Stand: 15.02.2019 21:00 Uhr

GdP-Krisensitzung: Gewerkschaft gegen Betriebsrat

Die Rede ist von Mobbing, es geht um eine Suspendierung und sogar um die mögliche Entlassung aller drei Betriebsratsmitglieder der Bundesgeschäftsstelle in Berlin: Bei der einflussreichen Gewerkschaft der Polizei (GdP) fliegen derzeit "die Fetzen". Am Montag kommt nach Informationen von NDR Info der Bundesvorstand zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um über die Vorgänge zu beraten. Denn ausgerechnet bei der GdP, die sonst selbst in vielen Personalräten von Innenministerien und Polizeibehörden für Arbeitnehmerrechte eintritt, tobt ein Kampf, der tiefe Gräben innerhalb der Gewerkschaft offenbart.

Hat Malchow psychischen Druck auf Mitarbeiterinnen ausgeübt?

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Mitarbeiterinnen des Berliner GdP-Büros erheben Vorwürfe gegen Gewerkschaftschef Oliver Malchow.

Die GdP-Spitze hat offenbar ein außerordentliches Kündigungsverfahren gegen die Mitglieder des Betriebsrats der Bundesgeschäftsstelle eingeleitet. Das geht aus einem Schreiben hervor, das NDR Info vorliegt. Im Kern geht es um zerbrochenes Vertrauen. Bereits vor Monaten hatten sich mehrere Mitarbeiterinnen des Berliner GdP-Büros in Gegenwart des Betriebsrates an die Geschäftsleitung gewandt und dabei Vorwürfe gegen Gewerkschaftschef Oliver Malchow aus Schleswig-Holstein erhoben. Sie halten ihm vor, in unzulässiger Weise psychischen Druck auf sie ausgeübt zu haben.

Betriebsrat kritisiert in Brief den Arbeitgeber

Der Betriebsrat schickte im Januar ein Schreiben an den 33 Mitglieder zählenden Bundesvorstand der GdP. Auf zwei Seiten werden dort die Vorhaltungen gegen Malchow aufgelistet. Der Grund für diesen Schritt: Der Arbeitgeber habe bis dahin keinerlei Maßnahmen zum Schutz der betroffenen Mitarbeiterinnen getroffen, kritisiert die Arbeitnehmervertretung. Daher habe man sich an den Gewerkschaftsvorstand als gewerkschaftliches Aufsichtsgremium gewandt, heißt es in dem Schreiben des Betriebsrates.

Vorwurf der Illoyalität steht im Raum

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GdP-Vize Radek wirft dem Betriebsrat in dem Fall vor, gegen rechtliche Regularien verstoßen zu haben.

Die Gewerkschaftsspitze reagierte darauf empfindlich: Der Betriebsrat habe mit dem Papier an den Vorstand Interna an die GdP-Öffentlichkeit preisgegeben und gegen rechtliche Regularien verstoßen, so Gewerkschaftsvize Jörg Radek aus Niedersachsen in einem Schreiben. Seither steht der Vorwurf der Illoyalität der Arbeitnehmervertretung im Raum. Die drei Betriebsratsmitglieder müssen möglicherweise um Ihre Arbeitsplätze fürchten.

Die GdP-Spitze wollte sich auf NDR Nachfrage nicht zu dem Thema äußern, da es sich um einen betriebsinternen Vorgang handle. Man wolle "den arbeitsrechtlichen Konflikt" nicht in die Öffentlichkeit tragen. Die GdP vertritt nach eigenen Angaben bundesweit 190.000 von 250.000 Polizeibeamten.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 16.02.2019 | 09:38 Uhr