Solo-Geiger Niklas Liepe © NDR

Niklas Liepe: Quarantäne für die Prinzessin in Thailand

Stand: 23.12.2020 15:19 Uhr

Der Hamburger Geiger Niklas Liepe sitzt über Weihnachten in Bangkok in freiwilliger Quarantäne. Der Grund: Anfang des Jahres wird er ein Konzert für die thailändische Prinzessin spielen.

von Daniel Kaiser

"Eine verrückte Geschichte", sagt Niklas Liepe in seinem Hotelzimmer in Bangkok und lacht. Eigentlich sei das Konzert mit dem Royal Bangkok Symphony Orchestra schon seit einem Jahr geplant gewesen, erklärt der Hamburger Musiker. Es sollte zum Geburtstag der Prinzessin Sirivannavari Anfang Januar stattfinden. "Eigentlich wollte ich am 3. Januar hin- und nach dem Konzert wieder zurückfliegen. Doch dann kam Corona."

Der Dirigent habe ihn gefragt, ob er sich vorstellen könne, Weihnachten und Silvester in einem Hotel in Quarantäne zu verbringen, um das Konzert trotzdem zu spielen. "Und da habe ich mir gedacht: Warum nicht? Es war so ein verrücktes Jahr. Dann kann ich auch noch das machen. Dieses Jahr als Musiker war schrecklich", sagt Liepe. "Um auftreten zu können, mache ich momentan einiges mit und freue mich riesig drauf. In Europa wird es wohl noch länger dauern, bis Konzerte wieder stattfinden können."

Soldaten-Eskorte zur Sicherheit

Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm. Thailand sei von dem Corona-Virus vergleichsweise wenig betroffen. Um einreisen zu können, habe er einen Riesen-Aufwand betreiben müssen: "Man brauchte eine offizielle Einladung, einen negativen Corona-Test und ein Zertifikat, das ich auch fliegen darf", berichtet Liepe. Und er erzählt von einer engmaschigen Betreuung nach der Landung in Bangkok. "Alle Passagiere wurden auf Stühle gesetzt und kontrolliert. Dann kam ein Soldat und hat mich nach draußen eskortiert, wo mich vier Menschen in einem Desinfektionsanzug erwarteten und zu einem Auto brachten, das mich dann ins Hotel fuhr." Dort hätten wieder zwei Menschen in Schutzanzügen gewartet, die bei ihm Fieber gemessen und ihn in sein Zimmer gebracht hätten.

"Der Corona-Test war mein Highlight!"

Die Zimmertür bleibt geschlossen. Liepe ist den ganzen Tag allein. Eine Wohltat und ein richtiges Event sei dagegen der Corona-Test gewesen, den er hätte machen müssen. "Da habe ich dann zum ersten mal wieder Menschen gesehen." Essen bekommt Liepe dreimal am Tag vor die Tür gestellt. "Viel zu viel - aber lecker", lacht der Geiger. "Ich versuche, im Zimmer Sport zu machen, so dass ich das Essen auch genießen kann."

Struktur auch in der Isolation

Er strukturiert seinen Tag ganz bewusst, um gut durch die Isolation zu kommen: "Um 8 Uhr stehe ich auf, frühstücke, mache Sport und dann übe ich. Das ist das, was mich durch den Tag trägt. Bislang ist mir noch nicht langweilig, weil ich wahnsinnig viel zu üben habe." Allein Weihnachten im Hotelzimmer zu verbringen, macht Liepe keine Angst. "Hier sind ja gerade 30 Grad. Da stellt sich auch nicht unbedingt ein Weihnachtsfeeling ein. Ich habe bislang noch nicht das Gefühl, dass ich Weihnachten verpasse."

Mit der Familie will er aber schon am Heiligenabend sprechen. "Das Problem ist der Zeitunterschied. Wenn sie beim Weihnachtsessen sind, ist es bei mir vier Uhr morgens."

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 22.12.2020 | 19:00 Uhr

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