Stand: 25.11.2019 14:00 Uhr

Composer in Residence: Unsuk Chin

Unsuk Chin - eine Komponistin mit unverwechselbarer Handschrift und klarer Zielrichtung, denn: Neue Musik braucht Foren.
Inspiration im Dialog mit der Welt

Was sie tut, erfüllt sie mit ganzem Engagement; den Schongang kennt sie nicht. Die Resonanz für ihr Schaffen sucht sie nicht über typische Institutionen der Neuen Musik, nicht in einem speziellen, sondern im allgemeinen Musikleben. Sie entschied sich so aus einem offenen, dialogischen Verständnis der Künste heraus.

Inspirationen für ihre Werke entspringen ganz verschiedenen Quellen. Faszinierende Klänge können es sein, wie diejenigen von zerknülltem Seidenpapier, die als Anfangsidee für "Allegro ma non troppo", ein Werk für Schlagzeug und Zuspielband (mit stark theatralischen Elementen) wirkten. Es kann, wie in den "Miroirs des temps", Musik aus alter, ferner Zeit sein, aus der und um die herum neue Ideen entstehen. Wie in "Gougalon" können sich Urformen des fantastischen, maskierten und demaskierenden Theaters zu einer musikalischen Werkidee umformen; der flanierende Blick auf großstädtische Straßenbilder gab die Initialzündung zu "Graffiti", die Kunst der Pantomime animierte sie zu "cosmigimmicks".

Von Lewis Carroll über Ólafur Elíasson zu Wu Wei

Die Inspiration kann aus der Literatur kommen, wie bei den "Troerinnen", dem ersten Werk, das sie gelten ließ, ihrer ersten Oper "Alice in Wonderland" nach Lewis Carroll oder "Le Silence des Sirènes" nach James Joyce; sie kann vom Erlebnis bewegter Skulpturen eines Ólafur Elíasson ausgehen wie im Orchesterwerk "Rocaná" oder von der überwältigenden Musikalität eines Künstlers wie des Sheng-Spielers Wu Wei, der sie zu "Šu" anregte, einem Konzertstück, bei dem der Orchesterklang in seinen zahllosen Farbspielen aus dem Sound der Mundorgel hervorgeht und diesen scheinbar unbegrenzt erweitert.

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Saison 2019/2020

Im aktuellen Jahresprogrammheft des NDR Elbphilharmonie Orchesters finden Sie alle Informationen rund um Programme, Solisten und Dirigenten (PDF). Download (5 MB)

Virtuosität fasziniert sie: Solokonzerte nehmen einen breiten Raum in ihrem OEuvre ein, und deren kammermusikalische Entsprechungen, die Etüden für Klavier, schreibt sie immer wieder fort. Zu ihrem dialogischen Kunstverständnis gehören auch die Dialektik von freiem Spiel der Fantasie und strengen Strukturen (etwa in der "Fantaisie mécanique"), gehören Spiegelverhältnisse, wie sie sich manchmal als Kompositionstechnik, aber auch als geistiges Prinzip wie in ihrer "Alice"-Oper finden.

Neue Musik braucht Foren

Kreativität endet für Unsuk Chin nicht mit dem Schlussstrich einer Partitur. Musik soll gehört werden. Das Neue braucht Foren, um wirken zu können. Dafür engagiert sie sich, und nicht nur in eigener Sache. 2006 berief sie das Seoul Philharmonic Orchestra als Composer in Residence. Daraus entstanden die Konzertreihe ARS NOVA, die sie zwölf Jahre konzipierte und leitete, und eine enge dramaturgische Kooperation für die SPO-Programme insgesamt. ARS NOVA machte die klassische Moderne zum Teil mit koreanischen Erstaufführungen bekannt, entwarf über die Jahre ein beeindruckend weites Panorama zeitgenössischen Komponierens und ermöglichte koreanischen Komponistinnen den Einstieg in die großen Institutionen des Musiklebens.

Die seltene Fähigkeit, einem Publikum die vielen Facetten der Gegenwartsmusik unabhängig von der eigenen Richtung vorzustellen, beweist Unsuk Chin seit 2011 auch als Künstlerische Leiterin der "Music of Today"-Serie des Philharmonia Orchestra London. Andere Komponisten sieht sie als Partner in dem gemeinsamen Anliegen, der Kunst einen wirkungsvollen Ort in der Gesellschaft zu sichern.

Bach-Preis Hamburg 2019 für Chin

Veranstaltungen
NDR das neue werk

Unsuk Chin: Porträtkonzert I

28.11.2019 19:30 Uhr
NDR das neue werk

Unsuk Chins tänzerische und hoch anspruchsvolle Musik entführt in ganz eigene Welten. Im Rahmen der Veranstaltung wurde der Residenzkünstlerin des NDR der Hamburger Bach-Preis 2019 verliehen. mehr

Am 28. November 2019 wird Unsuk Chin im Rahmen eines Porträt-Konzerts der Bach-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg verliehen. Nach dem Grawemeyer Award 2004, dem Schönberg-Preis 2005, dem Musikpreis der Stiftung Fürst Pierre zu Monaco 2010, dem Wihuri-Sibelius-Preis 2017 und dem Marie-Josée Kravis Prize des New York Philharmonic Orchestra 2018 bedeutet ihr dies eine weitere wichtige Anerkennung ihrer künstlerischen Arbeit.

Die öffentliche Seite ihrer Residenz beginnt in der Opening Night des NDR Elbphilharmonie Orchesters mit einem neuen Werk. Im November, Februar, März und April geben weitere Konzerte einen Einblick in die vielen Schichten ihres Schaffens - konzentriert in Porträtkonzerten, kommunikativ in der Nachbarschaft tradierter und zeitgenössischer Werke, so, wie es dem künstlerischen Ethos Unsuk Chins entspricht.

NDR Elbphilharmonie Orchester

Die Begeisterung teilen: Saison 2019/2020

"Ich freue mich auf meine Zeit als Chefdirigent", so Alan Gilbert, der die Saison 2019/2020 des NDR Elbphilharmonie Orchesters vorgestellt hat: "Wir wollen unsere Begeisterung teilen." mehr