Strom: So gelingt der Anbieter-Wechsel

Stand: 18.11.2020 15:30 Uhr

Strom kommt zwar immer aus der Steckdose, doch zu unterschiedlichen Preisen. Der Umstieg auf einen günstigeren Vertrag ist mit Vergleichsportalen einfach und hilft bares Geld zu sparen.

Die Preise für Strom klettern seit Jahren. Private Haushalte zahlen jetzt etwa doppelt so viel wie im Jahr 2000. Doch mit einem Wechsel des Anbieters können Verbraucher den Preisanstieg dämpfen. Dabei sollten sich Stromkunden auch nicht scheuen, einen Lieferanten weit weg vom eigenen Wohnort zu wählen. Geht beim Wechsel etwas schief, stellt der bisherige Stromanbieter die Versorgung weiterhin sicher.

Tarifwechsel beim aktuellen Stromanbieter kann sich lohnen

Zunächst lohnt sich ein Blick auf die jüngste Stromrechnung und die Website des bisherigen Anbieters. Ein Vergleich des aktuellen Tarifs mit den verschiedenen anderen Preismodellen kann Verbrauchern bereits einen günstigeren Tarif zeigen. Die Modelle unterscheiden sich in Details wie Vertragslaufzeit, Herkunft des Stroms, Bezahlung oder Zusatzangeboten. Der teuerste Tarif ist die Grundversorgung, häufig als GVV abgekürzt. Wer diesen Tarif abgeschlossen hat, kann mit einem Wechsel am meisten sparen - auch beim bisherigen Anbieter.

Stromvergleich: Lieferanten über Vergleichsportale finden

Strommast mit Sonnenstrahlen © Fotolia.com Foto: Gina Sanders
Der Umstieg zu einen günstigeren Stromanbieter ist einfach. Vergleichsportale bieten eine Preisübersicht.

Wer das günstigste Angebot seines Lieferanten ermittelt hat, kann prüfen, ob sich bei einem anderen noch mehr Geld sparen lässt. Im Internet gibt es zahlreiche Vergleichsportale, die die Tarife der bundesweit mehr als 1.000 Stromanbieter kennen. Aus wenigen Angaben des Interessenten ermittelt ein Online-Rechner die günstigsten Lieferanten. Doch Vorsicht: Die Webseiten der Portale sind häufig wenig übersichtlich und führen mit diversen Voreinstellungen nicht immer zum besten Ergebnis. So verdienen die Portale an der Vermittlung von Stromverträgen und lassen Anbieter, deren Verträge nicht bei ihnen abgeschlossen werden können, zunächst aus. Sinnvoll ist es, die Ergebnisse mehrerer Portale zu vergleichen und sich auf der Website des ausgewählten Versorgers zu informieren.

Wer sich nicht sicher ist, wie groß der eigene Energiebedarf überhaupt ist und was der Vertrag des Stromanbieters im Individualfall bieten sollte, kann vor dem Stromvergleich die Energieberatung der Verbraucherzentrale konsultieren.

Wechsel-Bonus: Auf Tarif im zweiten Jahr achten

Meist rechnen die Vergleichsportale einen Wechselbonus in den Strompreis ein. Der angezeigte Preis gilt dann zwar für das erste Jahr, erhöht sich aber im zweiten Jahr teils drastisch, da der Bonus wegfällt. Wer nicht jedes Jahr erneut wechseln möchte, sollte Preise ohne Bonus vergleichen. Kunden die regelmäßig wechseln, um Rabatte mitzunehmen, sollten ihre Kundendaten beim Altanbieter löschen lassen. In der Vergangenheit kam es immer wieder vor, dass die Anbieter Daten über häufig wechselnde Kunden untereinander ausgetauscht haben, um "Bonushopper" als Neukunden abzulehnen.

Verbraucherschützer sehen auch Tarife mit Vorauszahlung kritisch, da das Geld bei einer Insolvenz des Lieferanten kaum zurückzuholen ist. Besser sind monatliche Teilbeträge. Die Verbraucherzentrale rät wechselwilligen Stromkunden auch dringend davon ab, bei Werbeanrufen Verträge am Telefon abzuschließen. Die Zusatzleistungen, mit denen Kunden geködert würden, seien nicht lukrativ. Zudem sei die Beweislast schwierig, wenn die Vertragsbestätigung anschließend andere Vertragsbedingungen enthalte als mündlich besprochen.

Kundenbewertungen lesen: Stimmen Preis und Service?

Beim Strom gilt das gleiche Prinzip wie bei anderen Produkten: Gut und günstig schließt sich nicht aus, ist aber selten. Ein kritischer Blick auf den künftigen Lieferanten sollte zum Wechsel gehören. Bei den Vergleichsportalen können Kunden ihren Anbieter meist bewerten. Viele kritische Stimmen dort sind kein gutes Zeichen, denn Billiganbieter sparen häufig am Service. Wer nicht auf den günstigsten Wettbewerber setzen möchte, kann gezielt nach Stadtwerken und kommunalen Stromversorgern suchen, so Stiftung Warentest. Diese beliefern inzwischen häufig nicht mehr nur die eigene Region.

Kündigungsfrist für Stromvertrag beachten

Die meisten Stromverträge können nur zu einem Stichtag im Jahr gekündigt werden und verlängern sich danach um ein weiteres Jahr. Vor dem Stichtag gibt es eine Kündigungsfrist, die mehrere Wochen betragen kann. Wer einen Wechsel plant, muss also rechtzeitig aktiv werden. Das gilt nicht, wenn der bisherige Lieferant eine Preiserhöhung ankündigt. Dann können Verbraucher den Vertrag umgehend auflösen - allerdings nur innerhalb einer Frist, die zum Teil nur zwei Wochen nach Erhalt des Schreibens beträgt.

Wechselservice: Stromanbieter stimmen sich ab

Deutlich einfacher als die Suche nach einem neuen Anbieter ist der Wechsel selbst. Der neue Lieferant setzt sich mit dem bisherigen in Verbindung, kündigt den Vertrag und übernimmt zum vereinbarten Termin ohne Unterbrechung die Lieferung. Die Wohnung des Kunden wird dabei nicht betreten. Er muss lediglich zum Stichtag den Zählerstand ablesen und den beteiligten Unternehmen mitteilen.

Bei Anbieter-Insolvenz springt der Grundversorger ein

Die Angst vieler Verbraucher, plötzlich ohne Strom dazustehen, ist unbegründet. Selbst wenn der Wechsel nicht reibungslos funktionieren sollte, gehen die Lichter nicht aus, denn der örtliche Grundversorger muss einspringen. Meldet der Anbieter Insolvenz an, stellt der Grundversorger die weitere Lieferung sicher.

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