Das in Stralsund gebaute Expeditions-Kreuzfahrtschiff "Crystal Endeavor" liegt am 26.06.2021 nach der Taufe am Ausrüstungskai der Werft. © picture alliance/dpa Foto: Stefan Sauer
Das in Stralsund gebaute Expeditions-Kreuzfahrtschiff "Crystal Endeavor" liegt am 26.06.2021 nach der Taufe am Ausrüstungskai der Werft. © picture alliance/dpa Foto: Stefan Sauer
Das in Stralsund gebaute Expeditions-Kreuzfahrtschiff "Crystal Endeavor" liegt am 26.06.2021 nach der Taufe am Ausrüstungskai der Werft. © picture alliance/dpa Foto: Stefan Sauer
AUDIO: #93 Stralsunder Werft in städtischer Hand: Fluch oder Segen? (40 Min)

Podcast Dorf-Stadt-Kreis: Eine Stadt kauft eine Werft

Stand: 22.09.2022 11:03 Uhr

Vor mehr als einem halben Jahr hat die Stadt Stralsund die insolvente Werft erworben. Seitdem haben sich zwar neue Unternehmen auf dem Gelände eingemietet. Doch die Stadt ist längst nicht da, wo sie eigentlich hinmöchte.

von Silvana Mundt

Noch ist auf dem ehemaligen Gelände der MV Werften in Stralsund nicht viel los. Das soll sich ändern. Im besten Fall so schnell wie möglich. Mindestens 1.000 Menschen, so sagte es Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow, sollen auf dem 34 Hektar großen Gelände mal arbeiten. Ihm wäre auch lieber, die Stadt käme schneller voran. Denn weit gekommen ist sie noch nicht. Gerade mal rund 150 Menschen sind derzeit auf dem Werftgelände beschäftigt, ein Teil davon beim Stahlbauunternehmen Ostseestaal, dessen Auftragsbücher überquellen. Das Unternehmen hat neue Kunden an Land gezogen und setzt, so der technische Direktor Thomas Kühmstedt, ganz klar auf den Standortvorteil an der Kaikante.

Bislang nur drei Verträge unterschrieben

Weit mehr als die Hälfte der Produktionsfläche ist inzwischen verpachtet. Bislang sind drei Verträge unterschrieben worden. Damit es noch mehr werden, rührt die Stadt seit dem Kauf im Frühjahr emsig die Werbetrommel für den Standort, der fortan nicht mehr von nur einem großen Einzelplayer dominiert sein soll. Denn mit jeder weiteren Insolvenz gab es auch einen neuen Scherbenhaufen. Nun setzt Stralsund mit der Entwicklung eines maritimen Industrie- und Gewerbegebietes auf Flexibilität, auf Innovation, Entwicklung und Projektarbeit. Schlagworte wie „Grüne Werft“, „Energiewende“ und „Nachhaltigkeit“ fallen, wenn Vertreter der Stadt über die Zukunft des 34 Hektar große Geländes sprechen.

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Stadt muss Betriebskosten einsparen

Die Stralsunder Pläne, die in der Schiffbaubranche auf Interesse stoßen, bergen aber auch große Herausforderungen. Es geht schließlich um nichts weniger, als unter den aktuellen Rahmenbedingungen einen energieintensiven Produktionsstandort zu entwickeln. Die Stadtverwaltung, die das Projekt ausschließlich mit eigenen Leuten wuppt, plant die Eigenversorgung mit Strom und Wärme und will so viel wie möglich auf dem Gelände selbst erzeugen. Dabei setzt die Stadt auf Altbewährtes und Innovatives und könnte so von den horrenden Betriebskosten herunterkommen, die momentan mit geschätzt rund 2,5 Millionen Euro zu Buche schlagen. Dafür muss sie aber auch den Rotstift ansetzen.

Ungeduld und Hoffnung

Die Stadt wird bei ihren Bemühungen von allen Seiten beobachtet, auch von einem extra eingerichteten Begleitausschuss der Stralsunder Bürgerschaft, aber auch vom Schiffbauverband. Ungeduldig warten Gewerkschaft und Schiffbauer darauf, dass sich auf der Werft etwas bewegt. Dabei geht der Blick vor allem gen Norwegen zum Schiffbauer Fosen Yard. Das Unternehmen hat schon vor Monaten den Pachtvertrag für einen Großteil der Werftfläche unterschrieben. Doch bis auf regelmäßige, wenn auch reduzierte Pachtzahlungen, ist bislang noch nicht viel passiert.

Mirja Freye und Silvana Mundt stehen vor dem Werftgelände in Stralsund © ndr
Mirja Freye und Silvana Mundt nehmen den Stralsunder Plan vom maritimen Industrie- und Gewerbegebiet Volkswerft unter die Lupe.

Und trotzdem: Die Hoffnung, dass auf der Werft wieder Schiffe im großen Stil gebaut werden, die bleibt und wird von vielen ehemaligen Werftlern gehegt, wie Erik Augustin: „Wer einmal ein Schiff gebaut hat, der möchte immer wieder welche bauen. Das ist schon etwas ganz Besonderes.“.

Geht der Stralsunder Plan vom maritimen Industrie- und Gewerbegebiet Volkswerft auf oder hat sich die Stadt an dem Projekt verhoben? Dieser Frage gehen Mirja Freye und Silvana Mundt, Reporterin im Vorpommernstudio Greifswald, in der aktuellen Podcast-Folge von Dorf Stadt Kreis auf den Grund.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 22.09.2022 | 12:00 Uhr