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Richtig heizen: So lassen sich Energie und Geld sparen

Stand: 18.10.2022 13:20 Uhr

Hohe Energiepreise und Klimaschutz: Beim Heizen zu sparen, ist sinnvoll. Doch das Senken der Temperatur hat Grenzen. Die richtige Einstellung und einfache Maßnahmen können dennoch helfen, Kosten zu reduzieren.

Beim Strom- und Gasverbrauch zu sparen, lautet das Gebot der Stunde. Besonders beim Heizen besteht großes Sparpotenzial. Denn laut Bundesumweltamt verbraucht die Heizung 73 Prozent der Energie im Haushalt. Wer die Temperatur im ganzen Haus nur um einen Grad reduziert, spart rund sechs Prozent Energie.

Die Bundesregierung hat aufgrund der Energiekrise beschlossen, öffentliche Gebäude nur noch auf 19 Grad zu heizen. Darüber, welche Temperatur mindestens in privaten Haushalten herrschen sollte, sind sich Energieberater, Bauträger und Gesundheitsexperten allerdings nicht immer einig. Denn die optimale Temperatur für Mensch und Wohnung wird unterschiedlich eingeschätzt und hängt individuell von Alter und Gesundheit der Bewohner sowie dem Alter und der Dämmung des Gebäudes ab.

Nicht weniger als 19 Grad in Wohnbereichen empfohlen

Generell gilt jedoch: Je niedriger die Temperatur in einem Raum ist, desto eher kann sich Schimmel bilden. Bei einer Raumtemperatur von 20 bis 21 Grad ist das Risiko zur Schimmelbildung vergleichsweise gering. Zudem fühlen wir uns bei diesen Temperaturen wohl. Die Absenkung der Temperatur in Wohnräumen auf 19 Grad ist nach Meinung vieler Experten für Mensch und Wohnung vertretbar.

Risiko für Schimmel steigt bei unter 16 bis 18 Grad

Doch zu sehr sollten Verbraucher die Temperatur nicht reduzieren. So warnt das Bundesumweltamt davor, die Heizung in der Heizperiode in viel genutzten Wohnungen auf weniger als 16 bis 18 Grad herunterzudrehen. Denn bei diesen Temperaturen steigt das Schimmelrisiko zum Teil massiv. Das wirkt sich negativ auf Gesundheit und Bausubstanz aus. In Räumen, in denen man sich tagsüber dauerhaft aufhält, sollten daher nach Möglichkeit nicht weniger als 19 Grad herrschen.

Um Schimmel vorzubeugen, sollte zudem regelmäßig stoßgelüftet werden. Am schnellsten geht es mit der Querlüftung, bei der Fenster in gegenüberliegenden Zimmern weit geöffnet werden. In den kalten Wintermonaten reichen meist fünf Minuten. Der Luftzug tauscht die feucht-warme Luft schnell aus. Dauerlüften mit gekippten Fenstern verschwendet dagegen viel Energie.

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Eine Hand öffnet ein Fenster. © fotolia Foto: thingamajiggs

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Thermostate mit Zahlen: Welche Stufe steht für welche Temperatur?

In vielen Haushalten sind noch Thermostate ohne digitale Anzeige der Raumtemperatur verbaut, auf denen sich lediglich Stufen von eins bis fünf per Drehbewegung einstellen lassen.

Doch für welche Temperaturen stehen diese Stufen? Und wie lässt sich die Wärme beispielsweise von 21 auf 20 Grad reduzieren? Ist die Heizungsanlange richtig eingestellt, stehen die einzelnen Stufen laut Verbraucherzentrale in etwa für folgende Raumtemperaturen:

  • 5: circa 28 Grad
  • 4: circa 24 Grad
  • 3: circa 20 Grad
  • 2: circa 16 Grad
  • 1: circa 12 Grad

Die Striche zwischen den Ziffern stellen eine Abstufung der Temperaturen dar. Ein Strich entspricht jeweils ungefähr einem Grad. Wer sich nicht sicher ist, ob die Temperatur stimmt, kann ein Thermometer zu Hilfe nehmen.

