Stand: 24.04.2020 16:13 Uhr

Kunsthaus Koldenhof öffnet trotz Corona seine Türen

von Kathrin Matern

Theater haben ihre Spielzeiten vorzeitig beendet, Konzerte werden allerorten abgesagt. Lesungen werden verschoben. Die Geschäfte sind seit Wochenbeginn wieder geöffnet - und mitten in der Corona-Krise startet das Kunsthaus Koldenhof an der Mecklenburgischen Seenplatte in seine sechste Saison. Das Künstler-Paar Sabine Naumann und Günter Kaden zeigen dort ab morgen ihre Arbeiten. Mythisches, Heiteres und Erotisches.

Banner des Kunsthaus Koldenhof © Kunsthaus Koldenhof Foto: Kathrin Matern
Am Samstag, 25. April öffnet das Kunsthaus Koldenhof in Mecklenburg-Vorpommern seine Türen.

Eine sonnige Veranda, drei helle Räume, abgezogene Dielen und Flügeltüren. Früher war das Haus in der Dorfmitte mal die Kneipe. Vor fünf Jahren ist hier die Kunst eingezogen: 220 Quadratmeter Galerie, betrieben von der früheren Ärztin Kerstin Kuttler. Immer hat sie das Kunsthaus nach der Winterpause am letzten Aprilwochenende aufgeschlossen. So auch jetzt: "Die Kunst fällt in dieser Krise doch ziemlich hinten runter, muss man sagen. Es ist uns möglich entsprechend den Vorgaben den Menschen die Kunst nahezubringen - und vor allen Dingen, Künstlern ein Podium zu geben. Sodass sie ihre Kunst anbieten und verkaufen können."


Sabine Naumann ist Malerin und Grafikerin, Günter Kaden ist Bildhauer. Zunächst dachten die beiden, dass ihre lange geplante Ausstellung wegen der Coronakrise ins Wasser fallen würde. Daher sind sie nun umso erfreuter: "Als Freiberufler sagen wir sowieso immer: Der Beruf ist reine Nervensache. Nerven und Humor zu bewahren lautet unser Motto. Insofern haben wir schon einen kleinen Vorsprung gegenüber allen anderen, die das jetzt erst lernen mussten."

Großer Ansturm nach Kunst-Entzug?

Sabine Naumann und Günter Kaden sind ein Arbeits- und Lebenspaar. Die vergangenen Monate haben sie in ihrem Atelier in Wendischhagen bei Teterow verbracht, Kunst gemacht und konsumiert - über das Internet.
"Auf jeden Fall hoffen wir, dass die Leute jetzt trocken wie ein Schwamm sind, aufnahmefähig, und dass sie sich natürlich jetzt raus wagen können. Außerdem hoffen wir auf viele gute Gespräche und frohe Gesichter, denn wir haben viele heitere Dinge anzubieten.", so der Bildhauer Günter Kaden.

Hygieneregeln des Kunsthaus Koldenhof © Kunsthaus Koldenhof Foto: Kathrin Matern
Die Besucher des Kunsthauses müssen sich an die mittlerweile allgegenwärtigen Hygieneregeln halten.

Die Ausstellung kombiniert Grafiken von ihr mit Skulpturen von ihm. Skurriles, Heiteres, Erotisches. Und viel griechische Mythologie. Da gibt es die Zeichnung der Zauberin Circe neben einem Bild von Paris, der später die schöne Helena raubt und damit den Trojanischen Krieg auslöst. Links davon balanciert Zeus in Gestalt eines Stieres auf Europa. Und natürlich fehlt auch die Leda mit dem Schwan nicht. "Unsere Arbeiten haben sich schon immer aufs Wunderbarste und Heiterste ergänzt. Und eigentlich sprechen wir uns in solchen Dingen auch gar nicht ab.", erzählt Sabine Naumann während die ersten Besucher erscheinen, obwohl das Kunsthaus noch gar nicht geöffnet ist.

Mythisches, Heiteres und Erotisches

Mit einer Blume in der Hand betreten Rosi und Klaus-Jürgen Fischer von schräg gegenüber die Galerie. Die beiden sind Dorfbewohner und regelmäßige Gäste. Zeit für Kunst sei es jetzt allemal, sagen sie: "Das ist so herrlich, dass es ganz normal wieder losgeht! Wir finden es schön, dass ein Stück Normalität zurückkehrt. Wenn wir keine Kultur haben, dann verwahrlosen wir nicht bloß im Kopf, sondern auch in der Seele, was eigentlich viel schlimmer ist.", sagt Rosi Fischer. Auch ihr Mann geht fest davon aus, dass die Ausstellung ein Glanzlicht sein wird.

Nun gibt die Ausstellung in Koldenhof einen Geschmack auf die Zeit nach dem Ausnahmezustand. Und ist in gebührendem Abstand zu erleben, Mund- und Nasenschutz liegen am Eingang bereit. Schließlich lebt der Mensch ja nicht nur vom Brot allein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 24.04.2020 | 07:40 Uhr

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