Stand: 14.11.2018 17:26 Uhr

Mindestlohn? (Selbst-)Ausbeutung im Journalismus

von Sophia Münder und André Kroll

Missstände aufdecken, mit der Berichterstattung informieren und für eine bessere Gesellschaft sorgen - diese Ideale verfolgen viele Journalisten, wenn sie den Beruf ergreifen. Allein: Der Alltag sieht oft anders aus. Und finanziell ist er vor allem für viele freie Journalisten wenig lukrativ, sie kommen mit den gezahlten Honoraren kaum noch über die Runden. Ist das gerecht?

Deutsche Journalistin.

Mindestlohn? (Selbst-)Ausbeutung im Journalismus

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Oft berichten Medien über prekäre Arbeitsbedingungen in der Arbeitswelt - für viele freie Journalisten gehört der eigene Beruf inzwischen auch dazu, sie kommen kaum über die Runden.

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80 Euro für 5.000 Zeichen

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"Ich finde es einfach schade, dass man von dieser Arbeit nicht unbedingt leben kann", so die freie Journalistin Bärbel Triller.

"Nein, ich finde diese Honorarsituation nicht gerecht. Ich finde, dass bei der Bezahlung bei den Honoraren vielmehr auch auf den Zeitaufwand geachtet werden muss, auf den Rechercheaufwand", sagt Bärbel Triller. Sie ist freie Journalistin. Für einen Artikel mit 5.000 Zeichen, das sind rund zwei vollgeschriebene DinA4-Seiten in Word, bekommt sie 80 Euro. Zu wenig, um davon zu leben, daher hat sie einen Zweitjob, um ihren Traumjob zu finanzieren.

"Denke darüber nach, dem Journalismus den Rücken zu kehren"

Auch Edda Schlager kann vom Journalismus allein nicht leben. Für ein 20-minütiges Radiofeature aus Zentralasien bekommt sie beim "Deutschlandfunk" rund 1.300 Euro - ohne Reisekosten. Aufwand und Ertrag stehen für sie in keinem vernünftigen Verhältnis mehr. "Ich denke darüber nach, dem Journalismus den Rücken zu kehren", sagt sie. Trotz der vielen tollen Momente, die sie als Journalistin erleben darf.

Auflagenerosion durch das Internet

Der Beruf des Journalisten wird immer mehr zum Luxusberuf, den man sich leisten können muss. Keine guten Nachrichten, schließlich wird der Journalismus so für den qualifizierten und motivierten Nachwuchs uninteressant. Ein Grund für die teils schlechte Entlohnung sind die sinkenden Einnahmen durch die Digitalisierung. Im Netz gibt es fast alles umsonst, Printtitel werden weniger gekauft, die Auflagen sinken seit Jahren. Die Einnahmeverluste können durch Werberlöse auf den Verlagsseiten im Netz nicht aufgefangen werden.

Lösung: Wert des Journalismus steigern

Die Lösung liegt für viele Medienanbieter in den Paid-Content-Angeboten. User sollen auch im Netz den Wert des Journalismus erkennen und dafür zahlen - Premium-Inhalte verschwinden inzwischen bei fast allen großen Marken hinter einer Paywall. Allerdings gibt es guten Journalismus auf Dauer nicht, wenn nur Dumpinglöhne gezahlt werden.

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ZAPP | 14.11.2018 | 23:15 Uhr