neue musik

Ping-Pong mit Patricia Kopatchinskaja und Márton Illés

Dienstag, 09. Juni 2020, 21:00 bis 22:00 Uhr

Das Allerspannendste und Interessanteste ist für mich, ein neues Stück in die Welt zu führen und wie Alice in Wunderland neue Dinge zu erleben. Da gibt es eben Überraschungen - wie in einer schönen und gefährlichen Welt. Patricia Kopatchinskaja

Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja spielt ihr Instrument bei einem Auftritt. © provided courtesy of the artist
Für die Geigerin Patricia Kopatchinskaja hat Márton Illés das Stück "Vont-tér" komponiert.

Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja gerät ins Schwärmen, wenn sie von Musik erzählt. Und sie liebt es, wenn Komponisten Konzerte für sie schreiben, wie der ungarische Komponist Márton Illés. In Köln hat sie im Januar mit einem Dream-Team aus WDR Sinfonieorchester und dem Dirigenten Michael Wendeberg sein Violinkonzert "Vont-tér" uraufgeführt, das der Komponist ihr gewidmet hat. Er hat gleich zu Beginn den koboldhaften Spielwitz der Stargeigerin herausgefordert, um alle in seinen "gezogenen / erweiterten Raum" hineinzuziehen. Und dann ist er Achterbahn gefahren, mit Gefühlen, mit akrobatischen Linien und einer kaum zu bändigenden Lust, ständig aus dem Zeitmaß auszubrechen.

Patricia Kopatchinskajas Plädoyer für das Neue

Nach der Uraufführung fühlte die Geigerin "eine unendliche Dankbarkeit diesem Menschen gegenüber, der sich hingesetzt und ein derartiges Meisterwerk aufgeschrieben und uns sein Herz anvertraut hat." Sie ist überzeugt, dass der Mittelpunkt des Geschehens in der Kunst in der Frage liegt: "Was passiert jetzt?" Die Geigerin setzt sich dafür ein, dass es in der Musik ganz normal wird, sich das Neue anzuhören, so wie man sich die neuesten Bilder in Museen und Galerien ansieht und mit größter Neugier die allerneuesten Bücher liest. Und mit ihrem Spiel bietet sie dem Publikum eine Einladung, der man kaum widerstehen kann. Viele meinen, die klassische Musik von heute sei zu abstrakt. Patricia Kopatchinskaja kontert: "Das ist sie aber nicht. Sie ist genau so vom Herzen zum Herzen gemeint, wie es bei Brahms war oder bei Sibelius, bei Rachmaninov oder bei Tschaikowsky."

Komponist Marton Illes schaut am Mittwoch (13.08.2008) in Hamburg in die Kamera. © (c) dpa - Report Foto: Maurizio Gambarini
Der Komponist und Solopianist Márton Illés wurde 1975 in Budapest geboren.

Márton Illés hat sein "Vont-tér" direkt für die Geigerin komponiert, für ihre Sinnlichkeit, ihre Virtuosität, ihre Körperlichkeit, ihre Erfahrung, den glanzvollen, lebendigen, spritzigen Ton und für ihren Verstand. Denn ohne den Sinn zu durchschauen, würden die Kapriolen mit Tiefgang keinen lebendigen Klang entwickeln. Und den braucht es, um das Publikum zu überzeugen und mitzunehmen. Und so beruhigt die Musikerin die Zuhörerinnen und Zuhörer: "Man muss kein Konservatorium abgeschlossen haben, um als Zuhörer im Publikum die Essenz eines Stückes mitzubekommen. Das ist wie bei Alice im Wunderland: Lasst euch hineintauchen und lasst diese seltsamen, wundersamen Klänge und Geschichten auf euch einwirken. Und schaut, was mit euch passiert! Ich finde es so viel spannender, als immer wieder bekannte Stücke auf bekannte Weise zu spielen. Das ist einfach wie jeden Tag Schnitzel essen."

Márton Illés' Klavierkonzert "Rajzok II"

Márton Illés (geboren 1975 in Budapest) ist ein erfolgreicher Komponist und Solopianist. Sein Klavierkonzert "Rajzok II" hat er als Solist am Klavier mit dem SWR Sinfonieorchester und dem Dirigenten Pablo Rus Broseta in einem Konzert aufgeführt, das unter dem Titel "Solo und Salto" stand und durchaus Assoziationen an einen Zirkus wecken wollte. Der Komponist ist skeptisch. Zirkusnummern entzücken das Auge, sagt er, "aber das sind keine wirklichen Dinge. Das sind Zaubereien, die da passieren." Und die allein würden ihm nicht genügen: "Akrobatik und technische Schwierigkeiten, das mag sehr imponieren, aber das sehe ich eher als einen Kollateralschaden eines Elans und einer Inbrunst, die vielleicht meiner Musik innewohnt."

Eine Sendung von Margarete Zander

Weitere Informationen
Tasten eines Konzertflügels © NDR

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