Sendedatum: 13.06.2018 07:40 Uhr

Trompeter Ludwig Güttler wird 75

von Claus Fischer

Er ist einer der bekanntesten Musiker Deutschlands, der Trompeter Ludwig Güttler. Das galt zunächst vor allem für die DDR, dann aber auch den Westen. Das liegt daran, dass er auch schon vor 1989 intensiv in der Bundesrepublik präsent war, auf der Bühne, im Radio und auf Schallplatte. Heute feiert Ludwig Güttler seinen 75. Geburtstag. NDR Kultur hat ihn getroffen.

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Ludwig Güttler wurde 1943 in Sosa im Erzgebirge geboren. Schon bald dem Studium war der Trompeter in der ganzen DDR bekannt.

Ein individueller Ton mit hohem Wiedererkennungswert, das zeichnet das Trompetenspiel von Ludwig Güttler aus. Darauf, sagt er augenzwinkernd, habe er es allerdings nie angelegt: "Ich spiele einfach so, wie ich es für richtig halte und wie es mir eingegeben ist, aber nicht in Abgrenzung zu anderen!"

Schon wenige Jahre nach Ende des Studiums war Ludwig Güttler in der ganzen DDR bekannt, mehr und mehr wurde er zu einem Aushängeschild des Arbeiter- und Bauernstaates. Dennoch ließ er sich nur bedingt vereinnahmen, hatte seinen eigenen Kopf. Immer wieder sorgte er für Überraschungen. So übernahm er beispielsweise 1987, ohne die DDR-Kulturfunktionäre um Erlaubnis zu fragen, die Intendanz der Musikwoche im niedersächsischen Hitzacker. Güttler erinnert sich: "Da rief mich die Künstleragentur an, was ich denn für diese künstlerische Leitung bekommen würde. Da sagte ich: Ich krieg da gar nichts dafür, das ist meine Idee! Wollen wir erst einmal was zustande kommen lassen, dann wird es vielleicht was zum Abrechnen geben."

Im guten Sinne dickschädelig

Die Gängelung durch den Staat, sie störte den in gutem Sinne dickschädeligen Güttler. Mehrfach hat er daran gedacht, von einer Tournee durch die Bundesrepublik nicht zurückzukehren. Aus Heimatverbundenheit, aber auch aus Rücksicht auf die Familie - etwa den Wehrdienst seines Sohnes in der Nationalen Volksarmee - tat er das dann doch nicht.

Bereits 1985 plädierte Ludwig Güttler öffentlich für den Wiederaufbau der Frauenkirche in seiner Wahlheimatstadt Dresden, was die offiziellen Vertreter von Staat und Partei geflissentlich überhörten. Nach der Wende ergriff er mit einigen Gleichgesinnten die Initiative und sammelte durch diverse Projekte Millionen Euro Spendengelder ein. Nach 15 Jahre hatte er es geschafft. Wenn er heute in der Frauenkirche auftritt, spürt er eine gewisse Genugtuung, aber nur zum Teil. Vor allem überwiege ein anderes Gefühl, so Güttler: "Dankbarkeit. Und zwar dafür, dass der Wiederaufbau unter schlechten bis nicht vorhandenen Voraussetzungen gelungen ist."

Der Musiker als Politiker

Mit seinem Engagement für die Frauenkirche ist der Musiker auch ein Stück weit zum Politiker geworden. Das beste Mittel gegen die derzeit grassierende Politikverdrossenheit meint er, sei, sich für eine konkrete Sache zu engagieren. Allerdings spürt man heute bei ihm auch eine gewisse Nachdenklichkeit: "Es braucht mehr Zeit des Nachdenkens. Wenn man schon nicht vordenken kann, muss man wenigstens nachdenken können."

Ludwig Güttler steht auch mit 75 Jahren noch regelmäßig auf der Bühne. Außerdem leitet er drei Ensembles: ein Blechbläserensemble, das Barockorchester Virtuosi Saxoniae und das Leipziger Bach-Collegium. Etwas Ruhe vom Tourneealltag findet er zuhause in Dresden, in seinem Garten, der eher einem kleinen Park gleicht.

Ludwig Güttler hat als Künstler und als engagierter Bürger sehr viel erreicht. Gibt es da überhaupt noch etwas, das er unbedingt noch machen, noch erreichen will? "Das benenne ich jetzt nicht. Was gestern war, kann ich Ihnen sagen, was heute war, auch, aber was morgen wird, weiß ich nicht!"

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 13.06.2018 | 07:40 Uhr

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