CD-Cover: Renaud Capuçon & Simon Rattle - Elgar: Violinkonzert/Violinsonate © Erato

CD der Woche: Renaud Capuçon spielt Edward Elgar

Stand: 19.03.2021 18:08 Uhr

Ein Traum sei in Erfüllung gegangen für ihn, sagte der französische Geiger Renaud Capuçon über seine Aufnahme des opulenten Violinkonzerts von Edward Elgar mit dem London Symphony Orchestra und Simon Rattle. Capuçon verbindet dieses Violinkonzert mit der kurz darauf entstandenen Violinsonate von Elgar.

CD-Cover: Renaud Capuçon & Simon Rattle - Elgar: Violinkonzert/Violinsonate © Erato
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von Raliza Nikolov

Kann es sein, dass ein Orchester seinen Klang bewahrt, auch über 100 Jahre später sich noch etwas vermittelt von dem einmal gefundenen Ton? Renaud Capuçon stimmt dem eindeutig zu, wenn er erzählt, dass er niemals den eigenen ersten Durchlauf vergessen wird. Er habe empfunden, dass das London Symphony Orchestra die Uraufführung gespielt hat, 1910, mit Fritz Kreisler als Solisten und Edward Elgar am Pult. Schon in der Einleitung zum ersten Satz wird deutlich, was Capuçon meint, und es ist wundervoll zu spüren, wie der französische Geiger diese innige wie verhangene, von tiefer Melancholie wie Wärme geprägte Klangsprache aufnimmt.

Unaffektierte Interpretation

Wenn man das erste Tutti hört, kann man gar nicht anders, als auf den Ton des Orchesters zu reagieren, sagt Renaud Capuçon - und diese intime Interaktion prägt das ganze Album. Fritz Kreisler hat Elgar um das Violinkonzert gebeten, er schätzte ihn außerordentlich, "seine Erfindungsgabe, seine Orchestrierung, seine Harmonik" - alles sei "reine, unaffektierte Musik". Die Dimension des Violinkonzerts und die krasse Schwierigkeit des Violin-Parts könnten leicht dazu verleiten, affektiert zu spielen, zu übertreiben. Das tun Renaud Capuçon und das London Symphony Orchestra mit Simon Rattle aber nicht, und das macht diese Interpretation so wertvoll.

600 Prozent Energie

Die Aufnahme ist unter Corona-Bedingungen entstanden: die Orchestermitglieder in Entfernung zueinander, im Kreis angeordnet um den Dirigenten herum, mit Masken spielend. Davon ist aber nichts zu spüren, im Gegenteil, was Renaud Capuçon berichtet, dass alle mit 600 Prozent Energie aufgetreten sind, weil sie so glücklich waren, spielen zu können, vermittelt sich unmittelbar.

"Ein Werk von Adel und Zartheit"

Keineswegs nur als Zugabe steht die Violinsonate e-Moll an der Seite des Violinkonzerts. Und auch dies ist nicht zu bemerken: Dass Renaud Capuçon und Stephen Hough noch gar nicht lange gemeinsam im Duo agieren. Hier finden wir uns auf einmal im intimen Salon wieder, Capuçon nennt die Sonate "ein Werk von Adel und Zartheit". Edel und sensibel ist auch das Zwiegespräch dieser beiden großen Künstler.

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Diverse CD-Cover © NDR Online Foto: Christiane Irrgang

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Elgar: Violinkonzert/Violinsonate

Label:
Erato

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 21.03.2021 | 15:20 Uhr

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