Stand: 31.01.2020 11:23 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Neubrandenburgerin schneidert "Game of Thrones"-Kostüme

von Ricarda Zunk

Die Fantasy-Serie "Game of Thrones" ist seit Jahren ein Renner beim Publikum. Die Zuschauer lieben die vielschichtigen Charaktere und Handlungen, aber auch die aufwendigen Kostüme der Darsteller. Weltweit gibt es Fans, die verrückt sind nach Kostümen aus den Filmen, die den originalen möglichst ähnlich sehen. Genau solche Gewänder kreiert Evelyn Korn, eine Kostümschneiderin bei Neubrandenburg. Ihre Arbeiten verkauft sie in die USA, nach Großbritannien und Kanada - und auch in Deutschland.

Das Atelier der Schneiderin Evelyn Korn © NDR Foto: Ricarda Zunk
Im Atelier von Evelyn Korn stehen nicht nur eine Nähmaschine, sondern auch Hammer und Prägestempel.

Sie ist aus ihrer Schneiderwerkstatt nicht wegzudenken: eine Veritas-Nähmaschine von 1972. Evelyn Korn hat darauf ihre ersten Stiche gelernt. Auf dieser Maschine habe sie Teile ihres Abi-Kleids genäht und vorgestern noch ein Kostüm von Arya Stark, erzählt sie. "Diese Maschine ist einfach unkaputtbar."

In Evelyn Korns Schneiderwerkstatt in Trollenhagen kommen auch Hammer, Prägestempel und 3D-Drucker zum Einsatz. Doch bei der Arbeit an einem neuen Kostüm ist es in der Werkstatt zuerst eine ganze Weile still, denn sie beginnt bei Evelyn Korn im Kopf. "Lange bevor ich mich das erste Mal an die Nähmaschine setze, habe ich Wochen investiert um herauszufinden, was für ein Stoff benutzt wurde, wo ich die Nähte platziere, wie ich den Schnitt mache, welche Arbeitsschritte ich bedenken muss und was für Material ich brauche und woher ich das bekomme."

VIDEO: Die "Game of Thrones"-Schneiderin (4 Min)

Lange Suche nach dem richtigen Material

Allein die Recherche nach dem passenden Stoff ist oft eine Wissenschaft für sich, denn sie kann den Stoff, der für ein Kostüm in der Serie verwendet wurde, nicht anfassen. Fotos müssen für die Schneiderin reichen. "Im schlimmsten Fall ist das Bild noch bearbeitet und dann weiß man nicht mal, wie die Farbe wirklich aussieht", so Korn. Selbst in großen Stoffläden habe sie Schwierigkeiten, das passende Material zu finden.

Ein Kleid der Schneiderin Evelyn Korn © NDR Foto: Ricarda Zunk
Die Suche nach dem richtigen Stoff ist oft aufwendig.

Oft landet sie einen Treffer, wenn sie bei Polsterstoffen sucht, denn das, was heute als Polsterstoff oder Vorhangstoff benutzt wird, ist früher für Kleidung verwendet worden. "Die Stoffe haben Tiefe. Sie sind nicht einfach bedruckt. Da sind aufwendige Muster eingewebt, verschiedenste Farben und Goldfäden“, erklärt Korn. Der Ansporn von Evelyn Korn ist, dass die Kostüme so original wie möglich aussehen. Ein besonders aufwendiges Projekt war ein Hochzeitskleid der Figur Sansa Stark aus der Serie "Game of Thrones". Alleine die detailreichen Stickereien auf dem Kleid kosteten sie fast 100 Stunden Zeit.

Das Schultheater weckte Leidenschaft

Seit zehn Jahren schneidert Evelyn Korn Kostüme. Angefangen hat die Leidenschaft bei ihr schon als Kind. Zusammen mit ihrer Großmutter schneiderte sie einmal im Jahr ein Faschingskostüm. Bei ihrer Großmutter lernte Evelyn Korn die ersten Handgriffe, die man zum Schneidern braucht. Zum Abi-Ball schließlich wurden zwölf Kostüme für ein Theaterstück gebraucht. Kurzerhand übernimmt sie diese Aufgabe und merkt, wie viel Spaß es macht, für jeden Charakter das passende Kostüm zu entwerfen.

"Game of Thrones"-Kostüme für Cosplayer   

So schneiderte sie und ging mit Freunden in Kostümen zu Mittelalterfesten und Filmpremieren. Aus dem Hobby ist inzwischen ein Gewerbe geworden. Evelyn Korn schneidert vor allem Kostüme für sogenannte Cosplayer, zu Deutsch: Kostümspieler. Das sind Menschen, die auf großen Veranstaltungen in möglichst original aussehenden Filmkostümen mit anderen Menschen feiern wollen. Auf solchen Veranstaltungen knüpft Evelyn Korn Kontakte.

Vom ersten Gedanken bis zum letzten Stich vergehen manchmal Monate. Wenn sie das fertige Kostüm dann verpackt, ist oft etwas Wehmut dabei: "Manchmal möchte ich mich mit in den Karton einpacken und gucken, wie derjenige reagiert, wenn er das Kostüm auspackt. Wenn ich Glück habe, bekomme ich von meinen Kunden eine Mail. Es gab Leute, die geschrieben, dass sie Freudentränen in den Augen hatten."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 29.01.2020 | 19:15 Uhr