Menschen tanzen in einem Club mit Stroboskoplicht © Sophia Kembowski/dpa-Bildfunk Foto: Sophia Kembowski

Digitale Ideen für das Nachtleben der Zukunft

Stand: 30.05.2021 13:16 Uhr

Nach dem Corona-Lockdown soll das kulturelle Leben wieder Fahrt aufnehmen. In Schleswig-Holstein etwa sind von Montag an wieder Konzerte, Theater- und Kinovorstellungen erlaubt - allerdings mit begrenzter Besucherzahl. Clubbetreiber und Konzertveranstalter suchen daher nach Alternativen zum Live-Event.

von Susanne Tappe

Sommer, Sonne, Festivals: Angesichts sinkender Corona-Zahlen träumen gerade viele von einem Sommer mit Musik und Tanz unter freiem Himmel. Und auch viele Bundesländer planen Konzerte draußen mit wenigen hundert Gästen wieder zu erlauben. Können Clubbetreiber und Konzertveranstalter also aufatmen?

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Ganz so einfach sei das nicht, sagt Thore Debor. Er vertritt als Geschäftsführer des Hamburger Clubkombinats die Interessen von 110 Clubs und Konzertstätten in Hamburg. Die Verlegung von Veranstaltungen nach draußen sei für viele schlicht nicht machbar, sagt er: "Man muss dabei ganz klar erst mal sagen, nur sehr, sehr wenige Clubs verfügen überhaupt über Outdoor-Fläche. Eine Club-Öffnung sieht erst mal anders aus. Die Clubtüren bleiben erst mal weiterhin zu. Solche Biergarten-ähnlichen Veranstaltungsformate wird es auch in Hamburg geben. Aber vom Clubwesen wie wir es kennen sind wir in Hamburg noch sehr, sehr weit entfernt."

Kehrt das Clubwesen, wie wir es kennen, zurück?

Viele Menschen eng gedrängt auf einer Tanzfläche, in einem kleinen Raum, wo der Schweiß von der Decke tropft und der Atem an den Fensterscheiben kondensiert - ob dieses Clubwesen überhaupt zurückkehrt oder ob die Infektionsangst auch bei ehemaligen Partygängern zu tief sitzt, darüber wird auch in der Musikbranche viel diskutiert. Klar ist, mit wenigen hundert Besuchern - egal ob drinnen oder draußen - lässt sich langfristig nicht genug Geld verdienen. Alternativen müssen her - oder zumindest Ergänzungen.

Thore Debor, Geschäftsführer Clubkombinat Hamburg e.V © Peter Eichelmann Foto: Peter Eichelmann
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Bereits gut erprobt wurde in der Corona-Krise das Online-Streamen von Konzerten. Karsten Schölermann, Chef des Hamburger Livemusik-Clubs Knust, hat mittlerweile mehr als 60 solcher Konzerte veranstaltet, auf Spendenbasis. Und er ist vom Erfolg begeistert: "Anfangs haben wir es mit Paywall-Zugängen zu den Streams probiert. Das war eine zu hohe Schwelle. Dann haben wir auf kostenlose Streams umgestellt, aber offensiv gesagt: 'Hey Leute, kauft ein Solidarticket und gebt der Band mal 'ne Runde aus.'" Auf diese Weise kamen im Schnitt um die 800 Euro pro Konzert zusammen, in Krisenzeiten besser als nichts. Aber ein Zukunftsmodell?

Thore Debor ist skeptisch, dass Musikfans nach der Krise noch Lust haben werden, Konzerte am Computerbildschirm zu verfolgen. Live-Konzerte seien durch nichts zu ersetzen. "Ich glaube, wir haben in der Pandemie ein Phänomen größerer Art gesehen, was sich dann aber wieder abschwächen wird."

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Mit Cross Reality das "Live"-Gefühl simulieren

Doch was "live" ist oder sich zumindest wie "live" anfühlt, könnte in Zukunft in der sogenannten Cross Reality verschwimmen. Daran arbeitet Anke von der Heide an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Auch hier wird eine Veranstaltung in der realen Welt abgefilmt, doch sie wird so in die virtuelle Welt übertragen, dass die Nutzer - ausgestattet mit 3D-Brillen - das Gefühl haben, live dabei zu sein. Anke von der Heide versucht das Konzept anhand einer Theaterperformance zu erklären: "Der Schauspieler wurde als Avatar in die virtuelle Welt transportiert, seine ganzen Bewegungen wurden abgetastet von dem realen Schauspieler in die virtuelle Welt, eins zu eins. Die Zuschauer standen in Hamburg auf der Probebühne des Thalia-Theaters und haben auf dieser virtuellen Bühne den Schauspieler betrachtet, konnten sogar um ihn herum gehen. Also, es wird fast noch realer und mehr zum Anfassen als das Reale."

Sind virtuelle Clubbesuche die Zukunft?

Vorstellbar sei das nicht nur für Theateraufführungen und Konzerte, sondern auch als virtueller Clubbesuch, sagt von der Heide. Natürlich sei die Technik nicht ganz unaufwendig. Wie teuer es werde, hänge aber vom Anspruch der Kunden ab. Sie glaubt, dass Veranstalter in Zukunft in der virtuellen Realität ein gutes Zusatzgeschäft machen können - zusätzlich zum Live-Event mit begrenzter Teilnehmerzahl.

Mehr zu diesem Thema hören Sie im Podcast "Alles ist anders - Wirtschaft in Zeiten von Corona", zu finden auch in der ARD-Audiothek.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 28.05.2021 | 07:55 Uhr

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