Kindermörder "Maskenmann": Festnahme vor zehn Jahren

Stand: 14.04.2021 08:33 Uhr

Am 13. April 2011 wurde der als "Maskenmann" bekannte Martin N. festgenommen. Jahrelang war er nachts maskiert in Schullandheime, Zeltlager und Privathäuser eingedrungen, um Jungen zu missbrauchen.

Drei der Opfer im Alter von acht, neun und 13 Jahren wurden von Martin N. getötet. Den entscheidenden Hinweis für seine Festnahme bekamen die Ermittler von einem Missbrauchsopfer. Es erinnerte sich daran, dass ihn vor Jahren ein Betreuer ausgefragt hatte, wie sein Zuhause aussehe. Kurz darauf hatte nachts ein großer "schwarzer Mann" neben seinem Bett gestanden. Das Opfer erinnerte sich an den Namen des Betreuers: Martin. 2012 verurteilte das Landgericht Stade Martin N. wegen dreifachen Mordes. Im Januar 2021 wurde er wegen eines möglichen weiteren Verbrechens nach Frankreich ausgeliefert. Die französische Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn, 2004 in der Bretagne einen zehnjährigen Jungen entführt und ermordet zu haben.

Morde sollten sexuelle Vorlieben vertuschen

Die Taten des Kindermörders liefen immer nach dem gleichen Muster ab: Maskiert mit einer schwarzen Sturmhaube drang Martin N. in Wohnhäuser, Zeltlager und Schullandheime in Norddeutschland ein und verging sich dort an Jungen. Drei seiner Opfer, den achtjährigen Dennis R., den 13-jährigen Stefan J. und den neunjährigen Dennis K., ermordete er zwischen 1992 und 2001. Nach Ansicht des Gerichts tötete er die Jungen, um seine sexuelle Vorliebe für Jungen nicht auffliegen zu lassen. "Insbesondere fürchtete er die Ächtung seiner Mutter", sagte Richter Appelkamp damals. "Diese Aufdeckung wollte er mit allen Mitteln verhindern."

Der Kindermörder führt ein Doppelleben

Jahrelang waren die Fahnder einem Mann auf der Spur gewesen, von dem sie zeitweilig glaubten, es handele sich um ein Phantom: Ermittler und Betreuer zweifelten an den Aussagen der Kinder, die vom "schwarzen Mann" erzählten. Martin N. führte in dieser Zeit ein Doppelleben. Tagsüber kümmerte er sich als Betreuer auf Ferienfreizeiten und in Heimen um seine Schützlinge, sogar ein Pflegekind wohnte vier Jahre bei ihm. Laut Appelkamp seien diese Kinder aber nicht als das Objekt seiner Begierde infrage gekommen, weil er sich für sie verantwortlich fühlte. Auf der anderen Seite pflegte N. aber ein heimliches Nachtleben, in dem er seine pädophilen Neigungen auslebte.

Taten von "schwerer seelischer Abartigkeit"

2012 verurteilte das Landgericht Stade Martin N. wegen dreifachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung. Die Richter stellten in ihrer Begründung eine besondere Schwere der Schuld fest. Die Taten seien "besonders verwerflich" und von "schwerer seelischer Abartigkeit". Ein Gutachter schätzte N. zudem als "rückfallgefährdet" ein. Die damals angeordnete Sicherungsverwahrung hob der BGH später allerdings wieder auf.

"Es fehlen die Worte"

Die Aussagen der Opfer während des Prozesses hatten blankes Entsetzen im Gerichtssaal hinterlassen. "Es ist einfach so schrecklich, was hier Gegenstand der Anklageschrift ist, dass einem die Worte fehlen", sagte damals Oberstaatsanwalt Johannes Kiers. Der Angeklagte verfolgte die Verhandlung an allen Prozesstagen anscheinend teilnahmslos. Er schwieg beharrlich und meldete sich erst am letzten Verhandlungstag zu Wort: "Ich glaube, dass meine Taten kaum entschuldbar sind", so Martin N. damals. Dennoch äußerte er die Hoffnung, ein neues Leben in Freiheit beginnen zu können.

Auslieferung nach Frankreich

Am 20. Januar 2021 wurde Martin N. aus der Justizvollzugsanstalt Celle in die JVA Offenburg (Baden-Württemberg) gebracht, von wo er wegen eines möglichen weiteren Verbrechens nach Frankreich ausgeliefert wurde: Er soll im April 2004 in der Bretagne einen Jungen entführt und umgebracht haben. Das Kind war nachts aus einem Schullandheim in der Nähe von Saint-Nazaire an der französischen Westküste verschwunden. Seine gefesselte und mit Steinen beschwerte Leiche wurde Wochen später in einem Teich nahe Guérande entdeckt - etwa 25 Kilometer vom Ort seiner Entführung entfernt. Martin N. soll die Tat einem Mithäftling gestanden haben. Ermittler vermuteten schon länger, dass er den Mord beging, konnten dies aber bislang nicht beweisen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.01.2021 | 11:00 Uhr

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