Szene mit dem Heiligen Martin auf einer Altartafel des 15. Jahrhunderts von Bicci de Lorenzo © akg-images /dpa-Picture alliance Foto: Rabatti Dominque

Sankt Martin: Warum feiern wir den Martinstag?

Stand: 11.11.2021 14:35 Uhr

Laternenumzüge und Gänsebraten - diese Bräuche verbinden wir mit dem 11. November, dem Martinstag. Doch wer war Sankt Martin? Und was hatte er mit Laternen und Gänsen zu tun?

"Laterne, Laterne, ...": Jedes Jahr um den 11. November herum ziehen Scharen von Kindern mit bunten Laternen durch die dunklen Straßen und trällern dabei Martins- und Laternenlieder - normalerweise. Bedingt durch die Corona-Krise wurden die Martinsumzüge im vergangenen Jahr vielerorts ganz abgesagt oder wie etwa in Hamburg deutlich kleiner ausgerichtet. Was aber hat es mit den traditionellen Laternenumzügen auf sich? Und wer war eigentlich der Heilige Martin, an den jährlich am Martinstag am 11. November - besonders in katholischen Regionen - auch mit Gänsebraten erinnert wird?

Sankt Martin: Den Mantel mit einem Bettler geteilt

Martin war ein römischer Soldat, der um das Jahr 316 nach Christus geboren wurde. Der Legende nach ritt er an einem kalten Wintertag an einem hungernden und frierenden Bettler vorbei. Der Mann tat ihm so leid, dass Martin mit dem Schwert seinen warmen Mantel teilte und dem Bettler eine Hälfte schenkte. In der Nacht erschien Martin der Bettler im Traum und gab sich als Jesus Christus zu erkennen.

Was hat die Gans mit Martin zu tun?

Gänse auf der Weide © picture alliance / dpa Foto: Holger Hollemann
Einer Legende nach versteckte sich der Heilige Martin bei den Gänsen im Stall.

Nach diesem Erlebnis ließ sich Martin taufen und im christlichen Glauben unterrichten. Später baten ihn die Menschen der Stadt Tours (heute Frankreich), ihr Bischof zu werden. Doch der bescheidene Martin hielt sich des Amtes nicht für würdig und versteckte sich - einer Überlieferung zufolge - in einem Gänsestall. Die schnatternden Vögel verrieten ihn allerdings und er wurde doch zum Bischof geweiht. Einer anderen Legende nach waren die Gänse in die Kirche gewatschelt und hatten mit ihrem Schnattern Martins Predigt gestört - zur Strafe wurden sie danach gebraten.

Rund 30 Jahre lang war Martin Bischof von Tours und soll zahlreiche Wunder vollbracht haben. Am 11. November 397 wurde er zu Grabe getragen und später heilig gesprochen. Heute ist St. Martin der Schutzpatron etlicher Berufsgruppen, etwa der Winzer, Weber und Schneider. Außerdem kümmert er sich der frommen Überlieferung nach um Bettler, Soldaten - und Haustiere.

Tag der Lehnsabgabe und letzter Tag vor der Fastenzeit

Doch war es wirklich ihr lautes Geschnatter, das den Martinsgänsen zum Verhängnis wurde? Historiker haben andere Erklärungen für die Tradition der Martinsgans. So war der 11. November zum einen der Tag, an dem die Steuern oder Lehnsabgaben fällig wurden. Diese wurden meist in Form von Naturalien, etwa einer Gans, erbracht. Zugleich war der 11. November der letzte Tag vor Beginn der 40-tägigen Fastenzeit vor Weihnachten. Die Menschen nutzten die vorerst letzte Gelegenheit, noch einmal einen deftigen Braten zu genießen und Lebensmittel zu verbrauchen, die während des Fastens tabu waren.

St. Martins-Singen oder Martini-Singen?

Vom Ernte-Feuer zum Laternenumzug

Kinder tragen Laternen.
Die farbig leuchtenden Laternen stehen in der Tradition der Lichterprozessionen.

Und welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Heiligen Martin und den bunten Laternenumzügen? Bereits die frühen Christen kannten Lichterprozessionen, mit denen sie vermutlich auch den Heiligen Martin an seinem Gedenktag ehrten. Zudem entzündeten die Menschen einst häufig im November Feuer auf den abgeernteten Feldern - zum Dank für die Ernte und als symbolischen Abschied vom Erntejahr. Die Kinder bastelten sich Fackeln aus Stroh und Laternen aus ausgehöhlten Rüben und anderen Materialien, mit denen sie dann durch die Straßen zogen - ähnlich den ursprünglich keltischen Ernte-Bräuchen, aus denen Halloween entstand.

Weitere Informationen
Logo N-JOY Radiokirche © picture alliance/chromorange Foto: CHROMORANGE / Walter G. Allgöwer
1 Min

Hintergrund: St. Martin

Stärke, Mut und Gewaltlosigkeit! Am 11. November ist St. Martinstag. Ruth Beerbom vom Bistum Osnabrück erzählt die bewegende Geschichte dazu. 1 Min

Festlicher Gänsebraten in einem Bräter und aufgeschnitten © picture-alliance / dpa / stockfood Foto: FoodPhotography Eising

Gänsebraten zubereiten: So wird die Gans zart und knusprig

Gans ist in der Vorweihnachtszeit und zum Fest beliebt. Wie wird sie richtig zubereitet? Tipps und Rezepte. mehr

Geschmorte Gänsekeule © NDR Foto: Florian Kruck

Rezepte mit Gans

Zwischen dem 11. November und Weihnachten haben Gänse Hochsaison. Tipps für die Zubereitung von Gänsebraten und -keulen. mehr

Zwei Männer im klassischen Nikolaus-Gewand mit Mitra und Bischofsstab. © dpa Foto: Felix Kästle

Warum bringt der Nikolaus Geschenke?

Wer artig war, hat am 6. Dezember eine süße Überraschung im Stiefel. Woher kommt der Nikolaus-Brauch und wer war der Heilige? mehr

Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 11.11.2020 | 18:00 Uhr

Mehr Geschichte

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält bei ihrer Verabschiedung durch die Bundeswehr eine Rede. © AFP POOL/dpa Foto: Odd Andersen

Ende einer Ära: Angela Merkel im Porträt

Heute räumt Angela Merkel ihr Büro im Kanzleramt. 16 Jahre lang hat sie Entscheidungen von großer Tragweite getroffen. Ein Porträt. mehr

Norddeutsche Geschichte