Naturkatastrophen: Extremwetter im Norden

Weltweit haben in den vergangenen 20 Jahren klimabedingte Naturkatastrophen wie Stürme, Überschwemmungen und Waldbrände - und damit auch die wirtschaftlichen Verluste - zugenommen. Zu diesem Ergebnis kommt ein UN-Bericht im Oktober 2018. Allein in Deutschland sind durch Stürme und Fluten Schäden von 57,9 Milliarden US-Dollar entstanden.

Auch in Norddeutschland richten extreme Wetterereignisse immer wieder enorme Schäden an und fordern Todesopfer. Stürme, Fluten oder Dürren treten zum Teil regional begrenzt auf oder treffen weite Teile des Nordens. Eines haben alle gemeinsam: Sie hinterlassen Spuren bei den betroffenen Menschen und in der Natur.

Eine Auswahl an Ereignissen seit der Jahrtausendwende:

  • August 2002

    Elbe-Hochwasser

    Starke Regenfälle im Erz- und Riesengebirge lassen im Sommer 2002 die Pegel der Elbe stark steigen. Nachdem die Flut in Dresden steht, bereiten sich die Anwohner der Elbe im Norden auf die Scheitelwelle vor. Und die Wassermassen kommen: Bei strahlendem Sonnenschein steigt das Wasser unaufhaltsam. Bis zu 1,50 Meter steht die Altstadt von Hitzacker unter Wasser.

  • 2003

    Hitzewelle und Dürre

    Der Sommer 2003 bricht viele Rekorde: Hitze und Trockenheit bestimmen besonders im Juli und August das Wetter. Niedersachsen verzeichnet 1.913 Sonnenstunden - von 1981 bis 2010 lag der Mittelwert dagegen bei 1.528 Stunden. Die hohen Temperaturen und geringen Niederschläge lassen die Wasserpegel der Flüsse und Seen sinken. An der Innerstetalsperre legt das Niedrigwasser alte Baumstümpfe frei.

  • 8. Januar 2005

    Orkan "Erwin"

    "Erwin" trifft mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 180 Kilometern pro Stunde auf die deutsche Nordseeküste und fegt über Hamburg und Schleswig-Holstein hinweg. Bäume stürzen um, Dächer werden abgedeckt. Zwei Kajakfahrer ertrinken im Brahmsee. Besonders schwer trifft es Sylt.

  • April 2006

    Hochwasser

    Tauwetter in den Mittelgebirgen am Oberlauf der Elbe löst eines der stärksten Hochwasser des Flusses aus. In Niedersachsen werden Hitzacker und Teile der Altstadt von Lauenburg überflutet. Erst im Jahr 2008 ist Hitzacker durch neue Hochwasserschutzanlagen besser vor Überschwemmungen geschützt.

  • 18. Januar 2007

    Orkan "Kyrill"

    Orkan "Kyrill" tobt in Europa. 47 Menschen sterben, elf von ihnen in Deutschland. Erstmals in der Geschichte der Deutschen Bahn steht der Schienenverkehr fast völlig still. Versicherer schätzen die Sturmschäden auf mehr als 2,3 Milliarden Euro. Im Harz vernichten die Orkanböen große Waldflächen.

  • 1. März 2008

    Orkan "Emma"

    Sturmtief "Emma" wütet, in Deutschland sterben sieben Menschen. Der Hamburger Fischmarkt wird durch eine Sturmflut überschwemmt. In Hamburg kommt es zur Beinahe-Katastrophe, weil ein Airbus der Lufthansa beim Landeanflug von heftigen Böen erfasst wird.

  • 9. Januar 2010

    Sturmtief "Daisy": Schnee und Kälte

    In Norddeutschland bricht das Winterchaos aus: Das Sturmtief "Daisy" bringt Schneemassen in den Norden. Meter hohe Schneewehen behindern auf Fehmarn den Verkehr, Autobahnen werden gesperrt und stellenweise bricht das Stromnetz zusammen. Die Kältewelle dauert noch wochenlang an.

  • 28. Februar 2010

    Orkan "Xynthia"

    Ende Februar streift das Orkantief "Xynthia" Niedersachsen auf seinem Weg vom Baskenland über Frankreich nach Südschweden. Auf dem Brocken werden Windgeschwindigkeiten von 180 Kilometern pro Stunde gemessen. Zahlreiche Bäume werden entwurzelt. Europaweit sterben mehr als 50 Menschen.

  • Juli 2010

    Fallböe über Helgoland

    Über Helgoland zieht ein "Downburst", eine Gewitter-Fallböe, hinweg und hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Elf Menschen werden verletzt. Auf dem Festland richtet der Sturm schwere Schäden an und zwei Menschen sterben.

