Kent Nagano im Profil © picture alliance/dpa | Axel Heimken

Kraft durch Töne: Kent Nagano über seine Beziehung zur Musik

Stand: 18.05.2021 16:34 Uhr

Das Internationale Musikfest Hamburg präsentiert zur Zeit mehrere Konzerte des Philharmonischen Staatsorchesters. Sein Leiter Kent Nagano spricht über die Bedeutung von Musik.

von Benedikt Scheper

Ob Beethovens Fünfte zur Eröffnung des digitalen Musikfests oder Brahms dritte Sinfonie am Mittwochabend - für Kent Nagano sind die Meisterwerke der Klassik nichts Neues. Und doch wohnt seiner Meinung nach jeder neuen Interpretation ein Zauber inne.

Auch wenn die intensive Verbindung zwischen Publikum und Orchester momentan fehle, könne ein Video-Stream viel von der Hingabe der Musiker und der Intensität der Harmonien transportieren: "Wir als Musiker fühlen durch die Kameralinse, dass es ein Publikum gibt. Wir haben diese Spannung, wir sind nervös, wir fühlen die Energie etwas anders, als wenn wir in einem vollen Haus mit Publikum spielen. Trotzdem ist es durch die Technologie des 21. Jahrhunderts eine Art von Kommunikation."

VIDEO: 7 Fragen an ... Kent Nagano (5 Min)

Selbsterkenntnisgewinn und geistige Erholung durch Musik

Gerade in Zeiten der Pandemie könnten, so der US-Amerikaner, Menschen Kraft aus der Musik schöpfen. Ob live in einem Konzertsaal oder zu Hause vor einem Bildschirm: "Das wird niemals ein Substitut für eine Live-Performance sein. Aber es hat einen Wert, indem wir die moderne Technik verwenden, um unsere Musik dem Publikum zu präsentieren."

Musik als eine Art Lebenselexir. Für den Hamburgischen Generalmusikdirektor Kent Nagano bieten Lieder, Sonaten, Sinfonien, ob klassich oder modern, und auch Pop-Musik immensen Selbsterkenntnisgewinn, aber auch Möglichkeiten der geistigen Erholung: "Wir reisen mit Musik unser ganzes Leben in verschiedenen Formen: in der Kirche, bei formellen Zeremonien oder als Unterhaltungsmusik. Und wir teilen Musik mit einem Freund in den schönsten Momenten, wie an einem Geburtstag oder bei einem Totenmarsch. Musik ist auch in Momenten dabei, in denen Wörter nicht ausreichen."

Uraufführung von Toshio Hosokawa im Livestream

Für den Chefdirigenten des Philharmonischen Staatsorchesters hat Musik immer dann einen besonderen Reiz, wenn sie ganz neu ist und er sie erstmals interpretieren darf. Während Kent Nagano zur Musikfest-Eröffnung eine Komposition des Schweizers William Blank uraufführte, spielt der Kalifornier mit japanischen Wurzeln am 19. Mai erstmals ein Konzert für Violine und Orchester von Toshio Hosokawa.

"Eine Uraufführung ist wie eine Geburt, sie ist immer ein Erlebnis. Ich glaube, das ist ein großes Privileg. Wir fühlen, dass das ein besonderer Moment ist und für den Komponisten ist es ein Moment, in dem er am Ende seine Idee in der Realität sehen und hören kann." Nach der Oper "Stilles Meer" ist das Werk des heutigen Abends "Genesis" bereits die zweite Uraufführung einer Arbeit des Japaners Hosokawa in Hamburg. Für Kent Nagano eine neue musikalische Herausforderung und Freude zugleich.

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