Stand: 07.01.2020 13:55 Uhr

Erstes Treffen der Musiknetzwerk-Frauen

von Miriam Stolzenwald

Im November 2019 ist die Plattform "musicNDSwomen" online gegangen. Das Netzwerk für Frauen in der Musikbranche wächst seitdem täglich und immer mehr Frauen erstellen sich ein Profil. Zusätzlich zum Online-Netzwerk werden nach und nach Angebote aufgebaut, die Frauen im Musikbusiness auch im "echten Leben" zusammenbringen sollen. Eines davon ist der Netzwerk-Stammtisch, der in Niedersachsen nun zum ersten Mal stattgefunden hat.

Claudia Schwarz im Café Kopi in Hannover. © Miriam Stolzenwald
Claudia Schwarz im Café Kopi in Hannover.

Etwa 25 Frauen sitzen gespannt im Café Kopi in Hannover. Sie tauschen neugierige Blicke aus und murmeln aufgeregt. Vorfreude liegt in der Luft. Die meisten sind jung, Studentinnen, Berufsanfängerinnen. Sie alle sind in der Musikbranche aktiv oder haben damit zu tun. Gebannt lauschen sie Claudia Schwarz, die zum Auftakt von ihrem beruflichen Werdegang erzählt. Sie arbeitet in der Music-Tech-Branche, die für Musiktechnologie und Digitalisierung zuständig ist.

Frauen sind dort schlecht vertreten. Deshalb ist es Claudia Schwarz ein wichtiges Anliegen, andere Frauen auf ihrem Berufsweg in der Musikbranche zu ermutigen: "Sichtbar werden, sich sichtbar machen, sich verbünden, Netzwerke schaffen, auch Vorschläge machen. Kolleginnen rechts uns links mitziehen, dass dort der Erfolg immer ein Gemeinschaftserfolg ist. Und dann aber auch die Nicht-Frauen mitziehen. Ich glaube, das ist ganz wichtig, diese Netzwerke so divers wie möglich aufzustellen."

Treffen im geschützten Rahmen

Der "Club of Heroines" (Club der Heldinnen), wie der Stammtisch heißt, findet in geschütztem Rahmen statt. Nur Frauen dürfen am Anfang dabei sein, Aufnahmen sind nicht gestattet. Nach dem Vortrag von Claudia Schwarz diskutieren die Frauen: Wie kann man sich besser vernetzten? Warum lieber keine Quoten? Warum ist es so wichtig, dass Frauen in bestimmten Berufen nachrücken?

Claudia Schwarz hat darauf klare Antworten und nennt ein Beispiel aus dem Bereich der digitalen Musiktechnik: "Programmieren ist sozusagen wie jede andere Sprache auch. Sie hat eine ganz eigene Handschrift und in dem Moment, wenn jemand nicht gegenderte Sprache im Alltag verwendet, wird das sozusagen übertragen. Wir duplizieren den Zustand, der eben nicht gleichberechtigt, nicht ausgeglichen ist."

Positive Bilanz mit Lust aufs Machen

Die Initiatorinnen des "Club of Heroines" in Hannover:  Hülya Häseler vom Kulturbüro Hannover,
Theresa Charif vom MusikZentrum Hannover, Alice Moser vom Unesco City of Music Hannover,
Tinatin Tsereteli, Souljazzpop-Sängerin aus Hannover und Jasmine Klewinghaus vom Musikland Niedersachsen © Miriam Stolzenwald
Die Initiatorinnen des "Club of Heroines" in Hannover: Hülya Häseler vom Kulturbüro, Theresa Charif vom MusikZentrum, Alice Moser vom Unesco City of Music, Tinatin Tsereteli, Souljazzpop-Sängerin und Jasmine Klewinghaus vom Musikland Niedersachsen

Um das Netzwerk dauerhaft zu erweitern, soll der Stammtisch ab jetzt an jedem 6. eines Monats niedersachsenweit stattfinden. Aber nicht nur Stammtische, sondern auch Workshops sollen das Netzwerk stärken. Theresa Charif arbeitet im MusikZentrum Hannover und organisiert das Programm mit. Details stehen noch nicht fest, aber die Ideen: "Unter anderem soll es ein Live-Format geben. Dort wollen wir Musikerinnen, Künstlerinnen, aber auch Technikerinnen auf die Bühne bringen. Zudem soll es aber auch noch Jam-Sessions geben, die angeleitet werden."

Jasmine Klewinghaus vom Musikland Niedersachsen, die den Abend mit organisiert hat, zieht eine positive Bilanz vom ersten Treffen: "Man merkt, dass die Frauen Lust haben, zusammen ins Machen zu kommen. Und das ist unfassbar schön zu merken, da ist ein Bedarf da, der Bedarf wird jetzt gestillt und die Frauen können es kaum erwarten zum nächsten Netzwerktreffen zu kommen."

Weitere Informationen
Auftaktveranstaltung zum Netwerk MusikNDSwomen in Hannover: Andrea Rothaug (von links nach rechts), die Initiatorin, Claudia Schwarz, Mitbegründerin, Gesa Schönermark von der Stiftung Niedersachsen, Christoffer Horlitz vom Fuchsbau Festival,Friederike Ankele, Projektleiterin der Musikland Niedersachsen gGmbH. © NDR Foto: Miriam Stolzenwald

Musikbranche will Gendergap überwinden

Sich vernetzen und Vorbilder schaffen, das ist wichtig für Berufe in denen Frauen immer noch unterrepräsentiert sind - so auch in der Musikbranche. Ein neues Netzwerk soll dabei helfen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 07.01.2020 | 16:20 Uhr

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