Ein Computerbildschirm zeigt ein Foto von Schaupspieler Sebastian Kreuzer. © Olaf Struck

"Golem 24143": "Zuhause-Theater-Game" des Werfttheaters Kiel

Stand: 13.11.2020 14:08 Uhr

Das Kieler Theater im Werftpark präsentiert das Stück "Golem 24143" als "Zuhause-Theater-Game". Zuschauer können aktiv auf die Handlung einwirken - Reporterin Anina Laura Pommerenke hat es ausprobiert.

von Anina Laura Pommerenke

Inspiriert ist die Inszenierung von dem Roman "Der Golem" nach Gustav Meyrink. Einen Tag vor der Inszenierung gibt es per E-Mail letzte Infos. Die Teilnahme an dem Theater-Game ist nur mit einem internetfähigen Endgerät, wie einem Smartphone, Tablet oder Computer, möglich. Auch Datenschutzhinweise dürfen natürlich nicht fehlen. Kurz vor der Vorstellung gibt es einen Link zu einer Internetseite und einen personalisierten Code. Damit kann ich mich in eine Konferenz einwählen - das klappt beim zweiten Anlauf - nach einem Browser-Update.

Die Mission: Athanasius helfen und das Rätsel um Golem lösen

NDR Schleswig-Holstein Reporterin Anina Laura Pommerenke lächelt in die Kamera. © NDR Foto: Dominik Dührsen
Reporterin Anina Laura Pommerenke probierte das "Zuhause-Theater-Game" aus.

Das Setting: eine schwarz-weiße, verschwommene Foto-Collage. Bei genauerem Hinsehen erkenne ich den Kieler Fernsehturm und eine Schweden-Fähre. Wir sind in Kiel, genauer gesagt im Stadtteil Gaarden: Postleitzahl 24143, die sich im Titel des Stücks wiederfindet. In einem Chat treffen 13 andere Teilnehmer und ich auf Athanasius. "Wenn du diese Nachricht hörst, dann bedeutet das, dass ich mich in großer Gefahr befinde und dringend deine Hilfe benötige. Aber eins musst du wissen: Nimm dich in Acht vor dem Golem. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Es geht um Leben und Tod." Und schon bin ich mitten drin in einem Rätsel-Abenteuer. Die Mission: Athanasius helfen und das Rätsel um den geheimnisvollen Golem lösen.

Links auf der Internetseite ist die Chat-Funktion, in der wir uns austauschen und nützliche Links teilen können. Mehr sollte ich an dieser Stelle nicht verraten. Rechts oben gibt es einen Video-Bereich, in dem wir wahlweise die Fotocollage oder Athanasius im Livestream sehen. Und auf der unteren Bildschirmhälfte tauchen mal ein Stadtplan, Rätsel oder Hinweise auf.

Auf Hinweis-Suche im Internet

Hin und wieder hängt die Internetverbindung etwas - was aber nicht weiter stört. Weitere Hinweise zum Golem sammeln wir etwa bei einem Ausflug auf YouTube. "Also vor 99 Jahren hat in Gaarden ein arbeitsmüder Werftarbeiter beschlossen, sich das Leben zu erleichtern, indem er sich so etwas wie einen Übermenschen schafft. Der sollte ihm hauptsächlich Arbeit abnehmen." YouTube ist nicht die einzige externe Plattform, die zum Einsatz kommt. Die Suche führt uns über eBay-Kleinanzeigen oder ein Pinnwand-Puzzle. Viele Elemente sind mit liebevollen Details ausgeschmückt und bringen mich zum Schmunzeln. Zum Beispiel wird der Zustand eines gesuchten Buches auf eBay-Kleinanzeigen beschrieben: "Schlecht, wurde von vielen fettigen Fingern angefasst."

Die Teilnehmer bringen die Handlung voran

Wir diskutieren unsere Erkenntnisse im Chat, der Schauspieler reagiert auf unsere Nachrichten. So bringen wir gemeinsam eine Handlung voran, die nicht klar vorgegeben ist. Das gemeinsame Knobeln bringt richtig viel Spaß und nach einer Dreiviertelstunde scheinen wir am Knackpunkt zu sein: Wir haben den Golem mithilfe eines Binärcodes beschworen.

Am Ende verschwindet das Video mit Athanasius, es erscheint eine Nachricht des automatischen Bots im Chat: "Mit diesem Ausgang hätte niemand rechnen können. Wir haben die Verbindung zu Athanasius verloren. Ihr habt getan was ihr konntet! Vielen Dank für eure Hilfe." Ups, hätten wir den Golem etwa nicht beschwören dürfen? Was genau ist er eigentlich?

Der Ausgang: Ungewiss

Ein richtiges oder falsches Ende gebe es bei diesem Konzept nicht, erklärt Projektleiterin Tabea Wiese: "Unser Ziel war und ist weiterhin, dass man als Zuschauer oder Zuschauerin rausgehen kann und sich sein eigenes Ende ein bisschen denken kann. Dass man mit Fragen hinausgeht und auch darüber diskutiert, wie man das Ende wahrgenommen hat."

Und das gelingt. Mein Fazit: Wow! Ein super kreatives Konzept - einzig der ungewisse Ausgang wurmt mich etwas. Hätten wir Athanasius doch irgendwie helfen können? Vielleicht muss ich noch einmal mitmachen. Gut möglich, dass das "Zuhause-Theater-Game" dann komplett anders ausgeht.

"Golem 24143": "Zuhause-Theater-Game" des Werfttheaters Kiel

Das Kieler Theater im Werftpark hat ein neues Format entwickelt, bei dem die Zuschauer die Handlung online beeinflussen können.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Theater im Werftpark
Ostring 187 A
244143Kiel
Telefon:
(0431) 901 12 00
Preis:
13,50 Euro, ermäßigt 9,50 Euro (Schüler, Studierende)
Kartenverkauf:
online oder telefonisch, Infos unter www.theater-kiel.de
Besonderheit:
Mitmach-Theater im Internet, ab zehn Jahren
Hinweis:
Nach Anmeldung erhalten die Teilnehmer ein Playkit, um von zu Hause per Computer, Tablet oder Smartphone mitzumachen.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 13.11.2020 | 20:00 Uhr