Stand: 02.09.2018 13:04 Uhr

Tag 2: Von Reinfeld zum Kloster Nütschau

von Annkathrin Bornholdt

Gemeinsam mit dem Pilgerdiakon Klaas Grensemann und Kristina Lohe vom Kloster Volkenroda pilgern Heike Götz und Philipp Schmid zur Zeit wieder durch Norddeutschland. Am zweiten Tag ging es von Reinfeld zum Kloster Nütschau.

Eindrücke vom zweiten Pilgertag

Viele Pausen, schöne Landschaft

Gut elf Kilometer liegen schon hinter den Pilgern, als sie am frühen Nachmittag an der Peter-Paul-Kirche in Bad Oldesloe eintreffen. In einem italienischen Café gibt es Getränke und Eis zur Stärkung. Die vier lassen es an diesem Spätsommertag etwas ruhiger angehen, legen viele Pausen ein und genießen die Landschaft. Heike Götz erlebt die norddeutschen Pilgerwege ganz bewusst: "Ist das nicht toll, dass man hier einfach auch laufen kann? Man muss nicht unbedingt nach Spanien, um den Jakobsweg zu laufen. Das geht auch hier bei uns im Norden und das finde ich nach wie vor ganz, ganz schön."

"Mein Heimatherz klopft"

Die Landschaft ist mal hügelig, mal flach - mal städtisch, mal ländlich. Kristina Lohe, die aus Itzehoe stammt, musste vor einigen Jahren einen Pilgerversuch auf dem Jakobsweg in Spanien frustriert abbrechen. Von ihrer jetzigen Gruppe ist sie begeistert: "Wir haben tolle Gespräche und eine ganz schöne Landschaft. Mein Heimatherz klopft. Spanien ist zwar wunderschön, aber es eher wie eine ganz andere Welt. Hier sagt man "Moin", wenn man sich auf dem Wanderweg begegnet. Und das ist einfach eine gute Mischung."

Pilgertagebuch

Tag 1: Von Lübeck nach Reinfeld

Heike Götz schreibt nach der ersten Etappe der Pilgerreise einen Tagebucheintrag. Das Motto des ersten Tages heißt: Wer bin ich? - Was suche ich? mehr

Tag 2: Von Reinfeld zum Kloster Nütschau

Pilgerdiakon Klaas Grensemann schreibt zur zweiten Etappe der Pilgerreise einen Tagebucheintrag. Das Motto des zweiten Tages lautet: Wer ist Gott für dich? mehr

Geistliche Impulse durch den Pilgerdiakon

"Wir haben ganz unterschiedliche Sichtweisen und unterschiedliche Erfahrungen mit Kirche und mit Glauben", sagt Klaas Grensemann, der im Kloster Bursfelde für die Betreuung der Pilger zuständig ist. "Ich habe auch nochmal über die Frage nachgedacht: Was macht eigentlich einen Pilger aus?" Klaas Grensemann hat ein Heft für die Gruppe vorbereitet - mit Denkanstößen, Psalmen, Gebeten und Liedern. Mehrmals am Tag setzt er solche geistlichen Impulse. Das kann auch mal an einer Straßenkreuzung oder mitten im Wald passieren.

Beim Pilgern Gott nahe sein

Philipp Schmid findet das öffentliche Beten noch etwas ungewohnt: "Ich gebe schon zu, dass ich immer gucke, wie lang das Gebet oder Lied gehen soll. Aber meistens ist es doch schön, wenn man es gemacht hat. Und trotzdem denke ich immer, wenn dann so ein Jogger vorbei kommt oder ein Fahrradfahrer, was der jetzt wohl denkt, wenn wir da stehen und singen."

Philipp Schmids Pilgerblog
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Musikalische Gedanken zum Pilgern

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Auch 2018 macht sich Philipp Schmid während seiner Pilgerreise viele Gedanken. mehr

Philipp Schmids Mitpilger Klaas und Kristina arbeiten in Klöstern. Gott und der Glaube nehmen bei dieser Tour daher noch mehr Raum ein als in den Jahren davor. Philipp Schmid findet es toll, dass seine Mitpilger ihr Leben auf Gott ausrichten: "Aber ich fühle mich doch mehr so wie der Freizeitchrist. Beim Pilgern kann ich Gott nahe schon sein. Aber ich schaffe es nicht so, das ins Leben mitzunehmen. Ich bewundere bei denen, dass die auch so dazu stehen. Das ist ja auch manchmal ein bisschen angefeindet oder gilt als naiv. Ich selbst habe in Bezug auf den Glauben schon viel mehr Zweifel."

Stockbetten für die Nacht

Auch wenn es für die "Neuen" anfangs etwas ungewohnt war, ständig ein Kamerateam dabei zu haben, war die Gruppe vom ersten Schritt an im Gespräch über Gott und die Welt, erzählt Klaas Grensemann: "Manchmal ist es auch so, dass zwei nebeneinander laufen und gar nicht miteinander reden, weil man dem Gespräch vor oder hinter einem lauscht. Aber es ergeben sich auch immer Zweiergespräche und irgendjemand haut mal eine Frage raus und dann kommt man darüber ins Gespräch."

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Als die Gruppe in Nütschau ankommt, hat das Abendgebet schon begonnen. Dafür werden die vier Pilger mit Abendsonne entschädigt.

Von Bad Oldesloe geht es an einem grünen Weg entlang der Trave weiter Richtung Kloster Nütschau. Obwohl es an diesem Tag nur 15 Kilometer waren, sind alle müde. Und sie haben es leider nicht mehr zum 17:30 Uhr-Abendgottesdienst geschafft. Das 16-Quadratmeter-Stockbettzimmer im Jugendhaus des Klosters löst dann auch keine Begeisterungsstürme aus - auch bei Philipp Schmid: "Das gehört bestimmt auch zum Pilgern. Und man freut sich ja auch, dass es da so ein Gästehaus gibt. Aber ich bin aus dem Alter raus und ich wache ja auch morgens immer so früh auf und ich brauche die Freiheit, dass ich aufstehen kann und ins Bett gehen kann, wann ich will. Aber das wird schon."

In der Abendsonne ruhen sich Philipp Schmid und die anderen vor der Klosterkapelle etwas aus. Kraft tanken ist nötig. Denn 30 Kilometer liegen auf der Etappe von Nütschau nach Duvenstedt vor ihnen.

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Philipp Schmid und Heike Götz pilgern wieder

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 02.09.2018 | 16:20 Uhr