Stand: 14.07.2020 16:00 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Archäologisches Landesmuseum MV - ein weiter Weg

von Jürgen Opel, NDR 1 Radio MV

Thorshammer - das ist nur ein wertvoller Fund aus dem Schatz des Dänenkönigs Blauzahn. Im Rostocker Rathaus ist das archäologische Schmuckstück als Replik jetzt präsentiert worden.

Seit 27 Jahren laufen die Planungen für ein Archäologischen Landesmuseum (ALM) in Mecklenburg-Vorpommern. Wirklich passiert ist aber noch nicht viel. Erst 2025 könnte nach aktuellem Stand mit dem Bau begonnen werden. Mit der Fertigstellung vor 2028 rechnet niemand. Im Rostocker Rathaus wird seit Dienstag mit einer Mini-Ausstellung daran erinnert, dass Mecklenburg-Vorpommern das einzige Bundesland ist, das kein Archäologisches Landesmuseum hat.

"Das kleinste Landesmuseum der Welt"

Es ist nur eine Vitrine - gleich hinter der Pförtnerloge im Foyer des Rathauses. Gezeigt wird ein "Weltklasse-Fund", wie die Initiatoren vom Förderverein des Archäologischen Landesmuseums versichern. Es wird Thorshammer präsentiert. Ein Amulett aus dem sagenhaften Schatz vom Dänenkönig Harald Blauzahn (911-987). Der Anhänger gehört zum sogenannten Rügener Silberhort. Ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger haben ihn vor zwei Jahren auf der Insel entdeckt. Dazu gehören noch mehrere hundert Silbermünzen. Es wird angenommen, dass der Schatz Ende der 980er-Jahre dort vergraben wurde.

Signale aus Schwerin

Vor wenigen Tagen haben sich Landesfinanzminister Reinhard Meyer (SPD) und Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) per Videokonferenz ausgetauscht. Die veröffentlichten Ergebnisse des Gespräches zum Landesmuseum klingen einerseits ernüchternd, könnten andererseits aber auch eine Zäsur darstellen. Auf 55 Millionen Euro für den Neubau haben sich Stadt und Land einigen können - und auch auf den Standort im Rostocker Stadthafen. Dort, wo auch die Bundesgartenschau (BUGA) 2025 stattfinden soll. Von der Idee, das Museum bis dahin fertig zu haben, habe man sich schon lange verabschiedet, sagt Meyer. Nun gehe es darum, dass in diesem Jahr noch der Architektenwettbewerb ausgelobt und bis 2025 die Fläche für das Museum aufgeschüttet wird. Landgewinnung nennt das der Minister. Hochbaubeginn soll, wenn alles gut läuft, nach der BUGA sein. Die Fertigstellung des Langzeitprojektes sei dann vielleicht 2028 oder 2029 realistisch. Ob dann aber für 55 Millionen Euro noch ein Museum zu haben sein wird? Die Kritiker heben schon einmal mahnend den Zeigefinger.

MV immer noch ohne archäologisches Landesmuseum

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Der Freundeskreis Archäologisches Landesmuseum - Roland Methling, Johannes Kalbe und Carsten Schmoldt - will auf das Fehlen des Museums aufmerksam machen.

Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland ohne ein Archäologisches Landesmuseum. Bis 1992 war das Museum für Ur- und Frühgeschichte im Schweriner Schloss untergebracht. Seitdem sind 27 Jahre vergangen. Nach einem Gutachten bekam Rostock 2017 den Zuschlag. Geplanter Standort war der Stadthafen. Doch nur wenig später kam ein vorläufiger Planungsstopp. Alles sei zu groß gedacht und viel zu teuer, hieß es. Das Archäologische Landesmuseum solle nicht zu einer zweiten Elbphilharmonie werden, so Innenminister Lorenz Caffier (CDU) damals. Die Neubauplanungen wurden ins zuständige Ministerium zurückverwiesen, wie es hieß. Oder eben auf die lange Bank geschoben, wie in Rostock gehadert wurde.

Und nun? Er freue sich, dass wieder miteinander geredet wurde. Das sei positiv und mit den Planungen zum Archäologischen Landesmuseum könne es nun weitergehen, so Carsten Schmoldt vom Freundeskreis Archäologisches Landesmuseum zum Spitzengespräch zwischen Stadt und Land. Aber auch er habe Bauchschmerzen, wenn er daran denkt, was in sechs Jahren die 55 Millionen Euro noch wert sein könnten. Abgesehen vom politischen Willen, der sich nach der Wahl ebenso verflüchtigen könnte, wie das Budget für den Neubau, befürchtet Schmoldt.

Noch mehr Schätze

Schmoldt ist Tierarzt. In seiner Freizeit aber durchpflügt er die heimatliche Erde auf der Suche nach Schätzen. Er engagiert sich seit Jahren als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger - der "Indiana Jones" von Grevesmühlen. Denn dort fand er nach fünf Jahren Suche nicht ein, sondern das Wikingeramulett schlechthin. Wenn Schmoldt darüber spricht, dann sagt er nicht, "ich habe gefunden", sondern er sagt, "ich durfte finden". Respekt und sogar Ehrfurcht vor den Artefakten, die da noch in der Erde schlummern und die noch so viel von der Geschichte des Landes erzählen könnten, sind bei ihm spürbar.

"Sein" Wikinger-Amulett, der Blauzahn-Schatz und auch Thorshammer sind Objekte, die ihren Platz irgendwann im ALM finden sollen - neben dem Kultwagen von Peckatel, dem Horn von Wismar oder den Stabdolchen von Melz. Ausstellungsstücke von weltweiter archäologischer Bedeutung, wie der Ehrenamtler Schmoldt versichert. Sie wurden allesamt im Nordosten gefunden. Allerdings nur, um dann wieder in den Depots "versteckt" oder aber ins "Exil" geschickt zu werden - wie zum Beispiel ins Moesgaart Museum nach Aarhus. Wer das kulturelle Erbe Mecklenburg-Vorpommerns in Augenschein nehmen will, der muss noch mindestens acht Jahre ins Ausland reisen. Bei dieser Feststellung lächelt Schmoldt zwar etwas finster, aber von der Hoffnung, dass auch Mecklenburg-Vorpommern irgendwann einmal sein Archäologisches Landesmuseum eröffnen wird, will er nicht lassen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 13.07.2020 | 19:30 Uhr