Stand: 07.03.2019 16:44 Uhr

Strom: So gelingt der Anbieter-Wechsel

Die Preise für Strom klettern seit Jahren. Private Haushalte zahlen jetzt etwa doppelt so viel wie im Jahr 2000. Doch mit einem Wechsel des Anbieters können Verbraucher den Preisanstieg dämpfen. Auch wer sich davor scheut, den Strom von einem Lieferanten weit weg vom Wohnort zu beziehen, sollte seinen Vertrag überprüfen. Fast alle Stromhändler bieten mehrere unterschiedliche Tarife an.

Energieberater Jörg Huber aus Hamburg.

Stromanbieter wechseln ist leichter als gedacht

Mein Nachmittag -

Mit einem neuen Stromtarif kann man eine beträchtliche Summe Geld sparen. Und der Wechsel des Anbieters ist ganz einfach, sagt Jörg Huber von der Verbraucherzentrale Hamburg.

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Tarifwechsel beim aktuellen Anbieter kann sich lohnen

Zunächst lohnt sich ein Blick auf die jüngste Stromrechnung und die Website des bisherigen Anbieters. Ein Vergleich des aktuellen Tarifs mit den verschiedenen anderen Preismodellen kann bereits zu einem günstigeren Tarif führen. Die Modelle unterscheiden sich in Details wie Vertragslaufzeit, Herkunft des Stroms, Bezahlung oder Zusatzangeboten. Der teuerste Tarif ist die Grundversorgung, häufig als GVV abgekürzt. Wer diesen Tarif abgeschlossen hat, kann mit einem Wechsel am meisten sparen - auch beim bisherigen Anbieter.

Andere Lieferanten finden

Wer das günstigste Angebot seines Lieferanten ermittelt hat, kann prüfen, ob sich bei einem anderen Händler noch mehr Geld sparen lässt. Im Internet gibt es zahlreiche Vergleichsportale, die die Tarife der bundesweit mehr als 1.000 Stromanbieter kennen. Aus wenigen Angaben des Interessenten ermittelt ein Online-Rechner die günstigsten Lieferanten. Doch Vorsicht: Die Webseiten der Portale sind häufig wenig übersichtlich und führen mit diversen Voreinstellungen nicht immer zum besten Ergebnis. So verdienen die Portale an der Vermittlung von Stromverträgen und lassen Anbieter, deren Verträge nicht bei ihnen abgeschlossen werden können, zunächst aus. Sinnvoll ist es, die Ergebnisse mehrerer Portale zu vergleichen und die Website des ausgewählten Versorgers zu besuchen.

Der Trick mit dem Bonus

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Für Privatkunden wird Strom immer teurer.

Meist rechnen die Vergleichsportale einen Wechselbonus in den Strompreis ein. Der angezeigte Preis gilt dann zwar für das erste Jahr, erhöht sich aber im zweiten Jahr teils drastisch, da der Bonus wegfällt. Wer nicht jedes Jahr erneut wechseln möchte, sollte Preise ohne Bonus vergleichen. Verbraucherschützer sehen auch Tarife mit Vorauszahlung kritisch, da das Geld bei einer Insolvenz des Lieferanten kaum zurückzuholen ist. Besser sind monatliche Teilbeträge.

Welcher Stromanbieter ist der richtige?

Beim Strom gilt das gleiche Prinzip wie bei anderen Produkten: Gut und günstig schließt sich nicht aus, ist aber selten. Ein kritischer Blick auf den künftigen Lieferanten sollte zum Wechsel gehören. Bei den Vergleichsportalen können Kunden ihren Anbieter meist bewerten. Viele kritische Stimmen dort sind kein gutes Zeichen, denn Billiganbieter sparen häufig am Service. Wer nicht auf den günstigsten Wettbewerber setzen möchte, kann gezielt nach Stadtwerken und kommunalen Stromversorgern suchen, so Stiftung Warentest. Diese beliefern inzwischen häufig nicht mehr nur die eigene Region.

Kündigungsfrist beachten

Die meisten Stromverträge können nur zu einem Stichtag im Jahr gekündigt werden und verlängern sich danach um ein weiteres Jahr. Vor dem Stichtag gibt es eine Kündigungsfrist, die mehrere Wochen betragen kann. Wer einen Wechsel plant, muss also rechtzeitig aktiv werden. Das gilt nicht, wenn der bisherige Lieferant eine Preiserhöhung ankündigt. Dann können Verbraucher den Vertrag umgehend auflösen - allerdings nur innerhalb einer Frist, die zum Teil nur zwei Wochen nach Erhalt des Schreibens beträgt.

Die Lieferanten stimmen sich ab

Deutlich einfacher als die Suche nach einem neuen Anbieter ist der Wechsel selbst. Der neue Lieferant setzt sich mit dem bisherigen in Verbindung, kündigt den Vertrag und übernimmt zum vereinbarten Termin ohne Unterbrechung die Lieferung. Die Wohnung des Kunden wird dabei nicht betreten. Er muss lediglich zum Stichtag den Zählerstand ablesen und den beteiligten Unternehmen mitteilen.

Notfalls springt der Grundversorger ein

Die Angst vieler Verbraucher, plötzlich ohne Strom dazustehen, ist unbegründet. Selbst wenn der Wechsel nicht reibungslos funktionieren sollte, gehen die Lichter nicht aus, denn der örtliche Grundversorger muss einspringen. Meldet der Anbieter Insolvenz an, wie jüngst die Bayerische Energieversorgung (BEV), stellt der Grundversorger die weitere Lieferung sicher.

Strompreise im Norden (Jahrespreis für 3.500 kWh)
Grundversorgungs-Tarifgünstige Anbieter ohne Bonus
Rostock1.064 Eurocirca 900 Euro
Hannover1.086 Eurocirca 950 Euro
Schwerin1.151 Eurocirca 960 Euro
Kiel1.185 Eurocirca 1.000 Euro
Hamburg1.199 Eurocirca 1.000 Euro
Stand: 07.03.2019, Quelle: check24.de
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Mein Nachmittag | 07.03.2019 | 16:20 Uhr

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