HSV-Investor und -Mäzen Klaus-Michael Kühne © picture-alliance/dpa Foto: Christian Charisius

Hamburg: Kühne will neues Opernhaus - Senat reagiert verhalten

Stand: 01.06.2022 14:53 Uhr

Der Unternehmer Klaus-Michael Kühne will offenbar ein neues Opernhaus in Hamburg bauen lassen, das berichtet das Magazin "Spiegel". Der Hamburger Senat bestätigt Gespräche über die Idee, zeigt sich aber wenig aufgeschlossen.

Die neue Oper solle nicht in der Innenstadt entstehen, sondern in der Hafencity, sagte Kühne dem "Spiegel". Gemeinsam mit dem österreichischen Investor René Benko arbeite er derzeit ein Finanzierungskonzept aus - etwa 300 bis 400 Millionen Euro soll der Neubau nach ihrer Kalkulation kosten.

Kultursenator und Bürgermeister zurückhaltend

Der Hamburger Opernintendant Georges Delnon räumte am Sonntag am Rande der Premiere der Oper "Don Pasquale" auf Nachfrage des NDR ein, dass ein neuer spektakulärer Bau durchaus auch eine Chance für die Kunstform Oper sein könnte und man den Vorschlag in Ruhe anschauen müsse. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda zeigte sich dagegen eher zurückhaltend. "Wir haben hier eine wunderschöne Oper am Gänsemarkt. Dieses Haus steht unter Denkmalschutz, und es wird hier stehen bleiben und bespielt werden", sagte Brosda.

Wenn Klaus-Michael Kühne der Stadt eine Oper schenken wolle wie der Reeder Maersk es in Kopenhagen getan hat, sei das dann allerdings ein Angebot, worüber man reden könne. "Dass die Stadt aber die Oper über Mietkaufmodelle neu finanzieren könnte, ist eine Fehlwahrnehmung, Das weiß Herr Kühne auch, ich habe es ihm mehrfach gesagt. Darüber müssen wir nicht reden." Entsprechende Gespräche habe es bereits vor einem halben Jahr gegeben. Laut Brosda hatte sich der Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper Kent Nagano an Klaus-Michael Kühne gewandt, mit der Vision, ein neues Musik- und Kulturzentrum zu errichten.

Am Sonnabend hatte Senatssprecher Marcel Schweitzer bereits gesagt, dass der Erste Bürgermeister und der Kultursenator die Idee von Herrn Kühne bereits bekannt sei und klar zum Ausdruck gebracht hätten, dass ein Mietkaufmodell im Rahmen einer Kooperation mit dem österreichischen Investor René Benko für den Senat nicht in Frage komme.

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Wie steht es um die Akustik der Hamburgischen Staatsoper?

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Die derzeitige Staatsoper wurde 1955 mit einer Aufführung von Mozarts "Zauberflöte" eröffnet.

Klaus-Michael Kühne kritisierte im "Spiegel" die derzeitige Staatsoper. Dem Haus fehle die Strahlkraft, Hamburg habe Besseres verdient, sagte Kühne. Der Bau sei asbestverseucht, die Akustik mangelhaft, das Niveau Durchschnitt. Das alte Haus könne abgerissen werden, um dort ein modernes Immobilienprojekt zu entwickeln.

Im Senat sieht man das anders. "Das bisherige Gebäude der Staatsoper ist nicht nur traditionsreich, sondern für Musiktheater nach wie vor hoch attraktiv", sagte Sprecher Schweitzer.

"Die Akustik ist gut", meint auch NDR Kultur Opernexpertin Elisabeth Richter. Anders als die Elbphilharmonie sei sie auf Sängerinnen und Sänger ausgerichtet. Von denen selbst habe sie noch nie gehört, dass sie die Akustik nicht gut finden würden oder die Balance zum Orchester nicht stimme. "Die derzeitige Leitung lädt viele Gesangsstars ein, die bei Premieren singen, aber auch in Repertoirevorstellungen. Wenn die Akustik so miserabel wäre, würden diese Stars sicher nicht immer wieder kommen."

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Vorläufer der Hamburgischen Staatsoper bereits 1678 gegründet

Selbst im Falle einer Schenkung werde das derzeitige Gebäude laut dem Senat, aber in jedem Fall weiter erhalten bleiben. Das Gebäude stehe unter Denkmalschutz und repräsentiere die lange Hamburger Operngeschichte am Dammtor.

Die erste Oper in der Nähe des Dammtors wurde bereits 1678 am Gänsemarkt gegründet. Damals das erste privatwirtschaftlich geführte Opernhaus Deutschlands. Georg Friedrich Händel arbeitete dort 1703 als Geiger und Cembalist, 1705 wird hier seine erste Oper "Almira" uraufgeführt. Georg Philipp Telemann komponiert als Hamburger Stadtmusikdirektor ab 1721 zahlreiche Opern für das Haus.

Die Oper wurde im Laufe ihrer Geschichte mehrmals neu errichtet und umbenannt, blieb aber immer in der Nähe vom Gänsemarkt. Die derzeitige Spielstätte ist seit 1955 in Betrieb.

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Investor René Benko am Bau des Elbtowers beteiligt

Der von Kühne ins Spiel gebrachte Investor René Benko ist in Hamburg kein Unbekannter. Die Firma des österreichischen Investors steht hinter dem Bau des Elbtowers, der bis 2025 in der Hafencity entstehen soll. Und mit 245 Metern dann das höchste Gebäude Hamburgs sein wird. Außerdem gehört Benkos Gesellschaft der Kaufhauskonzern Galeria Karstadt-Kaufhof.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 28.05.2022 | 12:00 Uhr

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