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Standby-Modus: Wie viel Strom verbrauchen Geräte auf Abruf?

Stand: 19.09.2022 14:00 Uhr

Elektrogeräte im Standby-Modus verbrauchen im ungenutzten Zustand Strom. Für einige Geräte kann das sinnvoll sein, andere wiederum sollten ausgeschaltet werden, um Energie und Kosten zu sparen.

Der Standby-Modus versetzt Kaffeemaschinen, Fernseher und Soundanlagen in eine Art "Bereitschaftsdienst", sodass Nutzer nicht lang warten müssen, bis vermeintlich ausgeschaltete Geräte wieder startklar sind. Was im Alltag bequem sein kann, kostet viel Strom: Denn etwa acht Prozent ihres Stromverbrauchs verursachen Haushalte durch den Standby-Betrieb von Elektrogeräten. Das ergaben Berechnungen des Online-Vergleichsportals Check24. Oder anders betrachtet: Deutsche verbrauchen jährlich circa 10,5 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom, um ihre Geräte im Standby-Modus zu betreiben. Zum Vergleich: Ein mittleres Atomkraftwerk erzeugt jährlich etwa elf Milliarden kWh.

Router und OLED-Fernseher im Standby-Modus lassen

"Grundsätzlich können alle Elektrogeräte vom Stromnetz getrennt werden", erklärt Christof Windeck vom IT- und Tech-Fachmagazin c't. Doch es gibt Geräte, die im Standby-Modus bleiben sollten. So zum Beispiel Router im Haushalt, um Smartphones und Tablets mit dem WLAN zu verbinden und sie mit notwendigen Updates zu versorgen. Sogenannte OLED-Fernseher sollten unmittelbar nach der Nutzung nicht abgeschaltet werden. Denn im Hintergrund des Standby-Modus wird ein Prozess zur Erhaltung der Bildqualität durchgeführt, der den sogenannten Einbrenneffekt verhindert.

Laut Sascha Beetz, Referent für Energie bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, kann eine programmierbare Steckerleiste für OLED-Fernseher sinnvoll sein. So bleibt das Gerät zunächst noch im Standby-Betrieb. Ab einem gewissen Zeitpunkt, zum Beispiel etwa eine Stunde nach dem Schlafengehen, schaltet es sich dann automatisch ab. "Bis dahin sollten die automatischen Regenerationsläufe der Displays beendet sein", so Beetz.

Verschiedene Steckerleisten für Standby- und Nicht-Standby-Geräte

Eine Steckerleiste mit Kippschalter zum An- und Ausschalten © NDR Foto: Elke Janning
Über eine Steckerleiste mit Kippschalter können Elektrogeräte, die keinen Standby-Betrieb benötigen, mit einem Knopfdruck ausgeschaltet werden.

Wer seinen Standby-Verbrauch senken möchte, sollte zunächst prüfen, welche Haushaltsgeräte nach ihrer Nutzung ausgeschaltet werden können und welche ständig Stromzufuhr brauchen. Aufschluss darüber geben Benutzerhandbücher und Bedienungsanleitungen der Hersteller. Diese sind bei neueren Geräten in der Regel auch über Suchmaschinen auf den Websites der Hersteller abrufbar. Besonders bei Unterhaltungselektronik gibt es Potenzial zum Einsparen: Laptops, Soundanlagen, Spielekonsolen und Fernseher ohne OLED-Technik können nach ihrer Nutzung meist problemlos ausgeschaltet werden.

Damit Geräte tatsächlich ausgeschaltet sind, sollte jeweils der Stecker gezogen werden. Weil das regelmäßige Ziehen aller Stecker im Haushalt aber mühsam ist, können Verbraucher Geräte an eine gemeinsame Steckerleiste anschließen. Steckerleisten mit rotem Kippschalter müssen händisch ausgeschaltet werden, was unbequem sein kann, wenn die Steckerleiste schwer erreichbar ist. Steckerleisten mit Fernbedienung schaffen Abhilfe und sind im Handel für etwa 30 bis 40 Euro erhältlich. Wer sich gar nicht mit dem Ausschalten seiner Elektrogeräte beschäftigen möchte, kann auf Steckerleisten mit Zeitschaltuhr zurückgreifen. Sie schalten sich in vorgegebenen Zeiträumen, zum Beispiel täglich zwischen 23 Uhr und 6 Uhr, automatisch ab.

Gefahren beim Einsatz von Steckerleisten beachten

Technische Details auf der Rückseite einer Steckerleiste, die maximal 3.680 Watt fasst © NDR Foto: Elke Janning
Die Leistung dieser Steckerleiste liegt bei 3.680 Watt. Durch Überlastung kann sie erhitzen und Kabelbrand entstehen.

Mehrfachsteckdosen sind nur für bestimmte Höchstleistungen ausgelegt, zum Beispiel 3.600 Watt. Die Leistung aller angeschlossenen Geräte darf diese nicht überschreiten. 3.600 Watt können bereits überschritten sein, wenn eine Kaffeemaschine, ein Wasserkocher und ein Toaster angeschlossen werden. Verbraucher sollten in solchen Fällen weitere Steckerleisten anbringen. Christoph Windeck von der Fachzeitschrift c't warnt jedoch davor, einfach mehrere Steckerleisten hintereinander zu schalten: "Viele Steckerleisten sind von schlechter Qualität. Es kann zu Kontaktwiderständen kommen, die dafür sorgen, dass sich die Steckdosenleiste erhitzt."

Oft wird auch Strom verbraucht, wenn nichts leuchtet

Vorsicht ist auch bei Geräten geboten, bei denen kein Standby-Lämpchen brennt. Auch sie können ausgeschaltet Strom verbrauchen. Ob im Haushalt Geräte stehen, die das Budget unnötig belasten und Strom verschwenden, lässt sich ganz einfach prüfen - am besten in der Urlaubszeit. Einfach kurz vor der Reise und danach den Zählerstand notieren. Liegt der Dauerstromverbrauch während der Abwesenheit bei mehr als einer Kilowattstunde pro Tag, lohnt es sich zu handeln.

EU hat Grenzen zum maximalen Verbrauch festgelegt

Mit der "Standby-Verordnung" der Ökodesign-Richtlinie hat die Europäische Kommission festgelegt, dass Elektrogeräte ohne Internetverbindung im Standby-Betrieb seit 2013 nicht mehr als 0,5 Watt verbrauchen dürfen. Internetfähige Geräte wie moderne Drucker und Spielekonsolen hingegen benötigen mehr Energie. Sie dürfen seit 2017 im Standby nur noch bis zu 12 Watt statt wie vorher bis zu 80 Watt verbrauchen. Verbraucher sollten besonders bei älteren Elektrogeräten, für die diese Vorgaben noch nicht galten, eine Neuanschaffung in Erwägung ziehen.

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Markt | 29.08.2022 | 14:46 Uhr

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