Stand: 19.07.2020 09:14 Uhr

Vor 60 Jahren: 33 Bergleute sterben bei Salzgitter

Auf einer schwarz-weiß Aufnahme sind am 17. Juli 1960 zahlreiche Personen vor der Grubenanlage Hannoversche Treue in Salzgitter zu sehen. © Stadtarchiv Salzgitter Foto: Gerhard Stoletzki
Am Tag des Unglücks: Während unten die Bergung der Vermissten läuft, warten vor der Schachtanlage Personen auf Informationen.

Der letzte der vermissten Kumpel wird erst Tage nach dem Unglück aus 340 Meter Tiefe geborgen. Albert Biewer ist tot - wie 32 seiner Kollegen. Heute vor 60 Jahren, am 19. Juli 1960, kommt es im Erzbergwerk "Hannoversche Treue" bei Salzgitter zur Katastrophe. Um 7.17 Uhr am frühen Morgen wird Feuer gemeldet und sofort Großalarm ausgelöst. Doch für viele der Bergleute kommt jede Hilfe zu spät. Sie lassen ihr Leben unter Tage.

"Undurchdringliche Rauchschwaden"

Ein zeitgenössischer Bericht: "Unmittelbar nach der Explosion hüllten starke Rauchschwaden den Förderungsschacht ein und behinderten das Einfahren der ersten Rettungskolonnen. Die Schwaden drangen dann in die Stollen vor und überraschten dort die an ihren Arbeitsplätzen tätigen Bergleute. Versuche der Eingeschlossenen, sich zu retten, scheiterten an den undurchdringlichen Rauchschwaden." So schilderten Reporter des "Hamburger Abendblatts" das Unglück.

War es ein Anschlag?

Nach dem Feuer beginnt das Rätselraten. War es Sabotage? Gar ein Anschlag? Alles scheint möglich. Die Kriminalpolizei ist vor Ort, um die Brandursache zu untersuchen. Der Suizid eines 19-jährigen Bergmannes bringt die Beamten dann auf die richtige Spur. Der Tote und vier seiner Kollegen waren offenbar im Bilde, wie das Feuer entstand. Sie verabredeten Stillschweigen und sagten zunächst falsch aus. Doch die Ermittler finden nach und nach heraus, was wirklich passiert war.

Kokelei aus Leichtsinn

Ein 17-jähriger Lehrling hatte, wohl aus Leichtsinn, mit seiner Grubenlampe gekokelt und dabei einen Pappkarton angezündet. Er versuchte zwar noch, den Karton zu löschen, doch es war zu spät. "Das Feuer muss dann in Sekundenschnelle wie ein Schornsteinbrand im Stollen aufwärtsgelodert sein", stellte die Kriminalpolizei später fest. Der Schrägstollen mit seinem Luftzug habe auf das Feuer wie ein Blasebalg gewirkt.

Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt

Auf einer schwarz-weiß Aufnahme geht am 22. Juli 1960 eine Person an zahlreichen, blumengeschmückten Särgen vorbei während der Trauerfeier zum Grubenunglück in der Hannoverschen Treue 1960 in Salzgitter. © Stadtarchiv Salzgitter Foto: Gerhard Stoletzki
Trauer in Salzgitter: Die Anteilnahme war groß.

Im März 1962 erhebt die Staatsanwaltschaft Braunschweig Anklage gegen zwei Verdächtige wegen fahrlässiger Brandstiftung in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Doch zu einem Hauptverfahren kommt es nicht. "Kein hinreichender Verdacht" urteilt die zuständige Jugendkammer. Eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft weist das Oberlandesgericht Braunschweig im Mai 1963 ab.

Grubenlampen auf den Särgen

Die geborgenen Opfer werden drei Tage nach dem verheerenden Brand beerdigt. Auf jedem Sarg steht eine brennende Grubenlampe. Die "Hannoversche Treue" wird im Mai 1967 stillgelegt. Zum Gedenken an das Unglück hat die Stadt Salzgitter auf dem Gelände des ehemaligen Schachtes 1 eine Gedenkstele errichtet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.07.2020 | 12:00 Uhr

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