Euro-Geldschein werden vor einem Stromzähler im Privathaushalt gehalten. © IMAGO / MiS
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AUDIO: Wie entsteht eigentlich der Strompreis? (5 Min)

Strompreis aktuell: So viel kostet die Kilowattstunde

Stand: 28.11.2022 08:30 Uhr

Der Strompreis ist weiterhin hoch. Aktuelle Daten zeigen die gegenwärtige Entwicklung der Kosten für Neukunden. Ein EU-Beschluss soll die Verbraucher entlasten.

von Claus Hesseling, Anna Behrend

Eine Kilowattstunde Strom kostet im Mittel derzeit 40 Cent für Neukunden. Das geht aus Daten des Vergleichsportals Verivox hervor (Datenstand: 28.11.2022). Bestandskunden und Kunden in der Grundversorgung zahlen oft weniger. Der mittlere Preis der vergangenen sieben Tage ist im Vergleich zur Vorwoche um 0,91 Prozent gesunken. Vor einem Jahr um diese Zeit lag der Preis für Neukunden bei 34 Cent pro Kilowattstunde.

Warum sind die Strompreise so hoch?

Durch den Krieg in der Ukraine ist der Gaspreis stark gestiegen. Dadurch ist auch Strom teurer geworden. Das liegt an der Art und Weise, wie der Strompreis entsteht: Eine europaweit einheitliche Regelung namens Merit-Order-Prinzip sorgt dafür, dass das Kraftwerk mit den höchsten Produktionskosten, das noch benötigt wird, um den Bedarf zu decken, den Strompreis bestimmt. Diesen Preis können auch alle anderen, günstiger produzierenden Anbieter verlangen. So kommt es, dass selbst wenn Wind-, Solar- und Kohlekraftwerke günstig Strom produzieren, der Preis dennoch hoch sein kann. Denn die derzeit teuersten Kraftwerke - die Gaskraftwerke - sind angesichts der Explosion der Gaspreise noch teurer geworden.

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Grundversorger teilweise deutlich günstiger

Bei den Grundversorgern sind die Preise trotz der obigen Faktoren zum Teil deutlich niedriger als der in der Grafik gezeigte Mittelwert der Neukundentarife. Von Verivox heißt es dazu: "Diese Neukundentarife haben eine Preisgarantie und sind teilweise deutlich teurer als manche Grundversorgungstarife, weil sie die hohen Marktpreise für die Dauer der Preisgarantie einkalkulieren."

Grundversorger können Preise erhöhen

Grundversorger können grundsätzlich mit einer Frist von sechs Wochen die Preise erhöhen - auch wenn manche von ihnen eine Preisgarantie anbieten. "Aktuell kann es sein, dass Grundversorger deshalb günstiger sind, als Neukunden-Tarife mit Preisgarantie", heißt es von Verivox. Allerdings würden auch immer mehr Grundversorger ihre Preise erhöhen. "Die Daten zeigen also das aktuelle Preisniveau für Neukunden, das mittelfristig wahrscheinlich auch Bestands- und Grundversorgungskunden erreichen wird", so ein Sprecher des Vergleichportals.

Strompreisbremse ab Januar 2023

Bund und Länder haben sich am 2. November auf eine Reihe von Entlastungsmaßnahmen für die Bürgergeeinigt. Ab 1. Januar 2023 soll bspw. eine Strompreisbremse greifen. Für Haushalte und kleinere Unternehmen soll ein Grundkontingent von 80 Prozent des bisherigen Verbrauchs für einen Brutto-Preis von 40 Cent je Kilowattstunde bereitgestellt werden. Die Versorger sollen die Entlastung direkt mit dem monatlichen Abschlag verrechnen. Industriebetriebe sollen einen garantierten Nettopreis von 13 Cent pro Kilowattstunde für ein Strom-Grundkontingent von 70 Prozent des bisherigen Verbrauchs bekommen, der sich am Jahr 2021 bemisst.

Kritik am Zeitplan der Bundesregierung

Aus der Energiebranche wurden zuletzt Zweifel daran laut, dass die Strompreisbremse wirklich zu Beginn des kommenden Jahres umgesetzt werden kann. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) rechnet damit, dass die entsprechenden Gesetze bis Mitte Dezember vom Bundestag und Bundesrat beschlossen werden können. Die Bundesregierung spricht von einem "ungeheuer komplexen Gesetzgebungsverfahren". Den Zeitplan hatte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft als "völlig unrealistisch" bezeichnet.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 27.10.2022 | 19:30 Uhr

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