Die Opernsängerin Maria Malibran (1808 - 1836) in einem Gemälde von Luigi Pedrazzi © imago/ Leemage Foto: Luigi Pedrazzi

Komponistin-O-Mat hilft bei Suche nach Komponistinnen

Stand: 23.06.2021 17:55 Uhr

Ein Online-Magazin für klassische Musik gibt Hilfestellung beim Auffinden von klassischen Komponistinnen. Komponistin-O-Mat heißt das Tool. Entwickelt hat es der Pianist und Dramaturg Arno Lücker.

von Andrea Schwyzer

Arno Lücker im Porträt © Henrik Jordan
Der Pianist Arno Lücker hat Komponistin-O-Mat entwickelt.

Frauen, die Musik schreiben wollten, waren in den vergangenen Jahrhunderten nicht gern gesehen, sagt Arno Lücker. Im Klartext: Ihre Kreativität wurde unterdrückt, sie wurden verspottet, oft blieben sie unverheiratet, weil sie ja "Karriere" machen wollten, und gingen ins Kloster - wo sie immerhin ihrer Leidenschaft nachgehen konnten: dem Komponieren. "Hinter Klostermauern haben Frauen nämlich ganz besonders modern komponiert und haben sich mit Kardinälen angelegt, haben für die Kirchenmusik gestritten und haben wirklich 'Trouble' gemacht."

Gesehen wurden diese Frauen kaum. Doch es gab sie und Arno Lücker hat die Spuren, die sie in der Geschichte hinterlassen haben, zusammengetragen. Zum einen seien wir das den Frauen schuldig, findet der Pianist, zum anderen will er mit der "Sichtbarmachung" auch in die Gegenwart hineinwirken: "Es gibt auch immer noch viele ernsthafte Musiker, die hinter vorgehaltener Hand sagen, Frauen können nicht komponieren - da hört es bei mir halt total auf. Deshalb auch diese Zahl: 250. Damit man einfach auch diesen Machos mal, als Mann, ich jetzt, etwas entgegen halte und sagen kann: Schau dir mal Folge 46 an, oder 152."

Komponistin-O-Mat stellt Fragen zum individuellen Charakter

Die Komponistin Imogen Holst steht mit einigen anderen Menschen vor einem Haus und lächelt. © picture alliance / Mary Evans Picture Library
Auch die englische Komponistin Imogen Holst (1907-1984) ist bei Komponistin-O-Mat zu entdecken.

250 Komponistinnen hat Arno Lücker also ausfindig gemacht. Er liebt große Projekte. Was ambitioniert klingt, war gar nicht so schwierig, erzählt der 42-Jährige. Er hat sich erst einmal an einer bereits existierenden Wikipedia-Liste orientiert, dann Fakten zusammengetragen und aus dieser umfangreichen Excel-Tabelle den Komponistin-O-Mat entwickelt. Und so steht am Ende nach einigen beantworteten Frage ein Name, zum Beispiel Miriam Gideon.

Miriam Gideon ist also eine von 250 Komponistinnen. Nur, wie funktioniert dieser Komponistin-O-Mat? Wie kommt man zu diesem Ergebnis? Arno Lücker erklärt: "Also die Fragen habe ich so generiert, dass sie auf Fakten basieren. Zum Beispiel gibt es die Kategorie 'modern'. Also: Hat eine Komponistin modern komponiert, war sie auf dem Stand ihrer Zeit oder hat sie eher epigonal rückschauend komponiert."

Neben neuer Musik auch spannende Frauen entdecken

Um herauszufinden, ob eher moderne oder traditionelle Musik ausgespuckt werden soll, hilft zum Beispiel diese Behauptung weiter: "Ereignisse, menschliche Begegnungen, Beziehungen sind manchmal rätselhaft. Und darauf lasse ich mich eigentlich immer gerne ein. Ich mag Rätsel und Rätselhaftigkeit." "Darauf kann man dann mit Ja oder Nein reagieren", sagt Lücker. "Und wenn man nein sagt, dass man Rätsel und Rätselhaftigkeit nicht mag, dann kommt man eher auf eine Komponistin, die etwas zugänglichere Musik geschrieben hat, die beschaulichere Kammermusik komponiert hat."

So lässt sich mit dem Komponistin-O-Mat Musik entdecken - vor allem aber spannende Frauen: Musikerinnen, die gegen Widerstände und Widrigkeiten gekämpft haben, um ihre Klangwelt nach außen zu tragen.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in die Nacht | 24.06.2021 | 06:20 Uhr

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