Stand: 09.05.2019 16:33 Uhr

Bier auf Wein, das lass sein?

Bild vergrößern
Alkohol wie Rotwein ist kalorienreicher, als viele denken.

Wenn es um Alkohol geht, sind Trinkweisheiten nicht weit. Es gibt zahlreiche Tipps, wie ein alkoholreicher Abend und der Tag danach bestmöglich überstanden werden können. Doch was ist dran an derartigen Empfehlungen?

Macht Durcheinander-Trinken schneller betrunken?

"Bier auf Wein, das lass sein. Aber: Wein auf Bier, das rat' ich dir." Alles Quatsch! Beim Alkohol kommt es nicht auf die Reihenfolge an, sondern auf die Menge. Für die Verträglichkeit spielt es keine Rolle, ob Bier auf Wein oder Wein auf Bier folgt. Doch wenn wir viel durcheinander trinken, gönnen wir uns häufig eine größere Menge Alkohol. Bleiben wir den ganzen Abend bei einem Getränk, wird es für unsere Geschmacksnerven schnell langweilig - wir trinken weniger. Das Durcheinander-Trinken ist so oft mit dem Konsum größerer Mengen Alkohol verbunden und wird fälschlicherweise als Ursache für den Kater am nächsten Morgen gesehen.

Stimmt es, dass Alkohol im Essen verkocht?

Ein Schuss Likör oder ein ganzes Glas Wein - alkoholische Getränke können Speisen verfeinern und ihnen ein besonderes Aroma verleihen. Dass der Alkoholgehalt beim Kochen verdampft, ist eine Mär: Zwar verdunstet Alkohol bei 78 Grad Celsius, doch der Alkohol verbindet sich mit Fett. Und das hält die Alkoholmoleküle fest.

Hat Alkohol wirklich so viele Kalorien?

Bild vergrößern
Ein Liter Bier ist so kalorienhaltig wie ein Würstchen mit Kartoffelsalat.

Wer ein paar Gläser Bier trinkt, soll angeblich den Kaloriengehalt einer ganzen Mahlzeit zu sich nehmen. Und tatsächlich sind Wein, Bier und Cocktails deutlich kalorienreicher, als vielen Konsumenten bewusst ist. Ein Gramm reiner Alkohol enthält bereits sieben Kilokalorien. Und in einem durchschnittlich großen Glas Bier stecken ganze 130 Kalorien. Auch Weiß- oder Rotwein tragen nicht unbedingt zur schlanken Linie bei: Mit etwa 140 Kalorien entspricht ein Glas Wein einem Schokokeks. Regelmäßiger Alkoholkonsum kann daher zu Übergewicht beitragen.

Macht Trinken auf nüchternen Magen schneller betrunken?

An diesem Mythos ist etwas dran! Wer vorhat, Alkohol zu trinken, sollte nicht auf das Abendessen verzichten. Denn bei leerem Magen gelangt der Alkohol schneller ins Blut. Doch leider ist die vorsorgliche "Grundlage" trügerisch: Der Alkohol gelangt in jedem Fall in unsere Blutlaufbahn, nur langsamer. Durch die Verzögerung kann die Wirkung des Alkohols unterschätzt werden.

Schnaps nach dem Essen: Wirklich gut für die Verdauung?

Um das Völlegefühl zu vertreiben, greifen viele nach fettigem Essen zum Verdauungsschnaps. Bei der Verdauung hilft der "Kurze" danach aber nicht, im Gegenteil: Je mehr Alkohol wir trinken, desto langsamer verläuft unsere Verdauung. Das Wohlbefinden nach dem Schnaps entsteht, weil sich die Muskulatur des Magens vorübergehend entspannt, wenn wir Alkohol trinken. Statt Schnaps sollten wir besser Kräuter-Tee wählen - der hilft wirklich.

Hilft der Schlummertrunk beim Einschlafen?

Nach einer gewissen Menge macht Alkohol müde und lässt uns besser einschlafen - das ist wissenschaftlich erwiesen. Doch in der zweiten Nachthälfte bewirken zu viel Rotwein und Co. das Gegenteil: Der Schlaf wird unruhiger und leichter. Da Alkohol den Harndrang verstärkt, besteht ebenso die Gefahr, nach dem Schlummertrunk häufiger auf die Toilette gehen zu müssen.

