Wegweiser mit der Aufschrift Bücher auf einem Holzstapel. © IMAGO Foto: Daniel Schäfer

Welttag des Buches 2022: Buchtipps aus der Redaktion

Stand: 24.04.2022 19:08 Uhr

Zum Welttag des Buches hat unser Literaturteam Lesetipps und Buchempfehlungen. Herausgesucht haben sie Neuerscheinungen und neue Bücher der Saison, die einfach begeistern!

Manchmal ist es gar nicht so einfach, im Meer der neuen Bücher das Passende zu finden. Darum durchforsten die Literatur-Redakteurinnen und -Redakteure des NDR die Neuerscheinungen. Hier haben wir kurz und knapp ein paar "Must Reads" der Saison.

"Die Woche" von Heike Geißler

Tipp von Alexander Solloch: Millionen Gründe gibt es, Bücher zu lieben. Ich will immer besonders innig die in den Arm nehmen, die es schaffen, Bilder und Worte zu finden für Gedanken und Gefühle, die in mir selbst brodeln, die ich aber nie so gut benennen könnte. Identifikationsbücher also. Das Identifikationsbuch des Jahres, wahrscheinlich des Jahrzehnts: "Die Woche" von Heike Geißler. Ein hinreißend komponierter Roman über das permanente Überforderungsgefühl der um die 40-Jährigen, die morgens um halb sieben ihre Kinder aus dem Bett scheuchen, sie zur Schule hetzen und sich immer erst hinterher fragen: Was soll der Blödsinn? Ist das Leben nicht etwas bunter, als der ganze Pflichterfüllungsquatsch suggeriert? Heike Geißler schreibt so schöne, traurige, lustige, müde, aufrüttelnde Sätze, dass man denkt: "Aber genau! Ab morgen anders. Oder... oder übermorgen."

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Cover des Buchs "Die Woche" von Heike Geißler © Suhrkamp Verlag

Roman "Die Woche": Privatnotstände und globale Katastrophen

Unsere Rezensentin hält Heike Geißlers Buch für das vielleicht beste, das wir im Augenblick lesen können. mehr

"Eine Frage der Chemie" von Bonnie Garmus

Tipp von Maren Ahring: Mögen Sie üppig ausgestattete Fernsehserien, die in den 1960er-Jahren spielen? Sagen wir wie "Das Damengambit" oder "Mad Men" - dann sollten Sie sich den Roman "Eine Frage der Chemie" von Bonnie Garmus nicht entgehen lassen. Hauptfigur ist Elizabeth Zott, die als Chemikerin an einer Uni Karriere machen möchte. Doch daraus wird nichts. Durch Zufall wird sie dann als Moderatorin einer Fernseh-Kochshow entdeckt. Im Laborkittel mit einem Bleistift im Haar erklärt sie amerikanischen Hausfrauen, was Kochen und Chemie gemeinsam haben - und verhilft ihnen ganz nebenbei zu mehr Selbstvertrauen. Unangepasst, klug und wortgewandt - ich habe Elizabeth Zott gleich nach den ersten Seiten ins Herz geschlossen. Ein beachtliches Debüt von Bonnie Garmus, das gerade weltweit gefeiert wird. Es ist mein Lieblingsbuch der Saison. "Eine Frage der Chemie" können Sie ab Montag (25.4.) auch hören: Bei NDR Kultur in "Am Morgen vorgelesen" , jeden Morgen um 8:30 Uhr und sieben Tage zum Nachhören im Netz.

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Buchcover: Bonnie Garmus - Eine Frage der Chemie © Piper Verlag

"Eine Frage der Chemie": Rührender Roman über eine starke Frau

Der Roman handelt von einer furchtlosen Frau, die ohne Rücksicht auf eigene Blessuren für die Rechte der Frauen gekämpft hat. mehr

Bonnie Garmus © Serena Bolton / Piper Verlag Foto: Serena Bolton

Luise Helm liest "Eine Frage der Chemie" von Bonnie Garmus

Bonnie Garmus hat einen warmherzigen unterhaltsamen Roman über eine Chemikerin in den 1960er-Jahren geschrieben. mehr

"Ein Haus für viele Sommer" von Axel Hacke

Tipp von Jürgen Deppe: Das Buch dieses Frühjahrs ist für mich "Ein Haus für viele Sommer" von Axel Hacke, denn es ist auch ein Buch für viele Sommer. Vordergründig erzählt Hacke nur Geschichten rund um sein Ferienhaus auf Elba, einen alten Wehrturm. Aber da er dort seit vielen Jahren seine Sommer verbringt, ist das Buch nicht nur sehr sommerlich, sondern auch sehr tiefschürfend, was die Beobachtung des fremden Landes, seiner Sitten, seiner Gebräuche angeht, was Beschreibungen von Alltags-, aber eben auch Ausnahmesituationen betrifft, die Begegnung mit anderen Menschen. Das ist alles so warmherzig, so gedankenstark, aber eben auch selbstironisch und todkomisch erzählt, dass Axel Hackes "Haus für viele Sommer" mein Lieblingsbuch der Saison ist.

