Stand: 29.11.2017 08:06 Uhr

Rushdie erinnert an den Querdenker Grass

von Katrin Bohlmann
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Der 70-jährige indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie erinnert in Lübeck an seinen Freund Günter Grass.

Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass wäre im Oktober 90 Jahre alt geworden. Ihm zu Ehren ist der 70-jährige indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie am Dienstag in der Lübecker Musik- und Kongresshalle (MuK) gewesen. Neben einem Besuch im Günter-Grass-Haus und der Vorstellung seines neues Buches "Golden House" erinnerte sich Rushdie vor allem in einem Gespräch an seinen Freund und Mentor Grass.

Es war ein privater Abstecher nach Lübeck. Denn eigentlich ist Salman Rushdie gerade auf Lesetour und war in Polen unterwegs. Aber es war ihm eine Herzensangelegenheit, endlich Grass' Stadt Lübeck zu besuchen. Die Stadt, die seinem Freund mit dem Günter-Grass-Haus ein Denkmal gesetzt hat. Rushdie erinnert an ihn: "Natürlich ist es traurig, hier zu sein. Jetzt, wo er von uns gegangen ist. Aber ich bin wirklich glücklich, diese wunderbare Ausstellung seiner Kunst zu sehen. Ich war immer sehr beeindruckt, wie talentiert Grass war. Nicht viele von uns haben diese Mehrfachbegabung. Ich jedenfalls nicht."

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Anfangs hatten sie ein Lehrer-Schüler-Verhältnis, erzählt der 70-Jährige. Rushdie, rund 20 Jahre jünger als Grass, bewunderte den deutschen Schriftsteller. Erst später entstand daraus eine innige Freundschaft. Der Schnaps habe sie einander nähergebracht, sagt Rushdie. Und zwar im schleswig-holsteinischen Wewelsfleth, wo Grass wohnte: "Ja, das war so. Grass war zuerst schon ein wenig reserviert. Nach dem Motto: Er war der berühmte große Mann - ich der kleine Neue. Er hatte einen Schrank mit vielen verschiedenen alten Schnapsgläsern. Ich sollte mir eines aussuchen. Also nahm ich eines - er nahm eines ... Dann holte er eine Flasche Schnaps raus und so wurden wir Freunde", sagt Rushdie.

Die beiden haben viele Gemeinsamkeiten: Beide sind Querdenker, Provokateure, kämpfen für die Freiheit und Menschenrechte. Erst durch Grass sei Rushdie zum Schreiben angespornt worden, sagt Jörg-Philipp Thomsa, Leiter des Günter-Grass-Hauses.

Erinnerungen an den 70. Geburtstag in Hamburg

Als Rushdie 1989 wegen seines Buches "Die satanischen Verse" vom iranischen Staatschef Khomeini mittels einer Fatwa zum Tode verurteilt wurde, half ihm Grass. Rushdie ist dem Menschen Grass nahegekommen. So erzählt er launig vom leidenschaftlichen Tänzer Grass zu seinem 70. Geburtstag im Thalia Theater in Hamburg: "Als der offizielle Teil zu Ende war, wurde aus der Bühne eine Tanzfläche. Es lief Musik und ich entdeckte, dass Grass nicht nur ein großartiger Schriftsteller und Künstler war, sondern auch ein wunderbarer Tänzer! Das war der Zeitpunkt, wo ich anfing ihn zu hassen."

Günter Grass. Der lebenslustige Pessimist. Rushdie erinnerte liebevoll an ihn. Die meisten der rund 600 Zuschauer in der Lübecker MuK waren begeistert. Am Mittwoch ist Salman Rushdie beim Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier eingeladen - zu einer Gesprächsrunde zum Thema "Die Freiheit des Denkens in unruhigen Zeiten". Mit dabei sind auch die Schriftsteller Eva Menasse und Daniel Kehlmann. Das hätte seinem Freund Günter Grass sicherlich auch gefallen.

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Dieses Thema im Programm:

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