Stand: 21.01.2020 06:00 Uhr

Akustik-Anlage ermöglicht optimalen Sound in Konzertsälen

von Joachim Hagen
Die Hamburger Hochschule für Musik und Theater © Hochschule für Musik und Theater
Die Hochschule für Musik und Theater hat ein Sound-System vorgestellt, mit dem der Klang in Räumen und Sälen angepasst werden kann.

Seit dem Bau der Elbphilharmonie in Hamburg ist klar, wie wichtig die Akustik für einen Konzertsaal ist. Lange wurde darüber gestritten, wie ein solcher Saal klingen soll. Im Zusammenhang mit dieser Diskussion wurde deutlich, dass die Akustik in vielen kleineren Konzerthäuser und Mehrsparten-Theatern in Deutschland nicht den heutigen Ansprüchen genügt. In Hamburg wurde in der Hochschule für Musik und Theater jetzt ein Sound-System vorgestellt, mit dem solche Probleme gelöst werden können.

Mikrofone und Lautsprecher sorgen für passenden Klang

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Sänger stehen auf der Bühne © NDR Foto: Screenshot
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Beispiel hohes Kirchenschiff

Klang wie in einer Kathedrale: Der Fachgruppenchor Kirchenmusik singt unter der Leitung von Prof. Annedore Hacker-Jakobi Melchior Francks "Du bist aller Dinge schön". 1 Min

Die Sänger stehen in zwei Reihen mitten auf der Bühne. Über ihnen Scheinwerfer und Kabel, hinter ihnen die Videowand. Und trotzdem klingt die Motette von Melchior Franck, als würde sie in einem hohen Kirchenschiff erklingen. Ein Beispiel für das, was die neue Akustik-Anlage der Hochschule für Musik und Theater alles kann. "Das Ganze funktioniert durch eine Kombination von Mikrofonen und Lautsprechern", erklärt der Akustiker Dominik Schenke von Graner+Partner, der den Einbau der neuen Akustik-Anlage des Herstellers Meyer Sound geleitet hat. "Die Mikrofone nehmen das Klanggeschehen auf der Bühne und im Saal auf. Dann durchläuft das Ganze ein Processing und das wird dann über Lautsprecher wiedergegeben. So kann man Reflektionen und Nachhall, was normalerweise der Raum selber erzeugen würde, über das System erzeugen und beeinflussen." Insgesamt sind knapp 50 Mikrofone und 140 Lautsprecher überall auf der Bühne und im Zuschauerraum verteilt.

Akustik kann auf Knopfdruck verändert werden

Sinn und Zweck sei es, die Akustik eines Raumes auf Knopfdruck verändern zu können und so für unterschiedliche Veranstaltungen die passende Akustik herzustellen: von einer trockenen Akustik für Sprache bei Lesungen bis hin zu einem großvolumigen Klang für Orchesterkonzerte, so Schenke weiter.

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Sänger stehen auf der Bühne © NDR Foto: Screenshot
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Beispiel holzgetäfelter Konzertsaal

Hubert Rutkowski und Stepan Simonian, beide Professoren an der Hochschule für Theater und Musik in Hamburg, spielen Claude Debussy: "Prélude à l'après-midi d'un faune". 1 Min

Wie schnell das geht, können die Zuschauer beim anschließenden Auftritt eines Klavierduos erleben. Eben saßen sie noch in einer Kathedrale, jetzt klingen die beiden Konzertflügel, als würden sie auf der Bühne eines holzgetäfelten Konzertsaales stehen.

Zusätzliche Effekte möglich

Georg Hajdu hatte die Idee, die neue Akustikanlage einzubauen. Er ist Professor für Computer-Musik und Multimedia an der Hochschule und hat auch das notwendige Geld aus einem Fördertopf des Bundes eingeworben. Ihm war es ein Herzensanliegen, die Akustik im Theater der Hochschule zu verbessern. "Die Akustik war hier unausgeglichen", sagt er. "Die Decken und Seitenwände wurden gedämmt, sodass wir einen gradlinigen akustischen Nachhall hatten. Dadurch wurde der Grundzustand des Raums verbessert. Mit dem neuen Akustik-System lassen sich zusätzliche Effekte implementieren."

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Sänger stehen auf der Bühne © NDR Foto: Screenshot
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Beispiel raumfüllender Nachhall

Die neue Akustik-Anlage in Hamburg: Studierende des 3. Studienjahres Schauspiel präsentieren "Am Anfang war Rhythmus", eine Text-Collage aus Jandls "tohuwabohu" und Schwitters’ "Kunst". 1 Min

Mit diesen zusätzlichen Effekten meint Hajdu die Möglichkeit, Töne, die im Computer bearbeitet wurden, durch den Raum schweben zu lassen. Dazu tanzen Farb-Blasen auf der neuen Video-Leinwand.    

Vorlage für andere?

Hajdu hofft, dass die neue Akustik-Anlage auch ein Vorbild sein wird für andere Hochschulen und Mehrsparten-Theater, die die Akustik ihrer Bühnen verbessern wollen, aber nicht das Geld für größere Umbauten haben. Das Publikum war nach der Vorstellung auf jeden Fall fasziniert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 21.01.2020 | 06:55 Uhr

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