Stand: 12.06.2018 13:02 Uhr

"Vielleicht hast Du auch einen Vogel"

von Kerry Rügemer

Ein heruntergewirtschafteter Bauernhof im Sauerland, die resolute Bäuerin Käthe und ein paar Städter, die ihr Heil auf dem Land suchen - das sind die Zutaten für das Stück "Käthe holt die Kuh vom Eis". Das "Muh-sical" feiert am Donnerstag seine Hamburg-Premiere im Schmidt Theater auf der Reeperbahn. Geschrieben hat die Komödie William Danne. Er ist vielen Hamburgern als der Prinz aus "Cindy Reller" bekannt. Danne führt in "Käthe" die Regie und spielt auch die Titelrolle.

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William Danne brillierte als Edelbert von Grootfru Junior in der Musical-Komödie "Cindy Reller" im Hamburger Schmidt Theater.

Vom smarten Prinzen in schöner Kleidung rein in eine olle blaue Kittelschürze und grüne Gummistiefel: William Dannes Käthe ist eher derbe veranlagt. Ihren Pleite-Hof will die Bäuerin damit retten, gestressten Städtern Erholung zu bieten. Das klappt natürlich nur bedingt, bietet aber viel Stoff für ziemlich irre Wendungen.

Mit dem sauerländischen Dialekt und den handfesten Bäuerinnen kennt William Danne sich bestens aus: Er stammt von dort, aus einem kleinen 500-Seelen-Dorf. "Wir hatten eine Geflügelzucht, 18.000 Hühner", erzählt Danne, "und zweimal im Jahr standen diese Ställe leer und dann habe ich die Gunst der Stunde genutzt und mir die Stühle unserer Schützenbruderschaft geliehen, das Ganze bestuhlt und Sketchabende oder manchmal sogar ein ganzes Stück oder ein Musical aufgeführt."

Hamburg war ein echter Kulturschock

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Andere Figur, gleicher Schauspieler: In "Käthe holt die Kuh vom Eis" spielt William Danne (l.) die Titelrolle, führt Regie und ist auch der Autor.

Seinen englischen Vornamen verdankt er seiner Schwester: "Meine beiden Opas hießen Wilhelm und meine Schwester Reinhild hat gesagt: Liebe Eltern, gebt eurem Kind keinen altdeutschen Namen. Dann ist noch Prinz William geboren und da lag es ziemlich nahe, dass ich William getauft wurde."

Der Weg führte ihn fort aus der sauerländischen Natur und rein in die Großstadt Hamburg, wo er seine Musicalausbildung absolvierte. Ein echter Kulturschock. "Ich bin als Bauernjunge quasi nach Hamburg gekommen", erinnert sich Damme, "da hatten die alle ihre Spitzentutus und Ballettklamotten an und ich stand in meinem Fußballoutfit an der Ballettstange. Und ich habe die Leute auf der Straße gegrüßt, die wussten gar nicht, was los war und haben mich nicht zurückgegrüßt. Ich habe natürlich auch hier in der Stadt gedacht: Was denken denn jetzt meine Nachbarn?"

Vor zehn Jahren landete er erstmals am Schmidt Theater, in der Schlagerrevue "Caramba". In den letzten Jahren hat der 34-Jährige immer wieder kleine Stücke und Revuen für ein Ferienunternehmen geschrieben, bis ihm die Käthe aus der Feder floss. Letztes Jahr wurde die dann - natürlich im Sauerland - uraufgeführt.

Überraschenden Assoziationen bei der Premiere

Die rustikale Titelfigur führte beim heimischen Publikum zu überraschenden Assoziationen. "Bei der Premiere, da haben ganz viele Leute gesagt: 'Ach, wie die Mama'", sagt Danne, "und das haben sie auch meiner Mutter gesagt. Da habe ich gedacht: 'Oh, ihr habt meiner Mama gesagt, dass ein Mann in Frauenfummeln genauso ist wie sie? Herzlichen Glückwunsch!' Gott sei Dank konnte sie das mit Humor nehmen, weil die Sauerländer Frauen, die sind ja manchmal auch ein bisschen derber und die haben auch eine gehörige Portion Humor."

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"Wie die Mama": Als derbe Bäuerin Käthe eroberte Danne (r.) bei der Premiere seines Stückes auch die Herzen der Sauerländerinnen.

Jetzt kommt die "Käthe" nach Hamburg und verspricht beste Unterhaltung. William Danne hat sich längst in der Hansestadt akklimatisiert. Nur sein Hobby, das kommt einem echten Großstädter vielleicht doch ein bisschen schräg vor: Er steckt aus Ministeckern Bilder.

"Da habe ich aus 22.000 Teilen zum Beispiel das letzte Abendmahl gesteckt, oder habe auch mal ein Minnie-Maus-Bild geknüpft", erklärt Danne. "Das sind entspannende Tätigkeiten. Wo man vielleicht auch sagt: 'Jo, vielleicht hast du auch einen Vogel.'"

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 12.06.2018 | 19:00 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/kultur/Portraet-William-Danne,williamdanne100.html

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