Stand: 06.02.2019 18:44 Uhr

Otzenbunker dicht: Bands fehlen Proberäume

von Antonia Reiff
Der Otzenbunker auf St. Pauli: Schon die bekannten Hamburger Bands Tocotronic und Blumfeld haben hier geprobt.

Musikstadt Hamburg - das sind nicht nur die Elbphilharmonie und die Staatsoper. Richtig gute Hamburger Musik entsteht schon seit Jahrzehnten in den Proberäumen dieser Stadt, bei den Bands. Das sind Orte wie der Musikbunker in der Otzenstraße auf St. Pauli. Rund 120 Bands haben hier regelmäßig geprobt. Ende 2018 wurde der Bunker geschlossen und die Bands mussten ihre Proberäume verlassen. Auch die Musikerin Katrin Hesse.

"Ganz viele Bands haben kein Dach mehr über dem Kopf", sagt Katrin Hesse. "Wir haben kurz nachdem wir erfuhren, dass wir raus müssen, ein tolles Konzertangebot bekommen. Ich konnte erst mal nicht zusagen, sondern musste sagen: 'Wir würden es gerne machen, aber wir müssen proben und haben keinen Proberaum'."

Beschwerden aus der Nachbarschaft wegen Lärms

13 Jahre lang hat Hesse im Otzenbunker mit ihrer Punkrock-Band Clara Bow geprobt. Bis Ende November - da hing plötzlich ein Zettel an der Tür des Bunkers, durch den die Musikerinnen und Musiker erfahren haben, dass sie zum Ende des Jahres den Bunker räumen müssen. Der Grund sind Lärmbeschwerden aus der Nachbarschaft und eine schlechte Belüftung des Bunkers. Seitdem stehen zahlreiche Hambuger Bands mit ihren Instrumenten auf der Straße. "Man kann es sich eigentlich ohne den Bunker gar nicht vorstellen", sagt Hesse. "Die Situation zerrt an den Nerven. Vor allem diese Ungewissheit, nicht zu wissen, wann wir wieder einen Proberaum haben. Dort, wo wir jetzt bis zum Konzert proben, dort müssen wir wieder raus."

Neuer Proberaum ist verschimmelt

Bis März hat Clara Bow für das kommende Konzert über Freunde einen Proberaum bekommen. Dort sind aber die Wände verschimmelt und nach zwei Stunden Probe müssen die Musikerinnen mit Kopfschmerzen gehen. "Die Zukunftsperspektive ist gerade sehr düster", meint Hesse. "Wahrscheinlich wird es die Band dann erst mal eine Zeit lang nicht mehr geben. Also zumindest nicht mehr aktiv. Das was wir jetzt für das Konzert machen, können wir auf Dauer unserer Gesundheit nicht antun. Der Raum ist einfach zu verschimmelt. Dann lieber die Luft im Bunker, die ist deutlich besser."

Die 40 Räume des Otzenbunkes müssen saniert werden

So wie Clara Bow geht es momentan rund 120 Hamburger Bands, die bisher im Otzenbunker geprobt haben. Einige kommen provisorisch bei Freunden in Proberäumen unter, andere müssen mit dem Musizieren erst mal aufhören. Fest steht: Bis die 40 Räume im Otzenbunker wieder für Bandproben genutzt werden können, muss saniert werden. Wer das finanziert, ist noch unklar. Für den Eigentümer stehen die unerwartet hohen Kosten nicht im Verhältnis zum Nutzen des Musikbunkers. Die Kulturbehörde sitzt mit am runden Tisch und sucht nach einer Lösung für den Mangel an Band-Proberäumen in Hamburg, erzählt Sprecher Enno Isermann: "Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich leider nur sagen, dass wir im Gespräch sind und einmal durchrechnen, was gemacht werden muss und was es kosten würde. Vor allem müssen wir dann einen Weg finden, der auch dauerhaft Probenräume für die Stadt sichert."

Wie die Musikerinnen und Musiker möchte auch die Kulturbehörde, dass St. Pauli nicht immer stiller wird und appelliert an die Anwohner: "Denen muss klar sein: Wenn ich auf St. Pauli wohne, dann muss ich auch damit rechnen, dass es mal ein bisschen lauter werden kann. Und wir alle müssen miteinander auch ein bisschen mehr Toleranz zeigen."

Schon Tocotronic und Blumfeld probten im Bunker

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Auch Tocotronic kennt den Otzenbunker. Die Band hat dort geprobt.

Im Otzenbunker wird seit vielen Jahren Musik gemacht und bisher konnten sich Anwohner und Musiker immer noch arrangieren. Dort wurde Musikgeschichte geschrieben: Schon die Rockbands Tocotronic und Blumfeld haben dort geprobt. Damit Hamburg auch weiterhin musikalische Talente hervorbringt, braucht es Orte wie den Otzenbunker, findet Hesse. "Jeder der Musik liebt, sollte sich für den Otzenbunker einsetzen", sagt sie. "Sonst können wir nur noch Musik aus anderen Städten und anderen Ländern importieren. Wenn es hier keine Orte mehr gibt, an denen man kreativ sein, neue Songs schreiben und ausprobieren kann, dann sieht es um die Musikstadt Hamburg schlecht aus."

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 06.02.2019 | 19:35 Uhr

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