Eine Frau mit rotem Kleid hält die Hände ans Gesicht und schreit in ein Mikrofon. © picture alliance/xim.gs/Philipp Szyza Foto: Philipp Szyza

Wie geht es der Kultur in der Corona-Krise? Eine Langzeitbeobachtung

Stand: 29.09.2021 16:34 Uhr

Seit eineinhalb Jahren begleiten wir immer dieselben Kulturschaffenden durch die Corona-Krise und fragen sie, wie sie es schaffen. Diesmal machte der Open Air-Sommer ein wenig Hoffnung.

von Susanne Birkner

"Es hat sich sehr gut angefühlt. Wieder den direkten Kontakt mit dem Publikum zu haben. Ich hab so angefangen zu erzählen: 'Mensch, ich hab euch vermisst', und in dem Moment traten mir tatsächlich die Tränen in die Augen, weil ich gemerkt hab, wie doll ich das vermisst habe", sagt Sarajane. Die freiberufliche Hamburger Sängerin hat sechs Konzerte gespielt - vor echten Menschen. Also wieder ein bisschen Normalität - auch finanziell?

Veranstalter warten derzeit erst mal ab

"Nee, der Unterschied ist riesig", sagt sie. "Ich spiele zwar ein paar Konzerte, aber das Geld verdienen hat eigentlich noch nicht wieder angefangen. Ich bin nicht wieder zurück im Berufsleben, so wie es 2019 war, als alles noch coronafrei war. Da war der Sommer die Hochsaison und die löste sich dann wieder ab durch die Weihnachtssaison, die dann auch wieder die Höchstsaison war." In diesem Jahr ist Sarajanes Kalender jetzt ab Oktober wieder ziemlich leer. Denn die Veranstalterinnen und Veranstalter würden erstmal abwarten, ob die Corona-Zahlen nach den Herbstferien nicht wieder steigen könnten.

"Verträge werden nicht unterschrieben. Es gibt zwar Anfragen, aber man will sich nicht festlegen. Und das finde ich ganz, ganz schade", meint Sarajane. "Nach außen hin wirkt es so: Es gab den Hamburger Kultursommer, es gibt wieder Musik. Es geht doch wieder was. Aber das ist natürlich alles unterstützt gewesen vom Neustart Kultur."

Club Béi Chéz Heinz: Open-Air-Sommer als Highlight

Bei-Chez-Heinz-Geschäftsführer Jürgen Grambeck liefert Getränke aus. © privat
Bier-Abverkauf zur Rettung des Béi-Chéz-Heinz.

Unterstützung hatte auch der Club Béi Chéz Heinz, der mit sechs verschiedenen Häusern einen Open Air-Sommer veranstalten konnte. Die Stadt Hannover hatte das Gelände und 50.000 Euro zur Verfügung gestellt, erzählt Geschäftsführer Jürgen Grambeck: "Dort haben wir an 45 Tagen fast 50 Veranstaltungen durchgeführt. Das war natürlich schon ein Highlight - dass man endlich mal wieder richtige Veranstaltungen durchführen kann, die auch ein bisschen mehr Besucher*innen angezogen haben als das, was bisher bei uns im Hof möglich war."

Auslöser für das Open Air waren die Auszubildenden der sechs Clubs. Gemeinsam mit der Stadt Hannover bilden die Häuser 55 Veranstaltungskaufleute und Veranstaltungstechnikerinnen und -techniker aus. Die jetzt endlich mal das machen konnten, wofür sie sich begeistern. "Wir haben ja Auszubildende dabei, die haben noch nicht einmal eine praktische Veranstaltung durchführen können", sagt Jürgen Grambeck.

"Das gesamte nächste Jahr wird noch holperig sein"

Aber trotzdem: Auch für das Béi Chéz Heinz ist das alles ein Betrieb auf Sparflamme. "Zumal wir Partys und Ähnliches noch gar nicht anvisieren", so Jürgen Grambeck. "Wir wollen erst mal mit Konzerten starten und uns dann an unser altes Pensum wieder heranarbeiten. Ich glaube, dass das gesamte nächste Jahr noch holprig sein wird." Finanziell ist der Club aus Hannover bis Ende des Jahres erst einmal abgesichert.

Einheitliche Regelung für Konzerte würde vieles erleichtern

Sowohl Jürgen Grambeck als auch Sängerin Sarajane wünschen sich eins: eine einheitliche Regelung für Konzerte. "Ich glaube, das würde sehr viel für alle Beteiligten erleichtern. Wenn wir uns einfach an eine Sache halten, dann wissen alle Bescheid. Man müsste nicht gucken, wie ist es hier, wie ist es da. Ich glaube, da würde diese Zögerlichkeit, die wir gerade noch in uns tragen, etwas weniger werden", sagt Jürgen Grambeck.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 30.09.2021 | 06:55 Uhr