Stand: 04.04.2020 11:36 Uhr  - NDR Kultur

"Die Engagements vor Ostern sind besonders wichtig"

von Marcus Stäbler

Die Coronakrise hat uns fest im Griff und verändert das Leben radikal, viele Menschen können ihren Beruf nur noch eingeschränkt oder gar nicht ausüben. Das gilt auch für Musikerinnen und Musiker. Wenn sie keine Festanstellung haben, brechen plötzlich alle Einnahmen weg. Ein harter Einschnitt, auch für die freiberufliche Sopranistin Hanna Zumsande, die als Solistin international tätig ist. NDR Kultur hat mir ihr über die aktuelle Situation gesprochen.

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Die Sopranistin Hanna Zumsande

Am vergangenen Sonntag hat Hanna Zumsande noch in einem Fernsehgottesdienst im Hamburger Michel gesungen: in der ansonsten menschenleeren Kirche, mit genügend Sicherheitsabstand zum neuen Kantor Jörg Endebrock an der Orgel. Es war der einzige Auftritt der Sopranistin weit und breit - in einer Zeit, in der sie eigentlich gut zu tun gehabt hätte.

"Wie für viele freiberufliche Sänger ist auch für mich die Passionszeit eine Zeit, in der besonders viele Veranstaltungen stattfinden", erzählt Zumsande und ergänzt: "Ich hätte zwei Konzerte in Norddeutschland gehabt: eine Johannes-Passion und ein Mozart-Requiem; dann noch ein Brahms-Requiem, kombiniert mit einer Uraufführung eines sehr interessanten Stückes, das ich seit vielen Monaten lerne. Das wäre in St. Gallen in der Schweiz gewesen. Und Karfreitag hätte ich in Ulm gesungen, 'Christus am Ölberge' von Beethoven, auch ein ganz tolles Stück, was ich bisher gar nicht so häufig gesungen habe. Und zusätzlich noch einen Gottesdienst am Ostersonntag im Hamburger Michel."

Krise bedeutet kompletten Verdienstausfall

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All das fällt jetzt durch die Coronakrise weg. Und das ist für Zumsande aus verschiedenen Gründen bitter. Natürlich weil sie die Musik liebt, weil der Kontakt zum Publikum ausbleibt und die ganze Vorbereitung umsonst war - aber eben auch, weil es einen kompletten Verdienstausfall für die Sopranistin bedeutet.

"Das macht schon sehr viel aus", stellt Zumsande badauernd fest und fügt hinzu: "Es ist bei mir und bei anderen Kollegen auch so, dass die Wochen vor Ostern, die Passionszeit und die Konzerte, die man da singt, auch andere Monate ausgleichen müssen, in denen man so gut wie nichts einnimmt. Deshalb sind diese Wochen vor Ostern besonders wichtig. Bei mir wird das wahrscheinlich in den fünfstelligen Bereich gehen, wenn es auch weiter geht mit Absagen und ich weiterhin nicht unterrichten darf, was auch noch ein Standbein ist für mich."

Bürokratie schwer zu durchschauen

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Ob Hanna Zumsande den Hamburger Nothilfefonds in Anspruch nehmen kann, um den Verdienstausfall abzumildern, weiß sie noch nicht. Das Gestrüpp der bürokratischen Richtlinien und Bedingungen für einen Antrag ist für viele Selbständige, nicht nur unter den freiberuflichen Musikerinnen und Musikern, derzeit noch schwer zu durchschauen. Abgesehen von der möglichen Unterstützung aus der öffentlichen Hand, gibt es aber auch Gesten der privaten Solidarität von Kollegen und Veranstaltern - das hat Zumsande etwa in Kappeln an der Schlei erlebt, nachdem dort eine Aufführung der Johannes-Passion abgesagt wurde:

"Da hat ein Chormitglied aus diesem Laienchor gefragt: 'Aber was ist denn mit den Solisten, bekommen die denn trotzdem Geld, die leben doch davon?' Und dann wurde in diesem Chor - das war der Probstei-Chor in Angeln - privat für uns Solisten gesammelt. Das Geld kam auch sehr schnell an. Das war eine tolle solidarische Aktion, wirklich beeindruckend!"

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 04.04.2020 | 09:15 Uhr

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