  • 27. August 2010

    Hochwasser in Osnabrück

    Ende August steht Osnabrück unter Wasser. Der damalige Oberbürgermeister Boris Pistorius muss den Katastrophenalarm ausrufen. Tausende Helfer sind im Einsatz, als die Pegel der Flüsse Hase, Düte und des Belmer Baches dreimal höher liegen als normal. Schuld ist das Tief Cathleen.

  • Mai 2013

    Hochwasser

    Katastrophenalarm in Niedersachsen: Ende Mai steigen die Pegel der Aller und Weser, Anfang Juni droht dem Norden des Landes ein Rekordhochwasser der Elbe. Auch in Schleswig Holstein sind die Fluss-Anwohner alarmiert. Die Altstadt von Lauenburg wird evakuiert. Millionen Sandsäcke verstärken die Deiche. Tausende Helfer sind in den betroffenen Bundesländern im Einsatz. Am Ende kommt das Land mit einem "blauen Auge" davon. Laut der Versicherung Munich Re ist die Überschwemmung, die auch Österreich, die Tschechische Republik, Ungarn, Polen und die Schweiz trifft, eine der teuersten für die Gesamtwirtschaft weltweit.

  • 27. Oktober 2013

    Orkan "Christian"

    Ende Oktober 2013 fegt Orkan "Christian" über die Nordsee. Die heftigsten Böen werden mit 191 Kilometern pro Stunde auf Helgoland gemessen. Auch auf dem Festland gibt es erhebliche Schäden. Allein in Deutschland sterben sieben Menschen. Europaweit werden die Schäden auf mehr als zwei Milliarden Euro geschätzt.

  • 5. Dezember 2013

    Orkan "Xaver"

    Orkan "Xaver" wütet tagelang in Norddeutschland. Am 6. Dezember führt er zur zweithöchsten Sturmflut, die in Hamburg je gemessen wurde. Der Wasserstand der Elbe steigt bis auf 6,09 Meter über Normalnull und liegt damit fast vier Meter über dem mittleren Hochwasser. Straßen in Flussnähe stehen unter Wasser, doch die Deiche halten.

  • 31. März 2015

    Orkan "Niklas"

    "Niklas" bringt den Zugverkehr im Norden größtenteils zum Erliegen - der Orkan entwurzelt Bäume, zerstört Oberleitungen. Er ist einer der stärksten Stürme der vergangenen 30 Jahre. Ungewöhnlich ist auch, dass ein derart starkes Orkantief so spät nach dem Winter durch Mitteleuropa zieht. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sterben durch "Niklas" mindestens zehn Menschen.

  • 5. Mai 2015

    Tornado in Bützow

    Anfang Mai 2015 fegt ein starker Tornado mit geschätzten Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde über die Kleinstadt Bützow in Mecklenburg-Vorpommern hinweg. Der Sturm hinterlässt ein Trümmerfeld: abgedeckte Dächer, eingestürzte Wände, entwurzelte Bäume.

  • 5. Oktober 2017

    Sturmtief "Xavier"

    "Xavier" verursacht enorme Schäden: Weil viele Bäume um diese Jahreszeit noch stark belaubt sind, knickt der Sturm sie um wie Streichhölzer. Acht Menschen sterben in Nord- und Ostdeutschland. Dächer werden abgedeckt, in Wilhelmshaven stürzt ein 1.000 Tonnen schwerer Kran ins Hafenbecken. Wegen vieler Schäden an Oberleitungen und Gleisen gibt es erhebliche Probleme beim Zugverkehr, Tausende Passagiere sitzen fest.

  • Januar 2018

    Orkan "Friederike"

    Stromausfall in Hann. Münden, Schneechaos im Harz, Autobahn 7 gesperrt und große Einschränkungen im Bahnverkehr - "Friederike" richtet Mitte Januar 2018 große Schäden an. Die Deutsche Bahn stellt bundesweit den Fernverkehr kurzzeitig ein. Die Bilanz am Ende: Europaweit zehn Tote und Versicherungsschäden in Höhe von rund einer Milliarde Euro.

  • 2018

    Hitzewelle und Dürre

    Das Jahr 2018 ist durch zwei Wetterlagen gekennzeichnet: hohe Temperaturen und geringe Niederschläge. Es ist laut Deutschem Wetterdienst das wärmste Jahr in Deutschland seit Beginn der systematischen Beobachtungen im Jahr 1881. In der Mitte Deutschlands wird der trockenste Sommer registriert und auch im Norden führt der fehlende Regen zu enormen Ernteausfällen, Einschränkungen beim Schiffsverkehr und ersten Problemen bei der Trinkwasserversorgung.

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