Rollmops gegen den Kater danach?

Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen - typische Beschwerden nach einer durchzechten Nacht. Bis heute gibt es keine eindeutige wissenschaftliche Erklärung für den Kater am nächsten Morgen. Einige Forscher sehen die Ursache im Zellgift Acetaldehyd - es entsteht beim Alkoholabbau im Körper. Andere Wissenschaftler machen den Mangel an Wasser als Hauptverursacher verantwortlich. Wer zu tief ins Glas geschaut hat, führt seinem Körper mit einem salzigen und nährstoffreichen Frühstück verloren gegangene Mineralstoffe zu. Tomatensaft mit Salz oder Brühe helfen ebenso. Ein Spaziergang an der frischen Luft baut den Alkohol zwar nicht schneller ab, fördert aber das Wohlbefinden. Und ganz wichtig: viel Wasser trinken.

Fast 1,8 Millionen Alkoholabhängige in Deutschland

Alkohol ist die am häufigsten konsumierte legale Droge in Deutschland: Rund 96 Prozent der erwachsenen Deutschen trinken laut der Aktionswoche Alkohol zumindest ab und zu ein Glas. Rund 1,77 Millionen Menschen sind alkoholabhängig, zudem werden rund 74.000 Todesfälle pro Jahr auf missbräuchlichen Alkoholkonsum oder Alkoholmissbrauch in Verbindung mit Tabakkonsum zurückgeführt. Der Pro-Kopf-Verbrauch von reinem Alkohol ist in den vergangenen 40 Jahren zurückgegangen. Im internationalen Vergleich zählen die Deutschen allerdings weiterhin zu denen, die am meisten trinken. Dabei konsumieren Männer nach wie vor mehr Alkohol als Frauen. Der regelmäßige Alkoholkonsum bei Jugendlichen in Deutschland geht laut einer Studie weiter zurück.

Weitere Informationen
Link

Jugendliche trinken weniger Alkohol

Alkohol büßt bei Jugendlichen weiter an Beliebtheit ein. Laut einer Studie gaben nur 8,7 Prozent an, einmal pro Woche zur Flasche zu greifen. Mehr bei tagesschau.de. extern

Quiz

Was wissen Sie über Alkohol?

Fördert ein Schnaps wirklich die Verdauung und ein Schlummertrunk guten Schlaf? Sie wissen es? Dann beweisen Sie Ihr Wissen mit unserem Quiz. Viel Spaß! Quiz

Alkoholsucht kann jeden treffen

Aus dem gemütlichen Glas Wein nach Feierabend werden schnell ganze Flaschen. Jährlich sterben in Deutschland mindestens 73.000 Menschen an den Folgen von Alkoholmissbrauch. mehr

Alkoholsucht: Viele ältere Menschen betroffen

Zu viel Alkohol kann für ältere Menschen schnell ein Problem werden. Wer ist besonders gefährdet, an Alkoholsucht zu erkranken? Und wie behandelt man die Abhängigkeit? mehr

Pils, Weizen und Co. - Fakten rund ums Bier

Aus gerade einmal vier Zutaten stellen deutsche Brauer rund 6.000 Biersorten her. Bier-Sommeliers unterscheiden mindestens 800 verschiedene Aromen. Besonders Craft Beer liegt im Trend. mehr

Mit Medikamenten gegen die Alkoholsucht

Die Alkoholsucht fängt meist harmlos an - bis aus dem gemütlichen Feierabendbier mehrere Gläser werden. Neben der Psychotherapie können auch Medikamente helfen. mehr

Alkohol: Achtung, Dickmacher!

Alkohol regt verschiedene Stoffwechselprozesse im Körper an und verursacht damit Hunger. Zudem sind die alkoholischen Getränke selbst wahre Kalorienbomben. mehr

Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 10.05.2019 | 16:20 Uhr

Mehr Ratgeber

03:15
Nordtour
26:53
NDR Fernsehen