Stand: 14.04.2015 16:42 Uhr  | Archiv

Ein Massenmörder versetzt Hannover in Aufruhr

von Levke Heed, NDR.de

Mord in 24 Fällen

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02:45

15. April 1925: Massenmörder Haarmann wird hingerichtet

"Warte, warte noch ein Weilchen, dann kommt Haarmann auch zu Dir ..." - noch heute weckt der Vers über den bekannten Serienmörder gruselige Gefühle. In den 20er-Jahren tötete Fritz Haarmann mehr als 30 Menschen. Audio (02:45 min)

Nach einer psychologischen Untersuchung wird Haarmann für voll schuldfähig erklärt. Die Verhandlung gegen ihn und Hans Grans beginnt am 4. Dezember 1924 unter großer Anteilnahme von Bevölkerung und Medien. Der Druck der Öffentlichkeit ist groß. Möglichst schnell soll der Täter bestraft werden. Bereits am 19. Dezember wird Fritz Haarmann, der "Schlächter von Hannover", wegen 24-fachen Mordes zum Tode durch das Fallbeil verurteilt. Am 15. April 1925 wird er hingerichtet. Sein Kopf wird der Forschung bereitgestellt und fast 90 Jahre lang - in Formalin eingelegt - in der Göttinger Universitätsklinik aufbewahrt. 2014 wird er eingeäschert und anonym auf einem Gräberfeld eines Göttinger Friedhofs beigesetzt.

Hans Grans wird vorgeworfen, die Opfer mit Haarmann bekannt gemacht und danach die Kleider der Toten verkauft zu haben. Grans bestreitet, von den Machenschaften seines Geliebten gewusst zu haben. Trotzdem wird er wegen Beihilfe zum Mord verurteilt, was auch für ihn die Todesstrafe bedeutet. Doch dann nimmt der Fall Grans eine überraschende Wendung: Haarmann war es während seiner Haftzeit gelungen, auf der Fahrt vom Gefängnis zum Polizeipräsidium einen Brief an den Vater von Grans aus dem Fenster des Autos zu werfen.

Das Schreiben wird gefunden und in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" abgedruckt. Darin entlastet Haarmann Grans. "Grans hatte überhaupt keine Ahnung, dass ich mordete, hat nie etwas gesehen", schreibt Haarmann. Er habe ihn nur aus Rache belastet und sei in den Verhören dazu gezwungen worden. Das Verfahren gegen Hans Grans wird daraufhin 1926 neu aufgerollt. Wegen Mitwisserschaft wird er schließlich zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt.

"Warte, warte nur ein Weilchen ..."

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Der Fall Haarmann wird mehrfach verfilmt, unter anderem spielt ihn Götz George in "Der Totmacher".

"Ich will auf dem Klagesmarkt hingerichtet werden. Auf meinem Grabe steht der Spruch: Hier ruht der Massenmörder Haarmann. An meinem Geburtstag kommt Hans und legt einen Kranz nieder", zitiert Prozessbeobachter Theodor Lessing in seinen Aufzeichnungen den Angeklagten. Fritz Haarmann genoss nach seinen Angaben die Aufmerksamkeit während des Prozesses: "Wenn ich so gestorben wäre, dann wäre ich beerdigt worden und keiner hätte mich gekannt, so aber - Amerika, China, Japan und die Türkei - alles kennt mich."

Mit dem Schlager "Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu dir - mit dem kleinen Hacke-Beilchen und macht Leberwurst aus dir" wird den Ereignissen in Hannover ein schauriges Denkmal gesetzt. Auch die Filme "M - eine Stadt sucht ihren Mörder" von Fritz Lang aus dem Jahre 1931 oder der Oscar-nominierte Streifen "Der Totmacher" (1995) mit Götz George in der Hauptrolle, thematisieren die grausige Geschichte des Serienmörders.

Ein Adventskalender erregt die Gemüter

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Als Eisskulptur (M.) ziert der Serienmörder Fritz Haarmann den Hannover-Adventskalender 2009.

Für heftige Diskussionen sorgt seit Jahren der Hannover-Adventskalender. Auf der Ausgabe 2007 ist neben bekannten Persönlichkeiten wie Wilhelm Busch und Gottfried Wilhelm Leibniz auch erstmals Fritz Haarmann mit einem Beil abgebildet. Die Reaktionen sind über die Stadtgrenze hinaus heftig: Per E-Mail erhält der Hannover Tourismus Service Drohbriefe, die Macher werden als Gotteslästerer beschimpft. Doch bis heute taucht Haarmann in den aktuellen Kalendern auf - wenn auch eher versteckt.

Zu besichtigen: Haarmanns Zelle

Ein Thema ist der Fall Haarmann auch im Polizeimuseum Niedersachsen in Nienburg: Dort ist ein Nachbau seiner Zelle zu sehen. Außerdem zeigt die Ausstellung das originale Hackebeil, mit dem Haarmann seine Opfer zerteilte, und die Kamera, mit der das polizeiliche Täterbild aufgenommen wurde.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | ZeitZeichen | 23.06.2014 | 20:15 Uhr

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