Was Schneeflocke, Stern und Sonne auf der Heizung bedeuten

Der Thermostat einer Zentralheizung. © colourbox Foto: -
Steht der Thermostatkopf auf dem letzten Punkt vor der vier, wird der Raum auf etwa 23 Grad geheizt.

Das Symbol der Schneeflocke oder des Sterns bildet bei vielen Thermostaten die kälteste Stufe ab. Die Heizung springt auf dieser Stufe in kalten Wintertagen automatisch an, wenn die Temperatur im Raum unter 6 Grad sinkt. Aus gutem Grund: Denn durch eine konstante Temperatur von 6 Grad kann das Wasser in der Heizung auch an kalten Wintertagen nicht einfrieren. Das schützt Rohre und Heizung vor Frostschäden und Eigentümer vor kostenintensiven Reparaturen.

Das Symbol der Sonne kennzeichnet die optimale Temperatur für Räume, in denen sich Bewohner tagsüber aufhalten. Sie ist bei Stufe 3 zu finden und liegt damit bei etwa 20 Grad.

Ist es günstiger, die Heizung nachts auszuschalten?

Das Symbol des Halbmondes steht für die sogenannte Nachtabsenkung. Die Nachtabsenkung liegt meist zwischen Stufe eins und zwei und damit bei etwa 14 Grad. Aber Achtung: Temperaturen unter 16 Grad erhöhen das Schimmelrisiko erheblich. So empfiehlt die Verbraucherzentrale, die Temperatur in Wohnungen grundsätzlich nicht unter 16 Grad fallen zu lassen.

Die Heizung nachts ganz auszuschalten, ist in den meisten Fällen nicht ratsam. So verbraucht das Wiederaufheizen der kalten Wohnung am Morgen sehr viel Energie, was Einsparungen zunichtemachen und sogar mehr Kosten verursachen kann. Die Heizung nachts auf minimal 16 Grad zu senken, kann aber eine gute Lösung sein.

Ob eine Nachtabsenkung sinnvoll ist, hängt stark vom individuellen Zustand und der Dämmung eines Gebäudes ab. Oft lohnt es sich, die Heizungsanlage von einem Fachbetrieb bedarfsgerecht einstellen zu lassen. Denn unter Umständen kann es zum Beispiel doch sinnvoll sein, die Heizung nachts ganz abzuschalten.

Grundsätzlich gilt aber: Je schlechter ein Gebäude gedämmt ist, desto größer sind die Einsparmöglichkeiten durch die Nachtabsenkung der Heizung. Bei gut isolierten Gebäuden ist der Spareffekt hingegen weniger groß. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass eine gute Gebäudedämmung insgesamt mehr Energie spart, weil schlecht isolierte Gebäude einen hohen Wärmeverlust aufweisen.

Heizung wird auf Stufe fünf nicht schneller warm

Ein Thermostat in einer Nahaufnahme © Colourbox
Wer die Heizung voll aufdreht, hat es nicht schneller warm.

Viele Menschen drehen die Heizung in kalten Wohnungen zunächst auf die fünfte Stufe, damit es schneller warm wird. Das ist energetisch betrachtet keine gute Idee. Denn das Thermostat ist nicht mit dem Aufdrehen eines Wasserhahns vergleichbar. Es regelt nur, welche Temperatur am Ende erreicht werden soll und nicht, wie schnell das geht. Wer die Heizung voll aufdreht und anschließend vergisst, sie zurückzudrehen, heizt mehr als er möchte und verbraucht so mehr Energie.

Heizung entlüften und Wasser nachfüllen

Wenn Heizkörper gluckern und trotz voll geöffnetem Ventil nicht richtig warm werden, hat sich vielleicht Luft darin gesammelt. Diese kann durch ein Entlüftungsventil an der Seite des Heizkörpers abgelassen werden: Becher unterhalten, Schraube mit kleiner Zange öffnen und Luft ablassen, bis nur noch Wasser herauskommt. Für einige Heizkörper sind spezielle Entlüftungsschlüssel erforderlich, die in Baumärkten erhältlich sind.