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Cover von "Ein Haus für viele Sommer" von Axel Hacke © Kunstmann Verlag

Axel Hacke: Ein Bestsellerautor auf Elba

Autor Axel Hacke ist längst Kult. Nun ist sein neues Buch erschienen: "Ein Haus für viele Sommer". mehr

"Der Papierpalast" von Miranda Cowley Heller

Tipp von Katharina Mahrenholtz: Mein Buch der Saison bis jetzt ist "Der Papierpalast" von Miranda Cowley Heller. Das Buch spielt an einem Tag in Cape Cod, wo die Familie der Protagonistin Elle ein Sommerhaus hat. Elle ist 50 Jahre alt, mit Peter verheiratet. Die beiden haben drei Kinder. Soweit so "happy family". Aber in Elles Leben gibt es auch Jonas, Jugendfreund und Jugendliebe. Und am Abend dieses Sommertages wird sich Elle entscheiden, für Jonas oder für Peter. Und man erfährt dabei in Rückblenden, was Jonas und Elle für eine Geschichte habe. Das ist keine leichte Geschichte, da sind schlimme Dinge passiert, aber trotzdem transportiert der Roman eine ganz großartige Sommerstimmung. Man hört die Mücken summen, man hört die Ameisen krabbeln. Das Buch ist spannend und oft sogar lustig. Was will man mehr. Ein Tipp fürs Frühjahr!

Logo vom Podcast "eat.READ.sleep" © NDR/istockphoto.com Foto: Natee Meepian
AUDIO: (58) Labskaus mit David Lagercrantz (61 Min)
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Buchcover: Miranda Cowley Heller - Der Papierpalast © Ullstein Verlag

"Der Papierpalast": Debüt der "Sopranos"-Autorin ist Bestseller

Das Romandebüt der Serien-Autorin Miranda Cowley Heller erzählt in Rückblenden die Geschichte einer dysfunktionalen Familie. mehr

"Das mangelnde Licht" von Nino Haratischwili

Tipp von Jan Ehlert: Der beste Roman dieses Frühjahrs ist für mich eindeutig "Das mangelnde Licht" von Nino Haratischwili. Ein Buch, von dem man lange etwas hat - denn es hat nicht nur 833 Seiten, ist also sehr dick, sondern man wird diese vier Freundinnen, von denen Haratischwili erzählt, nicht so schnell vergessen: Sie sind Teenager, leben in Tiflis, in Georgien, haben die Sorgen und Träume, die Mädchen ihres Alters haben - doch dann bricht der Bürgerkrieg über das Land hinein. Ein hoch aktuelles Buch, denn es zeigt, was Krieg mit Menschen macht: Einige werden zu Bestien, andere zu ungewollten Heldinnen, alle aber leiden. Und erst im Rückblick, den Haratischwili kunstvoll komponiert, ist Verzeihen und Verstehen möglich. Eine ganz große Empfehlung!

Logo vom Podcast "eat.READ.sleep" © NDR/istockphoto.com Foto: Natee Meepian
AUDIO: (55) Gogli-Mogli mit Nino Haratischwili (66 Min)
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Cover des Buches "Das mangelnde Licht" von Nino Haratischwili © Frankfurter Verlagsanstalt

"Das mangelnde Licht": Furioser Roman von Nino Haratischwili

Nino Haratischwili erzählt von vier Freundinnen in Tiflis zur Zeit der Auflösung der Sowjetunion. Man möchte keine der rund 830 Seiten missen. mehr

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Ein Bücherstapel liegt auf einem Holztisch vor einer farbigen Wand. © IMAGO / Shotshop

Neue Bücher 2022: Die spannendsten Neuerscheinungen

Viele aufregende Bücher erscheinen dieses Jahr. Etwa von Heinz Strunk, Yasmina Reza, Ralf Rothmann und Isabel Allende. mehr

Wegweiser mit der Aufschrift Bücher auf einem Holzstapel. © IMAGO Foto: Daniel Schäfer

Welttag des Buches 2022: Buchtipps aus der Redaktion

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Wegweiser mit der Aufschrift Bücher auf einem Holzstapel. © IMAGO Foto: Daniel Schäfer

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 23.04.2022 | 14:40 Uhr

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