-Log" - Experiment ist klar, dass sich die Laeiszhalle mit diesem Orchester und diesem Dirigenten keine Sekunde hinter der Elbphilharmonie verstecken muss. Dieser Saisonstart hat Lust gemacht auf mehr Laeiszhalle und mehr Symphoniker.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 23.09.2019 | 19:00 Uhr

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