Sendedatum: 12.12.2019 07:40 Uhr

NDR Kultur Foyerkonzert mit Runge & Ammon

von Lenore Lötsch

Grabow in Mecklenburg-Vorpommern hat 5.700 Einwohner und ein Schützenhaus. Das allerdings heißt nur noch so - geschossen wird dort nicht mehr. Stattdessen aber gefeiert, getanzt und geklönt. Am 11. Dezember 2019 war es ein Ort der musikalischen Entdeckung. Das NDR Kultur Foyerkonzert on Tour war zu Gast im Grabower Schützenhaus und hatte Musiker eingeladen, die mit ihrem neuen Projekt nicht weniger als eine Revolution versprechen: das Duo Runge & Ammon.

Ein roter Samtvorhang, güldene Säulen und verschnörkelte Lüster, sieben große Geweihe und ein Bärenfell an der Wand, man erwartet im Grabower Schützenhaus Gediegenes, vielleicht ein bisschen Waldhornmusik, doch dann kommen Jacques Ammon und Eckart Runge und spielen zunächst "Eleanor Rigby" von Paul McCartney.

"Beethoven war ein Genie"

Jacques Ammon und Eckart Runge beim NDR Kultur Foyerkonzert in Grabow © Andreas Kluge/ NDR Foto: Andreas Kluge
Seit 23 Jahren ein musikalisches Paar: Jacques Ammon und Eckart Runge

Die ersten Füße wippen, doch schon fragen die Ungeduldigen: Wann kommt er denn, der Beethoven? Schließlich heißt das Programm des Duos Runge & Amon "RollOver Beethoven - Revolution" Und wirklich: Der dritte Satz von Beethovens "Sonate op. 110", ursprünglich für Klavier solo, klingt unerhört neu.

"Jedesmal, wenn wir das spielen, ergibt sich was Neues und dann merkt man: Das war ein Genie, der das komponiert hat, und er war damals absolut taub", erklärt Pianist Jacques Ammon und fügt hinzu: "Wie kann jemand das im Kopf haben? Und wir hören das und wir finden immer wieder was Neues und es ist zeitlos, kompromisslos und es ist Zukunft und Vergangenheit."

"Das ist wie Parmaschinken auf einer Melone"

Ludwig Hartmann interviewt Jacques Ammon und Eckart Runge beim NDR Kultur Foyerkonzert in Grabow © Andreas Kluge/ NDR Foto: Andreas Kluge
"Mr. Foyerkonzert" Ludwig Hartmann hat seine Gäste - wie immer - im Griff.

Grenzgänger werden der Pianist Jaques Ammon und der Cellist Eckart Runge gern genannt. Doch dort, wo andere Grenzen sehen, voneinander abgeschlossene Welten wahrnehmen, spielen die beiden einfach: hemmungslos und entdeckungsfreudig. Beethovens "Cavatina" und gleich danach Frank Zappas "Be-Bop Tango". Eine kleine Warnung an die Puristen gab es von NDR Kultur Moderator Ludwig Hartmann im Gespräch mit Eckart Runge dann doch vorher: "Heiligtum gegen Lärm, sag ich jetzt mal ganz böse. Diese 'Cavatina' ist tatsächlich eine Perle für die einsame Insel. Entweder man hört danach auf zu spielen und sagt den ganzen Abend nichts mehr. Oder man spielt Zappa: Das ist ein bisschen, wie wenn man ein Stück Parmaschinken auf eine Melone legt."

Und während das Publikum sich bei der "Cavatina", bei der der Komponistentitan seltene Zerbrechlichkeit zeigt, nach hinten lehnt, sind die Oberkörper bei Zappas "Be-Bop Tango" mit einem mal wieder sehr aufrecht. Und mancher fühlt sich an Hape Kerkerlings "Hurz"-Konzert erinnert.

Eckart Runge beim NDR Kultur Foyerkonzert in Grabow © Andreas Kluge/ NDR Foto: Andreas Kluge

AUDIO: NDR Kultur Foyerkonzert mit Runge & Ammon (4 Min)

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 12.12.2019 | 07:40 Uhr

NDR Kultur Livestream

Am Morgen vorgelesen

08:30 - 09:00 Uhr
Live hörenTitelliste