Stand: 23.04.2018 17:43 Uhr  | Archiv

Eine Steuer auf Plastik-Produkte? Ja, bitte!

Die Idee einer sogenannten Plastik-Steuer gewinnt auf EU-Ebene immer mehr Zuspruch. Zuerst war es EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger, der nach einem Weg sucht, das Etatloch zu stopfen, das der EU-Austritt der Briten reißen wird. Außerdem verweist er auf das riesige Aufkommen von Wegwerf-Kunststoff und die Vermüllung der Meere. Hier setzt nun auch Grünen-Chef Robert Habeck an, der weniger an die Steuereinnahmen denkt. Ihm ist es wichtig, dass die Steuer eine Lenkungswirkung hat - dass die Verbraucher also umdenken und seltener zu Plastik greifen.

Porträtbild der ARD-Hauptstadtstudio-Korrespondentin Claudia Plaß. © ARD-Hauptstadtstudio Foto: Jens Jeske
Verbraucher, Handel und Politik seien gefordert, um das Plastik-Problem in den Griff zu bekommen, meint Claudia Plaß.

Haben Sie auch - so wie ich - beim Einkaufen einen Stoffbeutel dabei? Lassen Sie sich auch Ihren "Coffee to go" am Kiosk in den eigenen Thermobecher füllen? Wunderbar! Es bewegt sich etwas. Bei immer mehr Verbrauchern steigt das Bewusstsein für das Thema Plastikmüll.

Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr in den Weltmeeren. Die Umweltschutzorganisation WWF hat ausgerechnet, dass weltweit pro Minute eine Lastwagen-Ladung Plastikmüll ins Meer gekippt wird. Eine Gefahr für Fische und Seevögel, die den Müll schlucken und daran verenden. Und ein Risiko auch für uns. Um dieses riesige Problem in den Griff zu bekommen, muss jede Möglichkeit genutzt werden. Verbraucher, Handel und Politik sind gefordert.

Habeck und Oettinger denken voraus

Wenn jetzt Grünen-Chef Habeck eine EU-weite Plastik-Steuer auf Wegwerf-Produkte fordert, dann kann man nur hoffen, dass sie so schnell wie möglich umgesetzt wird. Habeck ist nicht der erste, der über eine EU-weite Plastik-Steuer nachdenkt. EU-Kommissar Oettinger brachte sie Anfang des Jahres ins Gespräch. Sie soll nicht nur Müll reduzieren, sondern auch dazu führen, dass die Mitgliedsstaaten mehr Geld einnehmen und weniger an Europa zahlen müssen. Nicht unwichtig in Zeiten des Brexit: Schließlich muss das riesige Haushaltsloch gestopft werden, das durch den Brexit entsteht.

Bio und Plastik - das passt nicht zusammen

Wenn jetzt einige Finanzexperten kritisieren, dass ein paar Cent mehr für eine Kunststoff-Verpackung Verbraucher nicht dazu bringen würden, ihr Konsumverhalten zu verändern - geschenkt. Tatsächlich ist es nicht leicht, im Supermarkt anders als gewohnt einzukaufen. Schließlich bekommt man dort kaum Produkte ohne Plastikverpackung. Sogar Bio-Obst ist in Plastik eingeschweißt - ein Widerspruch in sich. Deswegen braucht es neben einer Plastik-Steuer auch eine Recycling-Strategie und strengere Regeln für die Entsorgung. Auch hier hat sich die EU auf den Weg gemacht: Bis 2030 sollen alle Plastikverpackungen recycling-fähig oder mehrmals verwendbar sein.

Der EU bleibt gar keine Wahl

Überhaupt bleibt der EU keine Wahl; dafür sorgt schon China - denn es gibt keine bequeme Lösung mehr, den Müll dorthin loszuwerden. China nimmt Europas Plastik nicht mehr. Das Plastikmüll- Problem wird also immer größer und sichtbarer.

Wie gut, dass es Initiativen etwa von Cafés gibt, die einen Rabatt gewähren, wenn Kunden ihren eigenen Thermobecher mitbringen. Dann kann es auch gerne eine Steuer auf Plastik geben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 23.04.2018 | 17:08 Uhr

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