Hans-Georg Wegner im Porträt © NDR Foto: Axel Seitz

Der neue Intendant am Mecklenburgischen Staatstheater

Stand: 27.07.2021 15:51 Uhr

Hans-Georg Wegner arbeitete als Dramaturg und Operndirektor an großen Bühnen. Nun übernimmt der gebürtige Dessauer das Mecklenburgische Staatstheater als Generalintendant.

von Axel Seitz

Nur ein "M" - zu sehen auf einem großen Plakat über dem Theatereingang. Ein "M" für Mecklenburgisches Staatstheater. Ein Haus mit Tradition und mit einem Neuanfang zur Spielzeit. Dieses "M" wurde nicht ohne Grund gewählt, soll es doch auch an die äußerst erfolgreichen 70er- und 80er-Jahre erinnern, als Schauspieldirektor Christoph Schroth das Haus nicht nur DDR-weit, sondern sogar international bekannt machte.

Daran möchte der neue Generalintendant Hans-Georg Wegner anknüpfen, ohne zu kopieren: "Vergleichbar ist die Nähe zum Publikum. Das Ohr an den Themen zu haben, die uns heute beschäftigen. Eine starke Offenheit der Stadtgesellschaft gegenüber zu leben. Das bedeutet, dass wir eine Zeit hinter uns lassen, die stärker darauf gegangen ist, dass das Theater ein Teil einer Marketingstrategie ist, Theater ein Teil einer elitären Kulturauffassung ist, durch die man sich von anderen Bürgern unterscheidet. Das interessiert mich überhaupt nicht und unser Team auch nicht."

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Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin © Mecklenburgisches Staatstheater Foto: Silke Winkler

Kulturpartner: Mecklenburgisches Staatstheater

Das Mecklenburgische Staatstheater gehört zu den großen traditionsreichen Bühnen im norddeutschen Raum. extern

Musiktheater startet Ende September mit Ligeti

Neue, moderne Wege will der 53-Jährige vor allem im Musiktheater gehen. Im neuen Spielplan finden sich bis auf Mozarts "Zauberflöte" nur Stücke aus dem 20. und 21. Jahrhundert, da es aus Wegners Sicht nur wenige Opern gibt, die einem Großteil des Publikums wirklich bekannt sind: "Jetzt kann man darüber jammern, dass der Kanon sehr klein wird. Man kann aber auch feststellen, dass dadurch rechts und links von diesem bekannten Kanon, hochinteressante andere Werke sind. Und die muss ich mit demselben Aufwand vermitteln, mit dem ich auch eine 'Norma' vermitteln müsste. 'Norma' ist für die allermeisten Leute ein Supermarkt." Das Musiktheater startet Ende September mit György Ligetis Oper "Le Grand Macabre".

Wegner: "Anfangen, wieder richtiges Theater zu machen"

Das Gebäude des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin bei Sonnenschein mit wehenden Fahnen, Bäumen und parkenden Autos © NDR Foto: Axel Seitz
Mecklenburgischen Staatstheater: Traditionshaus am Alten Garten

Ob Musiktheater, Schauspiel, Ballett oder das Junge Staatstheater Parchim und die niederdeutsche Fritz-Reuter Bühne - wichtig ist dem Neuen an der Spitze des Hauses vor allem, "dass wir wieder richtig Vollbluttheater machen können. Und dazu brauchen wir Menschen auf der Bühne, Nähe auf der Bühne. Dazu brauchen wir ein Orchester im Graben und dazu brauchen wir Tänzer, die sich nicht nur aus der Ferne zuwinken. Dazu brauchen wir auch Publikum, was nebeneinandersitzen kann: Es ist einfach eine andere Atmosphäre, eine andere Vibration im Raum. Das ist ganz essenziell, dass wir jetzt nicht noch ein halbes Jahr kleine Brötchen backen, sondern dass wir jetzt anfangen, wieder richtiges Theater zu machen."

Zeit für Team, Entwicklung und Kennenlernen

Dazu wird es bereits im September ein nicht alltägliches Kennenlern-Angebot geben, denn direkt neben dem Theater soll es auf dem Ekhof-Platz täglich kleine Veranstaltungen geben, damit die Schweriner den neuen, wie auch den bereits etablierten Künstlerinnen und Künstlern ganz nah kommen können.

63 Produktionen in sechs Sparten in zwei Städten (Schwerin und Parchim), das ist in der ersten Spielzeit von Hans-Georg Wegner geplant. Der Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters freut sich auf das Neue, das Wagnis und gibt sich und seiner Mannschaft durchaus etwas Zeit: "Ich würde jetzt nicht sagen, nach der ersten Saison, sondern das braucht eine Entwicklung. Wir müssen uns ja kennenlernen. Und wir müssen auch die Stadt kennenlernen. Die dritte Spielzeit, die muss richtig sitzen. Und wenn das brummt, dann haben wir es geschafft."

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NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 30.07.2021 | 19:00 Uhr