Stand: 12.05.2020 10:46 Uhr

Die Clubs und Corona: Mit neuen Ideen durch die Krise

Einiges lockert sich - aber Konzerte in Clubs? Das wird noch eine Weile dauern, bis die wieder stattfinden können. Und gerade kleine Clubs sind wenig widerstandsfähig gegen einen Schock wie die Corona-Krise. Dabei erfahren die Clubs jetzt ganz besonders, wie wichtig sie den Menschen in ihrer Region sind. Susanne Birkner begleitet einen Club aus Hannover durch die Krise und berichtet, wie das Béi Chéz Heinz versucht, die Corona-Auszeit zu überstehen.

Im Bei Chez Heinz wird renoviert. © privat
Im Béi Chéz Heinz wird die Krise für Renovierungsarbeiten genutzt.

Ein Konzert im Béi Chéz Heinz. Ein voller Raum, das Publikum dicht an dicht. Das ist gerade mal ein paar Monate her - und doch eine Erinnerung aus gefühlt sehr fernen Tagen. Beim ersten Gespräch im März, kurz nachdem alle Clubs schließen mussten, war die Stimmung im Béi Chéz Heinz gut. Innerhalb weniger Tage hatte der Club 600 Soli-Tickets für je elf Euro verkauft, die für spätere Konzerte eingelöst werden können. Damit hatte der Club aus Hannover, der sich komplett selbst finanziert, seine Fixkosten für einen Monat wieder drin.

Renovieren statt Konzerte veranstalten

März und April sind traditionell starke Monate - beziehungsweise wären es gewesen. Rund 100.000 Euro weniger Umsatz werde man haben, schätzte Geschäftsführer Jürgen Grambeck damals. Die vier Mitarbeiter, zum Teil in Kurzarbeit, versuchten von Anfang an, das Beste aus der Situation zu machen. Und auch ohne Bands war es im März laut - denn es wurden Fliesen herausgeflext. "Wir haben gesagt, wir nutzen diese Krise und bringen den Laden mal wieder auf Vordermann. Alles anschauen, gründlich renovieren, reparieren", erzählt Grambeck. "Kostet natürlich auch Geld, aber wir halten es für sinnvoll, dass man diese Zeit nutzt."

Mit kreativen Ideen durch die Corona-Krise

Jetzt ist Mai, der Club schon einige Wochen geschlossen. Wie geht das Team damit um? "Dem Béi Chéz Heinz geht es eigentlich ganz gut", erzählt Jürgen Grambeck. "Wir sind ganz kreativ dabei, uns Sachen einfallen zu lassen, wie wir über die Runden kommen - und renovieren fleißig weiter. Jetzt sind wir schon dabei zu lackieren. Wir haben die Theke abgeschliffen und die wird jetzt neu lackiert."

Mit den Soli-Tickets haben sie mittlerweile 11.000 Euro eingenommen. Man merkt in der Krise, wie wichtig Konzertbetriebe für die Menschen in ihrer Region sind. Freunde und Fans spenden auch gerade Dinge für eine Art Club-Flohmarkt. Mit Vinylplatten, Vintage-Möbeln und Haushaltsgegenständen. "Das bauen wir jetzt gerade erst auf. Wir gucken halt immer, wie ist unsere finanzielle Situation", erzählt der Geschäftsführer. "Und wenn wir die Getränke abverkauft haben, kommen wir bis Ende August über die Runden, ohne dass wir Schulden machen müssen."

Vom Club zum Getränke-Lieferanten

Bei-Chez-Heinz-Geschäftsführer Jürgen Grambeck liefert Getränke aus. © privat
Der Verkauf von nicht benötigten Getränken soll dabei helfen, die Krise zu überwinden.

Denn seit einiger Zeit liefert das Béi Chéz Heinz auch Bier aus. "Wir haben nämlich kurz vor der Schließung durch die Corona-Krise noch eine große Getränkelieferung bekommen und haben noch 420 Getränkekisten bei uns im Vorrat", erzählt Grambeck, wie es dazu kam. "Und da wir davon ausgehen, dass es alles noch länger gehen wird, haben wir beschlossen, die erst mal zu verkaufen."

Wann werden die Clubs wieder aufmachen?

Geschäftsführer Grambeck glaubt nicht, dass es in diesem Jahr noch einen normalen Konzertbetrieb geben wird. "Das Béi Chéz Heinz ist schon komplett ausgebucht im zweiten Halbjahr. Und wir sind dabei, ein zweites Mal umzubuchen, da viele - genau wie wir - davon ausgehen, dass es dieses Jahr nichts mehr wird." Zahlreiche Konzerte seien bereits auf 2021 gebucht, einige Konzerte seien derzeit noch doppelt im System. "Dann sind sie in 2020 drin, aber gleichzeitig buchen wir auch schon einen vorsorglichen Termin in 2021."

Und wenn es doch schon eher losgehen kann? Dafür setzt der Club auf seine Kontakte zur regionalen Musikszene. "Wir haben jetzt schon einige Bands aus dem Raum Hannover und Umgebung, die sofort bereitstehen würden für Konzerte, falls es eher oder falls es überhaupt losgehen sollte", sagt Grambeck. "Da haben wir zehn, zwölf Bands, die wir sofort aktivieren können."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 08.05.2020 | 15:20 Uhr

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