Wurde viel Luft entfernt, muss eventuell Wasser in den Heizkreislauf nachgefüllt werden. Ein Blick auf die Druckanzeige am Kessel oder der Heiztherme zeigt, ob das notwendig ist. Wer sich das regelmäßige Entlüften sparen möchte, kann am Heizkörper spezielle automatische Entlüftungsventile anbringen.

Zugluft vermeiden: Fenster und Türen abdichten

Bei leichtem Luftzug im Raum fühlt sich die Temperatur niedriger an als sie ist. Fenster und Türen sollten daher gut schließen. Mit einer brennenden Kerze, die bei Zugluft flackert, lassen sich undichte Stellen entdecken. Klebedichtungen aus dem Baumarkt sorgen für Abhilfe. Besonders Türen zum Treppenhaus sollte auch nach unten keine Luft hereinlassen. Dichtungen mit Bürstenstreifen sind flexibel und schließen selbst zentimeterbreite Lücken.

Wärmeverlust meiden: Nischen, Heizungsrohre und Fenster dämmen

Häuser aus den 1950er- bis 1970er-Jahren haben meist dünne, schlecht gedämmte Wände. Hier ist es hilfreich, die Heizkörpernischen mit Polystyrolschaum-Platten mit Alu-Beschichtung zu isolieren. Sie reflektieren die Wärme und halten sie so im Zimmer. Das Material aus dem Baumarkt wird an die Wand geklebt. Damit Heizkörper die Wärme optimal in den Raum abgeben können, sollten sie nicht von Vorhängen oder Möbeln verdeckt werden.

In Einfamilienhäusern steht der Heizkessel meist im Keller. Auf dem Weg in die Wohnräume geben die Heizungsrohre unnötig Wärme ab - so geht viel Energie verloren. Dämmende Rohrisolierungen aus dem Baumarkt lassen sich einfach selbst montieren und sind laut Gebäudeenergiegesetz bei Neuinstallationen vorgeschrieben.

Nachts geht viel Wärme durch die Fenster verloren, selbst bei modernen Scheiben mit Doppel- oder Dreifach-Verglasung. Das gilt besonders für große Glasflächen an Balkonen oder Terrassen. Geschlossene Rollos oder Vorhänge können den Wärmeverlust reduzieren.

Heizung regelmäßig warten und modernisieren

Ein Monteur bei der Wartung einer Heizungsanlage. © Picture-Alliance / blickwinkel / McPHOTO/ BilderBox
Ein Fachbetrieb sollte die Heizung auf den Energiebedarf genau abstimmen.

Daneben gibt es Maßnahmen, die man einem Fachbetrieb überlassen muss. Dazu gehört es, die Heizungsanlage regelmäßig zu warten und zu reinigen. Dabei lohnt ein Blick auf die Umwälzpumpe. Alte Modelle verbrauchen viel Strom, da sie stets mit voller Last arbeiten. Moderne Pumpen passen ihre Leistung dem Bedarf an und sind daher sparsamer. Gegebenenfalls lohnt ein Austausch.

Bei einem sogenannten hydraulischen Abgleich werden alle Komponenten der Heizungsanlage optimal aufeinander und den Wärmebedarf im Haus angepasst. Allerdings kostet diese Einstellung bis zu 1.000 Euro. Auch die Vorlauftemperatur sollte ein Fachbetrieb bedarfsgerecht einstellen.

Förderprogramme bei Modernisierung nutzen

Wer seine alte Heizungsanlage umfassend erneuern möchte, kann unter bestimmten Voraussetzungen Kredite und Zuschüsse für energieeffiziente Sanierungsmaßnahmen der KfW oder des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) erhalten. Das gewünschte Einsparpotenzial lässt sich bei älteren Gebäuden meist jedoch nur durch ein Maßnahmenpaket erreichen, zu dem neben der Heizungsmodernisierung eine wirkungsvolle Außendämmung sowie der Einbau moderner Wärmeschutzfenster gehören.

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NDR Info | 20.09.2022 | 21:45 Uhr

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