Stand: 18.03.2019 10:52 Uhr

Hamburger Volksbühne: 100 Jahre für das Theater

von Danny Marques Marcalo

Shakespeare im Schauspielhaus, Komödien im Winterhuder Fährhaus und Romane auf der Bühne im Altonaer Theater. Hamburg bietet für jeden Theatergeschmack die richtige Bühne. Jeder soll sich das leisten können - das ist die Mission des Vereins Hamburger Volksbühne. Seit genau 100 Jahren bietet er kostengünstige Tickets für seine Mitglieder an.

Inge Mahn und Birgit Bollmann besuchen ein Konzert in der Elbphilharmonie

Mit der Volksbühne in die Elbphilharmonie

Hamburg Journal -

Die Hamburger Volksbühne bringt Menschen seit 100 Jahren günstig zu kulturellen Veranstaltungen. Zum Jubiläum gab es ein Konzert in der Elbphilharmonie.

4,75 bei 8 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Bild vergrößern
Vom Glanz des Deutschen Schauspielhauses bis zum einfachen Charme von Kleinkunst-Theatern: Hamburg bietet eine breite Theaterlandschaft.

Zwei alte Schreibhefte mit Ledereinband. Sie sind der größte Schatz der Volksbühne. In einer alten, aber klaren Schreibschrift wird hier die Geschichte des Vereins protokolliert. "Es steht hier: Konstituierende Sitzung der Volksbühne Hamburg am Sonnabend, den 4. Januar 1919, im Gewerkschaftshaus", sagt Bernd Rickert, der Vorsitzende der Volksbühne. Zum Jubiläum hat er auf dem Dachboden des Vereinsheims in Hohenfelde gestöbert. "Im Rahmen unserer Recherchen haben wir alte Zettel und Programme und alte Bücher gefunden", schildert er die Suche in der Vergangenheit. "Ein nicht geordnetes Archiv auf dem Boden. Verstaubt. Da haben wir uns mit dreckigen Händen durchgewühlt."

Theater für die einfachen Leute

Die Hamburger Volksbühne ist eng verknüpft mit den Umständen der Novemberrevolution im Winters 1918. Theater, das können sich damals nur die wohlhabenderen Bürger Hamburgs leisten. Als die Menschen in diesem Winter mehr Rechte einfordern, fordern sie auch den Zugang zum Theater. "Es gab Bestrebungen für die Bildung der einfachen Menschen zu sorgen, die ja teilweise nicht mal die Volksschule besucht hatten", erklärt der heutige Vorsitzende. Der Geist der Revolution spiegelt sich damals auch auf der Bühne wieder. Das Leben der einfachen Leute wird zum Thema. Gerhart Hauptmann und Henrik Ibsen seien Schriftsteller gewesen, die die modernen Probleme aufgriffen. Im Bürgertum seien sie deshalb nicht beliebt gewesen, aber die einfachen Leute wollten ihre Dramen sehen.

Bild vergrößern
Heidi Kabel (2.v.l.) ist eines der berühmtesten Gesichter in der Geschichte der Hamburger Theater. Hier spielt sie im Stück "Gute Nacht, Frau Engel".

Die Volksbühne wird ein Riesenerfolg. Von den Nazis aufgelöst, gründet sich der Verein schon Weihnachten 1945 erneut. In den 50er-Jahren ist der Sturm auf die günstigen Karten so groß, dass es sogar einen Mitgliederaufnahmestopp gibt. "Wir waren hungrig auf Theater und wollten die amerikanischen Schriftsteller sehen", sagt Rickert. Damals gibt es noch ein Losverfahren. Man wusste nicht, ob man für sein Geld in der ersten Reihe oder ganz hinten im dritten Rang sitzt.

Aus der Hamburger Volksbühne wird InKultur

Die Volksbühne geht mit der Zeit. Seit einigen Jahren nennt sie sich "InKultur", um moderner zu klingen. Und auch die Tickets können mittlerweile gezielt ausgesucht werden. "Ich will mir gar nicht vorschreiben lassen, an welchem Tag ich gehen muss. Und auch gar nicht, in welches Theater ich gehen muss", sagt Rickert. 23.000 Kunden hat die Volksbühne noch heute. Trotz der geringeren Bedeutung des Theaters für die Gesellschaft, hat sie im vergangenen Jahrzehnt ihre Kundenzahl gehalten. Das große Jubiläum wird in diesem Jahr mit einer Chronik, einem Konzert in der Elbphilharmonie und vielen anderen Veranstaltungen feiern. Immer eine Rolle spielen wird dabei das Protokoll über die Anfangstage.

Dass es diese Protokolle heute noch gibt, ist dem lebensgefährlichen Einsatz mutiger Vereinsmitglieder zu verdanken. Vor allem einer Frau, die mehrere Dokumente vor den Nazis gerettet hat. In einem Artikel beschreibt sie, wie sie einige Dokumente aus der alten Zeit mit nach Hause nahm, wenn sie wegen Bombenalarms Feuerwache hatte. Voller Einsatz für die Volksbühne und das Hamburger Theaterpublikum - seit 100 Jahren.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 15.03.2019 | 19:00 Uhr

Mehr Kultur

00:38
NDR 90,3
48:10
NDR Info