Stand: 12.06.2020 18:11 Uhr

CD der Woche: Helmchen und Manze mit Beethoven

von Friederike Westerhaus

Pünktlich zum großen Jubiläumsjahr hat sich Martin Helmchen die Klavierkonzerte von Ludwig van Beethoven vorgenommen: Alle fünf Konzerte spielt er zusammen mit dem Dirigenten Andrew Manze und dem Deutschen Symphonie Orchester Berlin ein - ein Projekt, das auch von der guten Künstlerfreundschaft zwischen Helmchen und Manze zeugt. Auf dem aktuellen Album ist das 1. und das 4. Klavierkonzert zu hören.

CD-Cover: Martin Helmchen - Beethoven: Piano Concerto 1 & 4 © Alpha
Auf seinem aktuellen Album spielt Martin Helmchen Beethovens 1. und 4. Klavierkonzert.

Mit dem Klavierkonzert Nr. 1 in C-Dur op 15 steht Beethoven erkennbar noch mit einem Bein in der Klassik. Die Eleganz und Schlankheit, der feine Ton - Helmchens Art, diesen Beethoven anzulegen, passt wunderbar zu dem Stück. Und sie passt bestens zu Andrew Manze, der ja auch von der historisch informierten Spielweise in besonderer Weise geprägt ist. Nichts wirkt hier zu dick oder irgendwie ausgewalzt - Helmchen und Manze sind in der Phrasierung ganz auf einer Linie.

Beethovens visionäre Kraft

Dass Beethoven sich hier noch im Fahrwasser Mozarts bewegte, ist unüberhörbar. An was für einem anderen Punkt stand er da bereits, als er das 4. Klavierkonzert schrieb! Nur wenige Jahre später entstanden als das 1. und das 2., nämlich 1805 bis 1806, zeigt das 4. Beethoven schon in seiner ganzen visionären Kraft. Ein immens herausforderndes Stück - das gibt auch Martin Helmchen zu: "Man kämpft ein Leben lang, das so klingen zu lassen, wie die Musik klingen will. Und jedes Gefühl von "das klingt jetzt nach Technik" wäre in diesem Stück fatal. Deshalb ist es letztlich schwerer als alles andere."

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Andrew Manze © NDR / Nikolaj Lund Foto: Nikolaj Lund

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Martin Helmchen geht souverän mit diesen Herausforderungen um. Das Stück wird nicht zum Schlachtfeld, sondern zur Tanzfläche. Die emotionalen Abgründe allerdings, das Ungestüme und Wilde, das darin steckt, das zeigt er auch.

Die Pforte zu einer anderen Welt

Der zweite Satz, Andante con moto, ist schlichtweg atemberaubend. Ein Satz, der nur gelingen kann, wenn der Pianist ganz in sich ruht. Wenn es sonst eher darum geht, dass der Solist immer auch innerlich beim Orchester ist und beide Kräfte zusammenfinden, geht es hier erst mal um Abgrenzung. "Man kann viele verschiedene Allegorien finden", sagt Helmchen. "Die klassische ist Orpheus, der in der Unterwelt nach Eurydike sucht und singt, weil er mit einer unglaublichen Wucht diese zwei Welten vorstellt. Dieses Schroffe, Kalte, Unmenschliche, was das Orchester ist. Und dann diesen tiefstempfundenen Gesang."

Es ist, als würde Beethoven mit diesem Satz die Pforte zu einer anderen Welt öffnen. Wie danach weiter? Mit einem Rondo vivace, das über sich hinauszuwachsen scheint und fast schon etwas von der "Ode an die Freude" hat. Und auch dieser Satz ist mitreißend musiziert - in dieser vortrefflichen neuen Beethoven-Einspielung.

Beethoven: Piano Concerto 1 & 4

Label:
Alpha

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NDR Kultur | Neue CDs | 14.06.2020 | 15:20 Uhr

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