Stand: 19.03.2021 09:27 Uhr

Theater in MV: Volkstheater Rostock öffnet noch im März

von Matthias Schümann

Das Volkstheater Rostock öffnet wieder - als erstes Haus in Mecklenburg-Vorpommern. Intendant Reichel plant gleich ab dem ersten möglichen Termin, dem 22. März, eine ganze Premierenwoche mit sechs neuen Produktionen.

Junge Leute marschieren auf der Bühne, sie üben Exerzieren und Schießen in einem paramilitärischen Erziehungslager. "Jugend ohne Gott" heißt das Stück von Ödön von Horváth, mit dem das Volkstheater Rostock nun die neue Spielzeit nach dem Lockdown beginnt. Es erzählt davon, wie eine Gesellschaft immer totalitärer wird und die Menschen ihren Glauben verlieren.

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Das Große Haus des Volkstheaters Rostock © dpa-Zentralbild Foto: Jens Büttner

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Regisseur Daniel Pfluger hat das 1937 entstandene Stück in die Gegenwart transportiert. Geplant war die Inszenierung schon vor der Corona-Pandemie, aber mit ihren vielen einsamen Menschen auf der Bühne passt die Aufführung auch in die Realität eines Lockdowns.

"Die Vereinsamung ist klar, sie ist auch eine Gefahr für die Gesellschaft", sagt Pfluger. "Da, wo wir uns isolieren, da fangen wir an, uns von den anderen Menschen abzusondern. Und dann verlieren wir unseren Kontakt, wir verlieren unsere sozialen Fähigkeiten, wir verlieren unsere Kompetenzen als Gesellschaft zu funktionieren."

Die Vorfreude ist groß

Bei den Darstellerinnen und Darstellern herrschen Freude und Erleichterung, endlich wieder vor Publikum spielen zu dürfen, so wie bei Klara Eham und Bastian Inglin: "Das Kribbeln im Bauch steigt schon", sagt Eham. "Aber man hat jetzt auch lange nicht gespielt, es ist spannend." Und Inglin ergänzt: "Ich glaube, es ist eine große Erlösung. Als die Nachricht gekommen ist, dass es sehr wahrscheinlich stattfinden wird, war ganz viel Freude in den Proben. Da weiß man wieder, wofür man das alles tut und ich glaube, wir freuen uns alle sehr drauf."

Die Proben zu "Jugend ohne Gott" sind ganz planmäßig verlaufen, die Premiere musste wegen des Lockdowns nur um zwei Tage verschoben werden, von Samstag auf Montag. Das hat nicht bei allen Stücken geklappt. Manche Produktion ist schon Wochen oder gar Monate alt. Das Ensemble hat trotz der Einschränkungen und trotz Kurzarbeit fast alle geplanten Stücke geprobt - fürs Regal, wie es im Theater heißt.

Viele neue Stücke

Ralph Reichel, Intendant des Volkstheaters Rostock © picture alliance/Bernd Wüstneck/dpa Foto: Bernd Wüstneck
Intendant Ralph Reichel und das Volkstheater Rostock sind auf verschiedene Szenarien bei der Wiederaufnahme des Spielbetriebs eingestellt.

Intendant Ralph Reichel lässt nun die Regale leeräumen und lädt zu einer Premierenwoche mit fünf weiteren Aufführungen aus allen Sparten ein: "Vom kleinen Schauspielabend in der Kleinen Komödie über eine Ballettpremiere, wo die Tanzcompagnie mit Migrantinnen und mit Video im Ateliertheater arbeitet, und am Sonntag noch eine Operettenpremiere im Großen Haus."

Nach der langen Schließung gibt es nun also ein volles Programm, und Ralph Reichel weiß auch, wie Theaterinteressierte am besten damit umgehen sollten: "Wir gehen davon aus, dass die Leute sich ab dem 22. März alle Urlaub nehmen, um vormittags einkaufen zu gehen, nachmittags in den Zoo und abends zu uns zu kommen. Und das 14 Tage lang, damit der Stau erstmal abgearbeitet ist." Den Scherz mal beiseite, wie kann denn die Öffnung des Theaters nach wochenlangem Lockdown konkret aussehen?

Auf verschiedene Öffnungsszenarien vorbereitet

"Wir haben, bevor der zweite Lockdown kam, in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt verschiedene Stufen gehabt, in den wir unterschiedliche Szenarien vorbereitet haben, die abgestimmt sind", sagt Reichel. "Und jetzt kommt noch die Luca-App dazu, die wir auch schon im Haus intern benutzen, um sie auszuprobieren. Wir sind sowohl auf die App, auf Zettel, als auch auf eine Kombination aus beiden vorbereitet und warten mal, was wir da erfüllen müssen."

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Eine Kundin scannt im Modehaus Nikolaus in Rostock den QR-Code der Luca-App zur Kontaktnachverfolgung. © dpa bildfunk Foto: Bernd Wüstneck

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Auch die Abstandsregelungen sind wenige Tage vor der Öffnung des Hauses noch nicht ganz klar. Reichel geht davon aus, dass zum Beispiel in den Großen Saal des Theaters nicht mehr als 130 Besucherinnen und Besucher dürfen, statt 500. Eine Herausforderung ist auch der Ticketverkauf. Im Internet oder auch telefonisch können Besucherinnen und Besucher sich auf Wartelisten setzen lassen. Die sind allerdings schon ziemlich lang. Wenn das erste Theater des Landes Mecklenburg-Vorpommern nach Monaten der Schließung wieder öffnet, dann ist das Interesse offenbar sehr groß.

Das Volkstheater Rostock öffnet wieder: Am kommenden Montag geht es los mit "Jugend ohne Gott" von Ödön von Horváth, danach folgen unter anderem "Die Marquise von O." nach Heinrich von Kleist, der Tanzabend "Life Letters 2" und "Salon Pitzelberger", eine Operette von Jacques Offenbach. Ins Theater dürfen übrigens nur Menschen, die aus einer Region mit einem Inzidenzwert von unter 50 kommen. So ist es geplant - die finale Verfügung und Genehmigung von der Hansestadt Rostock steht allerdings noch aus.

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Das Große Haus des Volkstheaters Rostock © dpa-Zentralbild Foto: Jens Büttner

Kulturpartner: Volkstheater Rostock

Das Volkstheater Rostock ist Kulturpartner von NDR Kultur. Aktuelle Informationen und Aktionen finden Sie hier. extern

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 19.03.2021 | 06:40 Uhr